Vorhofflimmern: Tausende Schlaganfälle

Heilpraxisnet

Jährlich 10.000 Schlaganfälle vermeidbar

05.07.2014

Einer neuen Studie zufolge könnten in Deutschland jährlich bis zu 10.000 Schlaganfälle durch eine bessere Behandlung und Vorsorge verhindert werden. Vor allem das zu den wichtigsten Risikofaktoren zählende Vorhofflimmern werde unterschätzt.

10.000 Schlaganfälle im Jahr vermeidbar

Zusammen mit Krebs gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Doch laut einer neuen Studie könnten jährlich bis zu 10.000 Schlaganfälle hierzulande durch eine bessere Behandlung und Vorsorge verhindert werden. Wie die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung der Krankenkasse DAK-Gesundheit zeigt, wären allein 9.400 Hirnschläge durch eine konsequentere Behandlung des Vorhofflimmerns, einer Herzrhythmusstörung, vermeidbar. Und weitere 500 Fälle könnten demnach durch eine verbesserte Versorgung von Menschen, die bereits einen Beinahe-Schlaganfall erlitten haben, verhindert werden.

Dritthäufigste Todesursache

Pro Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Der Großteil von ihnen ist älter als 60 Jahre. Auslöser für Schlaganfälle, die hierzulande die dritthäufigste Todesursache sind, sind in den meisten Fällen verstopfte Blutgefäße, beispielsweise durch Verkalkungen. Doch auch eine Hirnblutung kann zum Schlaganfall führen. Menschen, die einen Hirninfarkt überleben, sind häufig körperlich stark eingeschränkt. Unter anderem zählen Bewegungs- und Sprachstörungen, Lähmungen, Sehstörungen oder ein hängender Mundwinkel zu den Symptomen, wobei in der Regel nur eine Körperhälfte betroffen ist. Da vor allem die ersten Stunden über Leben oder Tod beziehungsweise über bleibende Behinderungen entscheiden können, gilt grundsätzlich, dass Hilfe so schnell wie möglich nötig ist.

Vorhofflimmern kann Schlaganfall auslösen

Laut dem DAK-Report, der vom Berliner IGES Institut erstellt wurde, kann die Schlaganfall-Vorsorge bei 60 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern wesentlich verbessert werden. Diese Erkrankung gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Symptome, die dabei auftreten können, sind Atemnot, aufsteigende Hitze im Kopf, Herzklopfen und ein Druckgefühl in der Brust. Des Weiteren kann ein unkontrolliertes Herzrasen in den Herzvorhöfen auftreten. Zu den Risikofaktoren für Vorhofflimmern zählen unter anderem hohes Lebensalter, bereits bestehende Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes und Übergewicht beziehungsweise Adipositas. Vorhofflimmern werde nur bei etwa einem Drittel der Betroffenen überhaupt entdeckt. Allerdings bekomme nur jeder zweite Patient bei Diagnose geeignete Medikamente. Der DAK-Chef Herbert Rebscher erklärte, dass sich tausende erstmalige Schlaganfälle vermeiden ließen, wenn Vorhofflimmern bei vier von fünf Patienten erkannt und richtig behandelt würde.

Bessere Versorgung mit Medikamenten

Demnach wären auch durch eine bessere Medikamentenversorgung von Patienten mit Beinahe-Schlaganfall viele Fälle vermeidbar. In Deutschland werden jährlich rund 84.000 Patienten mit erstmaligem Beinahe-Schlaganfall, einer sogenannten Transitorischen ischämischen Attacke (TIA), im Krankenhaus behandelt. Die Symptome sind durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn dieselben wie beim Hirninfarkt, aber sie bilden sich binnen 24 Stunden wieder zurück. Die Betroffenen sind jedoch besonders gefährdet, später einen richtigen Schlaganfall zu erleiden. Laut dem Report wären rund 500 Schlaganfälle pro Jahr vermeidbar, wenn bei rund einem Viertel der Patienten mit Beinahe-Schlaganfall die Versorgung mit Medikamenten verbessert würde.

430 Millionen Euro für vermeidbare Schlaganfälle

Experten gehen von etwa 43.000 Euro lebenslangen Behandlungskosten pro Schlaganfall-Patient aus. Demnach müssen für die Behandlung der rund 10.000 vermeidbaren Schlaganfälle insgesamt 430 Millionen Euro aufgebracht werden. Die DAK fordert vor diesem Hintergrund „mehr Handlungsspielraum“ für die Krankenkassen. Diese könnten bislang aufgrund der Datenschutzbestimmungen Patienten oder Ärzte nur in sehr geringem Maße auf potenzielle Versorgungsmängel ansprechen, obwohl ihnen Diagnosedaten vorliegen. (ad)

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