Vogelgrippe Erreger hat Peking erreicht

Fabian Peters

Ausbreitung der Vogelgrippe H7N9 offenbar nicht aufzuhalten

14.04.2013

Immer mehr Menschen in China erkranken an dem bislang wenig bekannten Vogelgrippe-Virus H7N9. Mittlerweile wurde auch in Peking die erste Infektion nachgewiesen. Laut Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur „Xinhua“ erhöhte sich "die Anzahl der Vogelgrippe-Infektionen mit dem Nachweise bei dem siebenjährigen Mädchen in Peking auf 44 in ganz China". Elf der Betroffenen überlebten die H7N9-Infektion nicht.

Der stellvertretende Direktor des städtischen Gesundheitsamtes (Municipal Health Bureau) in Peking, Zhong Dongbo, erklärte auf einer aktuellen Pressekonferenz, das infizierte Mädchen werde derzeit am „Pekinger Ditan Krankenhaus behandelt und ist in einem stabilen Zustand.“ Erstmals wurde eine Infektion mit dem Vogelgrippe-Erreger H7N9 von offizieller Seite aus auch in Peking bestätigt. Die bisherigen Infektionen betrafen ausschließlich Shanghai und die umliegenden Provinzen.

Influenza-Experten: Alles ist möglich
Angesichts der vermehrten Nachweise von H7N9-Infektionen in China wächst die Sorge unter den Grippeexperten weltweit. So erklärte Dr. Keiji Fukuda, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass derzeit „fast alles, was man sich vorstellen kann möglich“ sei. Am Ende würden jedoch „wahrscheinlich die Dinge geschehen, die Sie sich nicht vorstellen können“, betonte der Influenza-Experte, der auch mehrere Jahre für die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control (CDC) tätig war, bevor er zur WHO wechselte. Schlimmstenfalls könnte sich eine von Mensch zu Mensch übertragbare Variante des Vogelgrippe-Erregers entwickeln beziehungsweise bereits entwickelt haben, die eine weltweite Ausbreitung der Infektionen in Form einer Pandemie mit sich bringt.

Infektionsweg bislang nicht abschließend geklärt
Tatsächlich ist bislang nicht geklärt, auf welchem Wege sich die Betroffenen mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert haben. Doch nach Ansicht der Experten scheint es derzeit nicht so, "als ob sich das Virus von Mensch zu Mensch verbreitet". So hätten auch Menschen, "die in engen Kontakt mit dem infizierten Mädchen in Peking standen, keine Grippe-Symptome aufgewiesen". Die Eltern des Kindes arbeiten jedoch im Handel mit lebendem Geflügel, so dass eine Infektion auf diesem Wege erfolgt sein könnte. Das siebenjährige Mädchen wurde am Donnerstag Morgen mit schweren Grippe-Symptome beziehungsweise hohem Fieber, Husten, Halsschmerzen und Kopfschmerzen in die Pekinger Ditan Klinik eingeliefert, wo anschließend auch eine schwere Lungenentzündung festgestellt wurde. Zwischenzeitig erfolgte eine Versorgung des Mädchens auf der Intensivstation, nachdem ihr Zustand sich am Freitag zunächst verschlechtert hatte.

Ausbreitung der H7N9-Grippeviren nicht zu stoppen
Seit vor rund einem Monat der erste Todesfall in China aufgrund einer Infektion mit dem H7N9-Virus festgestellt wurde, sind die chinesischen Behörden und die Weltgesundheitsorganisation alarmiert. Vor Ort werden mögliche Verbreitungswege analysiert und bekannte Infektionsrisiken beseitigt. So ließen die Behörden zum Beispiel nach dem Nachweis des Erregers bei Tauben in Shanghai vorsorglich tausende Vögel, insbesondere Enten, Hühner, Gänse und Tauben, töten. Der Handel mit Lebendgeflügel auf den Märkten in Shanghai wurde zunächst unterbunden und durch Impfungen sollten Geflügelbestände in anderen Regionen geschützt werden. Doch konnten die Bemühungen eine Ausbreitung der Erreger bis nach Peking offenbar nicht verhindern. Die zunächst lokal begrenzte Infektionswelle scheint sich zu einer Epidemie zu entwickeln, die am Ende auch auf andere Länder übergreifen könnte. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben die Gesundheitsbehörden zahlreicher Staaten China ihre Unterstützung bei der Bekämpfung der H7N9-Infektionen angeboten.

Offener Umgang mit der Bedrohung durch die Vogelgrippe
Vielfach gelobt wurde der relativ offene Umgang der chinesischen Behörden mit der möglichen Gesundheitsbedrohung durch die Vogelgrippe-Erreger. Als vor rund zehn Jahren die SARS-Pandemie in China ihren Anfang nahm, war das Verhalten hier zunächst noch weitestgehend von Geheimhaltung und Vertuschung geprägt. Aktuell wurden die meisten verfügbaren Informationen von offizieller Seite jedoch recht zeitnah weitergegeben. Allerdings kam in den chinesischen Medien auch die Frage auf, wieso 27 Tage zwischen dem ersten H7N9-Todesfall und seiner öffentlichen Bestätigung vergingen. Die zuständigen Behörden erklärten hierzu, dass die Bestätigung der Todesursache so lange gedauert habe, weil das Virus zuvor noch nie beim Menschen identifiziert worden sei. (fp)

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