Wachstum des Gehirns durch Mutterliebe

Fabian Peters

Bekommen Kleinkinder viel Zuwendung und Liebe wächst das Gehirn schneller

02.02.2012

Erfahren Kleinkinder viel mütterliche Unterstützung und Liebe, so lässt dies das Gehirn schneller und besser wachsen, berichten amerikanische Forscher der Washington University in St. Louis in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Frühkindliche Emotionale Zuwendung stärkt die kognitive Entwicklung und das spätere Sozialverhalten.

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Bei Zuwendung Wachstums des Gehirns ausgeprägt
Die Professorin für Psychiatrie Joan Luby hat gemeinsam mit ihren Kollegen die Auswirkungen von mütterlicher Zuwendung auf die Entwicklung des Gehirns bei Kleinkindern untersucht. Dabei stellten sie fest, dass die mütterliche Unterstützung im Kleinkind-Alter die Hirnregion des Hippocampus wachsen lässt, was sogar bei den bildgebenden Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar wurde.

Die Forscher der Washington Universität in St. Louis haben im Rahmen ihrer Studie 92 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren zahlreichen psychologischen Tests unterzogen und anschließend nach durchschnittlich drei Jahren die Entwicklung des Gehirns mit Hilfe bildgebender Verfahren ausgewertet. Bei den Tests wurden die Kleinkinder auch leichten Stresssituationen ausgesetzt, um ihr Verhalten, aber auch das der Mutter, genauer zu beobachten. So präsentierten die Forscher den Kleinen zum Beispiel ein bunt verpacktes Geschenk, dass sich jedoch außerhalb ihrer Reichweite befand. Erst nach nach acht Minuten durften die Kinder es öffnen. Anhand eines Punktesystems wurde die Reaktion der Kinder erfasst. Außerdem wurde die Unterstützung und Zuwendung durch die Mütter während der Wartezeit bewertet. Auf diese Weise konnten die Forscher in den Folgeuntersuchungen auch die mütterliche Zuwendung berücksichtigten.

Durchschnittlich drei Jahren nach den ersten Untersuchungen wurden sämtliche Kinder einer Magnetresonanztomographien des Gehirns unterzogen. Bei der anschließenden Auswertung stellten die Forscher um Professorin Joan Luby eine auffällige Korrelation zwischen dem Wachstum der Hirnregion des Hippocampus und der im ersten Test festgehaltenen mütterlichen Zuwendung fest. Zwar war die Entwicklung dieser Hirnregion (wie bereits bekannt) auch vom Geschlecht der Kinder und anderen Variablen (z. B. psychisch belastende Ereignisse) abhängig, doch Faktoren wie das Alter oder die soziale Stellung der Eltern hatten laut Aussage der Forscher keinen signifikanten Einfluss. Zudem war der statistische Zusammenhang zwischen dem Wachstum der Hirnregion des Hippocampus und der mütterlichen Zuwendung Prof. Joan Luby und Kollegen zufolge auch bei Berücksichtigung der anderen Einflussgrößen verhältnismäßig stark.

Mütterliche Zuwendung stärkte Wachstum des Hippocampus
Das bei mütterlicher Zuwendung verstärkte Wachstum des Hippocampus kann für den weiteren Lebensverlauf von entscheidender Bedeutung sein, da die spezielle Hirnregion einen wesentlichen Einfluss auf das Gedächtnis, die Emotionen und deren Verarbeitung und Stressbewältigung hat. Zwar war der erste Test nur eine Momentaufnahme der mütterlichen Zuwendung, doch nach Ansicht der Forscher kann diese als Hinweis auf die generelle mütterliche Zuwendung für die Kleinkinder gewertet werden. So gehen Professorin Joan Luby und Kollegen davon aus, dass durch die Zuwendung und Unterstützung der Mütter tatsächlich das Wachstum wichtiger Gehirnregionen bei den Kleinkindern anregt wird.

In der Entwicklungspsychologie ist dieser Kontext bereits länger bekannt. "Je ausgeprägter die emotionalen Zuwendungen von klein auf sind, um so weniger psychische Probleme treten im späteren Leben auf", erklärt Gritli Bertram, Sozialpädagogin aus Hannover. Ohne genügend Mutterliebe bleibt die emotionale Reife vielfach auf der Strecke. Die Folgen sind Verhaltensauffälligkeiten und seelische Störungen, so die Expertin. (fp)

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Bildnachweis: Lucie Kärcher / pixelio.de