Vogelgrippe breitet sich über die Luft aus

Übertragung der Vogelgrippe über die Luft

Forscher melden: Der Vogelgrippe-Virus kann sich über die Luft ausbreiten. Bei einer Tier-zu-Tier-Übertragung wurde der Infektionsweg festgestellt.

Verbreitung des Vogelgrippe-Virus H7N9 vor allem über engen Kontakt

25.05.2013

Gerade scheint die Infektionswelle mit dem Vogelgrippe-Virus H7N9 in China zurückzugehen, da lässt ein internationales Forscherteam bereits die nächste beunruhigende Meldung verlauten: Das neue Virus soll sich auch über die Luft verbreiten können. In einer Studie mit Frettchen sei zum einen die Ansteckung von Tier zu Tier aber auch die Verbreitung über den Luftweg nachgewiesen worden.

Vogelgrippe-Virus könnte sich weit verbreiten
Im Fachmagazin „Science“ berichtet eine Forschergruppe aus China, Kanada und den USA, dass sich das neue Vogelgrippe-Virus nicht nur von Tier zu Tier überträgt, sondern auch weniger effektiv über die Luft.

Für ihre Untersuchung hatten die Forscher das Virus von einer verstorben Patientin isoliert und in die Nase von Frettchen geträufelt. Am darauffolgenden Tag wurden drei gesunde Tiere in den Käfig zu den Infizierten gesetzt. Dann stellten sie einen zweiten Käfig mit drei weiteren gesunden Frettchen unmittelbar neben den anderen Käfig. Nach kurzer Zeit hatten sich alle Tiere in dem Käfig mit den infizierten Frettchen angesteckt. In dem zweiten Käfig infizierte sich dagegen nur eines der drei zuvor gesunden Tiere.

Die Forscher stellten zudem fest, dass sich die Erreger bereits mindestens einen Tag vor Auftreten der ersten Krankheitssymptome in der Nase der Tiere befanden. Das Virus könnte demnach auch von Menschen übertragen werden, bevor sie selbst an der Vogelgrippe erkranken. Dadurch wäre eine Epidemie viel schwerer zu kontrollieren. Falls tatsächlich eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch möglich sei, könne er sich weit verbreiten, vermuten die Forscher.

Trotz möglicher Verbreitung des Vogelgrippe-Virus über die Luft kein Grund zur Panik
„Diese Tierstudie zeigt uns, dass ein enger Kontakt nötig ist, damit sich das Virus verbreiten kann und dass für Mitarbeiter im Gesundheitswesen die Gefahr der Ansteckung besteht, da sie in engem Kontakt mit Menschen sind“, erläuterte der Wissenschaftler David Kelvin von der Universität Toronto in Kanada in einer Mitteilung seines Instituts. „Es zeigte sich zudem, dass eine Übertragung durch die Luft bei den Tieren sehr schwierig war, was vermutlich auch bei Menschen der Fall ist.“

Frettchen werden häufig für derartige Studien eingesetzt, da sie zu den Säugetieren gehören und Mensch-zu-Mensch-Übertragungen ableitbar sind. Deshalb folgern die Forscher aus der Studie, dass unter bestimmten Bedingungen auch „eine Übertragung zwischen Menschen vermutlich möglich" sei. Eine Übertragung des jetzigen Virus durch die Luft „scheint jedoch nicht sehr leicht zu sein“, betonte Kelvin.

Die Studienergebnisse sollten jedoch nicht vorschnell auf den Menschen übertragen werden, warnte der Virologe Professor Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg, der mit der Nachrichtenagentur „dpa“ sprach. „Die Studie beruht auf streng kontrollierten Versuchen an Frettchen. Es gibt bisher keinen Beweis dafür, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch überträgt." Dennoch müsse der Erreger gut beobachtetet werden, da einige seiner Eigenschaften typischen menschlichen Influenzaviren ähnlich seien. Die Vogelgrippe-Symptome sind zudem ähnlich einer saisonalen Grippe.

Infektionswelle in China mit Vogelgrippe-Virus H7N9 ebbt ab
Seit Ende März, als chinesische Behörden zum erste Mal über Infektionen mit dem Vogelgrippe-Virus bei Menschen berichteten, infizierten sich Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge landesweit 131 Menschen. Für 36 Menschen endete die Infektion tödlich. Seit dem 8. Mai hat es jedoch keine weiteren Fälle gegeben, so dass die Vorsichtmaßnahmen, zu denen auch die Tötung von vielen Vögeln und Geflügel gehörte, Wirkung zu zeigen scheinen.

Unterdes arbeiten Pharmakonzerne wie Novartis, Sanofi und Baxter mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Vogelgrippe-Virus H7N9. Denn das Virus könnte über Zugvögel auch in andere Regionen außerhalb Chinas wie die USA oder Europa gelangen. Klenk zufolge könne ein Massenimpfstoff in etwa drei Monaten zur Verfügung stehen. (ag)

 


Bild: Gerd Altmann, Pixelio