Vorhofflimmern: Das Herz in den Takt zurück holen

Lars Budde

Therapiemethoden gegen Vorhofflimmern: Medikamente, Kardioversion, Katheterablation

03.06.2013

Vorhofflimmern ist laut Experten die häufigste Herzrhytmusstörung. Etwa 1,8 Millionen Menschen leiden unter dem Problem. Zu den Symptomen zählen Atemnot, aufsteigende Hitze im Kopf, Herzklopfen und ein Druckgefühl in der Brust. Hinzu kommt ein unkontrolliertes Herzrasen in den Herzvorhöfen. Grundsätzlich kann das Ausmaß der Symptome allerdings sehr unterschiedlich ausfallen, es ist also Vorsicht angebracht. Denn obwohl Vorhofflimmern nicht lebensbedrohlich ist, kann die Krankheit zum Schlaganfall führen – insbesondere in fortgeschrittenem Alter.

Risiko von Vorhofflimmern steigt mit dem Alter
Durch die Herzrhytmusstörung können sich die Vorhöfe des Herzens nicht mehr richtig zusammenziehen. Pro Herzschlag wird weniger Flüssigkeit in die Blutgefäße gepumpt. Das stockende Blut kann zu einem Gerinnsel führen, weshalb die deutsche Herzstiftung zum gerinnungshemmende Medikamenten wie Marcumar oder Falithrom empfiehlt. Wichtig ist jedoch „immer das Risiko für einen Schlaganfall gegen das Blutungsrisiko abzuwägen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Thomas Meinertz.

Das Risiko des Vorhofflimmerns steigt mit dem Alter exponentiell, erklärt Professor Andreas Götte vom Kompetenznetz Vorhofflimmern. In der Altersgruppe der über 60-Jähringen sind derzeit rund vier Prozent betroffen. Bei den über 80-Jährigen liegt der Prozentsatz bei 20 bis 25 Prozent. Götte geht davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten 20 Jahren verdreifacht. Um einen

Blutgerinnungswerte zur Dosierung von Medikamenten selbstständig messen
Die Prüfung erfolgt beim Arzt oder Apotheker. Nach einer Schulung können Patienten ihre Blutgerinnungswerte aber auch selbstständig messen. Hierfür stehen transportable, elektronische Geräte zur Verfügung, die batteriebeladen den aktuellen Gerinnungswert ermitteln. Da dieser aufgrund von Ernährung oder Stress ständigen Schwankungen unterliegt, lohnt dieses Unterfangen. Betroffene können die Dosierung ihrer Medikamente anschließend selbstständig anpassen.

Die Prüfung erfolgt mithilfe des Messgeräts und eines Teststreifens. Über einen kleine Nadel können Betroffene ihrer Fingerkuppe einen Tropfen Blut entnehmen, der auf dem Teststreifen platziert und zur Prüfung in das Gerät eingelegt wird. Dieses misst den Wert und meldet das Ergebnis über eine Digitalanzeige, der gesamte Prozess dauert in der Regel rund eine Minute. Alle Messergebnisse und Dosierungsänderungen werden protokolliert und regelmäßig durch einen Arzt kontrolliert.

Medikamente nicht frei von Nebenwirkungen
Gerinnungshemmende Medikamente sind nicht frei von Nebenwirkungen. So steigert beispielsweise Macumar das Risiko von leichteren Blutungen mit Blutergussbildung. Sie sind in der Regel ungefährlich, können in Einzelfällen aber zum ernsthaften gesundheitlichen Risiko werden. Kritisch sind insbesondere Blutungen in den ableitenden Harnwegen oder im Magen. Um das Leben der Betroffenen nicht zu gefährden, müssen Ärzte umgehend entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.

Alternative Therapiemethoden von Vorhofflimmern
Eine alternative Therapiemethode des Vorhofflimmerns ist die Kardioversion, ein leichter Elektroschock unter kurzer Betäubung. Er dient dazu, den Herzschlag wieder dem gewohnten Rhythmus anzugleichen. Ärzte müssen zuvor allerdings sicherstellen, dass noch kein Blutgerinnsel vorliegt. Hierfür wird das Herz per Ultraschall untersucht. In der Regel gelingt es, das Herz wieder in den sogenannten Synusrhytmus zu bringen. Es kommt jedoch immer wieder vor, dass Vorhofflimmern nach einiger Zeit erneut auftritt.

Führen Medikamente und Kardioversion nicht zum gewünschten Ergebnis, kommt eine Katheterablation in Frage. Die sogenannte „Verödung“ erfolgt durch einen Kunststoffschlauch, in Fachkreisen „Katheter“ genannt, der durch die Hohlvene von der Leiste bis zum Herz vorgeschoben wird. Durch Frequenzstrom oder Kälte verödet der Arzt anschließend einen ganz bestimmten Bereich des Herzvorhofs. Die Erfolgsquote liegt nach einem Jahr bei immerhin 60 bis 80 Prozent, nach einer Wiederholung sogar bei 90 Prozent. (lb)

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