Vorsorgeuntersuchung: So die Darmkrebssterblichkeit senken

Alfred Domke

Darmkrebs-Screening-Verfahren: Krebserkrankung im frühen Stadium aufspüren

Darmkrebs ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen. Die Heilungschancen hängen stark davon ab, wie früh die Erkrankung diagnostiziert wird. Eine internationale Expertengruppe hat nun eine umfassende Bewertung der Darmkrebs-Screening-Verfahren veröffentlicht. Demnach können Stuhltests und endoskopische Untersuchungen die Darmkrebssterblichkeit deutlich senken.


Darmkrebs macht zehn Prozent aller Krebsneuerkrankungen aus

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) macht Darmkrebs weltweit rund zehn Prozent aller Krebsneuerkrankungen aus. Mit steigendem Einkommen der Länder steigen auch die Darmkrebs-Neuerkrankungsraten. Anders verhält es sich mit den Überlebensraten: Überleben in den wohlhabenden Industrienationen etwa 60 Prozent der Betroffenen die ersten fünf Jahre nach einer Darmkrebsdiagnose, so sind es im armen Teil der Welt höchstens 30 Prozent der Erkrankten. Wichtig wäre eine frühe Diagnose. Denn die Früherkennung kann Leben retten. Doch welcher Krebstest ist am sichersten? Sowohl Stuhltests als auch endoskopische Verfahren wie Darmspiegelungen können die Darmkrebssterblichkeit senken, berichten Experten.

Stuhltests und endoskopische Verfahren wie Darmspiegelungen können Darmkrebs bereits in einem frühen Stadium aufspüren und damit die Krebssterblichkeit senken. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Erkrankung in einem frühen Stadium erkennen

Eine Reihe von Screeningverfahren soll Darmkrebs bereits in einem frühen Stadium aufspüren und damit die Krebssterblichkeit und auch die Neuerkrankungsrate reduzieren. Doch für welche der Verfahren ist dies bislang ausreichend wissenschaftlich belegt?

Eine internationale Expertengruppe hat nun im Auftrag der Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die zu den verschiedenen Screening-Verfahren publizierten Studien daraufhin geprüft.

An der Bewertung, die im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, war auch Michael Hoffmeister aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) beteiligt.

Darmkrebssterblichkeit reduzieren

Die IARC-Experten vergaben die Prädikate „ausreichend nachgewiesen“ oder „eingeschränkt nachgewiesen“, dass ein Verfahren die Neuerkrankungsrate beziehungsweise die Sterblichkeitsrate tatsächlich reduziert – oder sie fanden unzureichende bzw. gar keine Nachweise.

Als ausreichend nachgewiesen, die Darmkrebssterblichkeit zu reduzieren, stuften die Forscher die beiden stuhlbasierten Untersuchungen ein (immunologische Tests und der Guaiac-Enzymtest) – vorausgesetzt, sie werden regelmäßig alle zwei Jahre durchgeführt.

Als ebenso ausreichend nachgewiesen bewerteten die IARC-Experten die Beweislage dafür, dass eine einzige Untersuchung mit einem der endoskopischen Verfahren die Sterblichkeit reduziert:

Dazu zählt die so genannte „kleine Darmspiegelung“ (Sigmoidoskopie), die nur den letzten Teil des Dickdarms erfasst, sowie die Koloskopie, bei der der gesamte Dickdarm inspiziert wird.

Endoskopische Verfahren und Stuhltests

Die Reduktion der Darmkrebs-Neuerkrankungsrate dagegen ist nach den Erkenntnissen der IARC-Forscher bislang jedoch nur für die beiden endoskopischen Verfahren ausreichend belegt.

Hier liegen Ergebnisse aus großen randomisierten Studien für die Sigmoidoskopie und zahlreiche Ergebnisse aus Beobachtungsstudien für die Koloskopie vor.

„Für die Koloskopie stehen die Ergebnisse von vier großen randomisierten Studien noch aus. Trotzdem ist nach Meinung der meisten Experten eine Risikoreduktion für Neuerkrankungen ausreichend nachgewiesen, da in der Koloskopie eine Sigmoidoskopie enthalten ist und man bei der Spiegelung des gesamten Darms von einer noch größeren Effektivität ausgehen kann“, so Hoffmeister.

„Für den immunologischen Stuhltest dagegen ist die Studienlage hinsichtlich der Reduktion der Neuerkrankungsrate noch nicht ausreichend. Jedoch gibt es Hinweise, dass die immunologischen Stuhltests, wenn sie regelmäßig im Abstand von zwei Jahren durchgeführt werden, ähnlich viele Vorstufen und Karzinome im Darm aufspüren können wie eine einmalige Koloskopie.“

Screening mit Computertomographie konnte nicht überzeugen

Sowohl bei den endoskopischen Verfahren als auch bei den Stuhltests überwog der Nutzen die Risiken der Untersuchung.

Die bisherige Studienlage zum Screening des Dickdarms mit einer Computertomographie konnte die IARC-Experten dagegen nicht überzeugen.

Die IARC nimmt mit ihren Beurteilungen eine internationale Sichtweise ein: „Nicht jedes Land hat die Ressourcen, allen Menschen im Rahmen des Screenings eine aufwändige Untersuchung wie die Koloskopie anzubieten“ erklärt Hoffmeister.

„Daher ist es wichtig, auch effektive kostengünstigere Verfahren empfehlen zu können, die an die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Gesundheitssysteme angepasst sind.“ (ad)