Vorschüler zu selten bei der Zahnprophylaxe

Fabian Peters

Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen bei Vorschulkindern zu selten

25.04.2012

Zwei Drittel der Kinder im Vorschulalter versäumen die Zahnprophylaxe. Während bei den Sechs- bis 18-Jährigen immerhin 68 Prozent einmal im Jahr eine individuellen Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt durchführen lassen, trifft dies bei den unter Sechsjährigen auf lediglich 31 Prozent zu, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Krankenkasse Barmer GEK.

Mehr zum Thema:

In dem Zahnreport 2012 hat die Barmer GEK sämtliche Zahnbehandlungen ihrer über acht Millionen Versicherten aus dem Jahr 2010 ausgewertet. Aus der Studie geht hervor, dass zwei von drei Vorschülern nicht die Möglichkeit einer Prophylaxe beim Zahnarzt wahrnehmen. Hierdurch steigt das Risiko von Karies an den Milchzähnen. Schädigungen des Milchgebisses können jedoch auch zu Schäden an den bleibenden Zähnen führen, warnen die Experten.

Ausbau der Gruppenprophylaxe in Kindergärten gefordert
Die Barmer GEK erfasst in ihrem Zahnreport unter anderem Faktoren wie die Behandlungsrate, die Zahnarztkontakte und die Ausgaben, aufgeschlüsselt nach Regionen, Geschlecht und Altersgruppen. Gegenüber dem Vorjahresbericht lassen die Zahlen des Zahnreports 2012 nur wenige Änderungen erkennen, zeigen jedoch erneut bei den Vorschulkindern eine nach Ansicht der Experten zu geringe Beteiligung an der Zahnprophylaxe. Zwar nehmen immerhin 31 Prozent der Kinder im Vorschulalter die Möglichkeit der Vorsorgeuntersuchung war, doch der Anteil müsse weiter ausgebaut werden, forderten die Studienautoren. Hier plädierten die Experten auch für vermehrte Gruppenuntersuchungen beziehungsweise Gruppenprophylaxe in den Kindergärten. Bei Vorstellung des Zahnreports 2012 am Dienstag in Berlin betonte der Studienautor Thomas Schäfer vom Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung die Bedeutung der Prophylaxe für die Zahngesundheit der Kinder. Schäden der Milchzähne hätten „später häufig Schäden der bleibenden Zähne zur Folge“, so die Aussage des Experten. Schäfer forderte daher: „Wir müssen die Akzeptanz der kleinkindlichen Früherkennungsuntersuchung stärken, insbesondere in sozial schwachen Familien und bei alleinerziehenden Müttern.“

Kinder dürfen nicht vom zahnmedizinischen Fortschritt abgehängt werden
Rund sechs Prozent der insgesamt eingesetzten Füllungen betreffen die Milchzähne, was nach Ansicht der Autoren und der Barmer GEK für einen Ausbau der Gruppenprophylaxe bei den Vorschulkindern spricht. Auch eine intensivere Betreuung der Kinder aus sozial schwachen Familien sei hier angebracht, erklärten die Experten. „Wir müssen aufpassen, dass gerade die Kleinsten nicht vom zahnmedizinischen Fortschritt abgehängt werden“, warnte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, bei Vorstellung des Zahnreports. Ein systematischer Ausbau der Gruppenvorsorge in den Kindergärten sei daher erforderlich. Allerdings läuft auch bei den sechs- bis 18-Jährigen keineswegs alles perfekt. Zwar beteiligen sich 68 Prozent der Heranwachsenden dieser Altersgruppe an individuellen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt, doch „auch hier müssen wir zusehen, dass die Beitragsgelder noch bedarfsgerechter eingesetzt werden und wir nicht die Zweidrittelversorgung riskieren", mahnte Rolf-Ulrich Schlenker.

Frauen häufiger beim Zahnarzt als Männer
Mit Blick auf die Gesamtbevölkerung scheint die Bereitschaft zur Prophylaxe insgesamt noch ausbaufähig. So nahm lediglich etwas mehr als die Hälfte der über acht Millionen Barmer GEK-Versicherten die jährliche Zahnprophylaxe mitsamt Stempel im Bonusheft in Anspruch. Obwohl die Einträge im Bonusheft Vorteile beziehungsweise Zuzahlungsbefreiungen bei künftigen Zahnbehandlungen versprechen, scheint dieser Anreiz viele nicht zu interessieren. Frauen sind zwar deutlich häufiger beim Zahnarzt als Männer (74 Prozent gegenüber 66 Prozent mindestens einmal pro Jahr), doch auch bei ihnen unterlässt rund ein Viertel die jährliche Routineuntersuchung. Im Sinne der Zahngesundheit wäre demnach eine Steigerung der individuellen Vorsorge beim Zahnarzt durchaus wünschenswert, so die Aussage der Experte. (fp)