Vor startender Grippe-Saison: Experten warnen vor Impflücken

Fabian Peters
Anstehende Grippewelle: Gesundheitsexperten warnen vor zu wenig Impfungen
Zwar dauert es noch etwas, bis die Grippe-Saison beginnt, doch Gesundheitsexperten warnen schon jetzt vor Impflücken. Vor allem für ältere und geschwächte Menschen könne eine Influenza ohne Schutz gefährlich werden.

Nur jeder Zweite über 60 Jahren geimpft
Auch wenn es bis zur Grippesaison noch ein bisschen hin ist, sollten sich die Bürger Fachleuten zufolge bereits jetzt überlegen, ob sie dieses Jahr wieder zur Grippe-Impfung sollen. Gesundheitsexperten warnten nun vor den bestehenden Impflücken in Deutschland. Laut einer gemeinsamen Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI), des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), war zuletzt nur jeder Zweite der besonders gefährdeten Über-60-Jährigen geimpft.

Jährlich wird die Bevölkerung zur Grippeimfung aufgerufen. (Bild:  thodonal/fotolia.com)
Jährlich wird die Bevölkerung zur Grippeimfung aufgerufen. (Bild: thodonal/fotolia.com)

Impfquote in Deutschland nicht erreicht
Hintergrund sind Daten eines kürzlich veröffentlichten Berichts zur vergangenen Grippesaison der „Arbeitsgemeinschaft Influenza“. Und auch unter chronisch Kranken zwischen 18 und 59 Jahren waren lediglich 24 Prozent geimpft, obwohl bei dieser Gruppe das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ebenfalls höher ist. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird für Risikogruppen jedoch eine Impfquote von mindestens 75 Prozent gefordert. Hierzulande sind aber viele Menschen skeptisch und debattieren seit langem über Pro und Contra der Grippe-Impfung. Zweifel am Sinn der Impfung wurden zudem in der vergangenen Saison gestärkt, als bekannt wurde, dass der Grippe-Impfstoff nicht so gut wirkte.

Über sechs Millionen Arztbesuche wegen Grippe
Nach RKI-Angaben waren zuletzt insbesondere ältere Menschen im Alter von über 60 Jahren von schweren Verläufen der Krankheit betroffen. In manchen Fällen kann eine Influenza auch zum Tode führen. In der Saison 2014/2015 gab es den Hochrechnungen zufolge rund 6,2 Millionen grippebedingte Arztbesuche. Etwa 31.000 Patienten kamen laut den Schätzungen deswegen ins Krankenhaus. Insgesamt wurden bundesweit rund 88.000 Erkrankungsfälle registriert. Laut dem RKI war das – abgesehen von der Schweinegrippepandemie 2009 – der höchste Stand seit 2001. Allerdings dürfte die Zahl der tatsächlichen Influenza-Erkrankungen noch weit höher gelegen haben.

Menschen aus Risikogruppen wird zur Impfung geraten
„Die Impfung ist eine wichtige und sichere Schutzmöglichkeit, auch wenn ihre Wirksamkeit schwanken kann“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden bislang über 17 Millionen Impfdosen freigegeben. „Die Impfstoffe für die neue Saison 2015/2016 unterscheiden sich in zwei der drei Komponenten gegenüber der vorangegangenen Saison“, teilte PEI-Präsident Klaus Cichutek mit. Meist beginnt die Grippewelle im Dezember und dauert bis März oder April. Allerdings können bereits jetzt Erkrankungsfälle auftreten. Empfohlen wird die Grippe-Impfung in erster Linie älteren Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranken mit Grundleiden wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, medizinischem Personal sowie Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Angesichts der wochenlangen Strapazen, die die Menschen durchmachen mussten, hat eine Virologin zu Grippe-Impfungen in Flüchtlingsunterkünften geraten. Die Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München, Ulrike Protzer, erklärte, dass es für geschwächte Menschen ein größeres Risiko ist, schwerer zu erkranken, wenn sie sich einen Infekt einfangen. Einen Mangel an Grippe-Impfdosen gebe es der Expertin zufolge nicht. (ad)