Wann wird eine Krebs-Untersuchung erforderlich

Fabian Peters

Deutsche Krebshilfe informiert über Krebsvorsorgeuntersuchungen

24.08.2012

Die Bundesregierung plant eine deutliche Verbesserung der Krebsfrüherkennung. So hat das Bundeskabinett jüngst einen Gesetzesentwurf beschlossen, mit dem die gesetzlichen Leistungen zum Beispiel für die Vorsorge von Gebärmutterhalskrebs oder Darmkrebs ausgebaut werden sollen. Tatsächlich sind sich jedoch viele Deutsche nicht bewusst, ab wann sie zur Krebsvorsorge gehen sollten und welche Leistungen dabei die Krankenkasse übernimmt.

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Die Deutsche Krebshilfe hat daher fünf Faltblätter herausgegeben, in denen umfassende Informationen zum Thema Krebsfrüherkennung bereitgestellt werden. Unter anderem werden hier der „Nutzen und mögliche Risiken der Früherkennungsverfahren sowie die Empfehlungen der Experten der Deutschen Krebshilfe“ dargestellt, so die aktuelle Pressemitteilung der gemeinnützigen Organisation. Entsprechende Informationsbroschüren werden für Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs und Hautkrebs angeboten. Hier können Interessierte nachlesen, welche Krebsvorsorge für sie tatsächlich wichtig ist und ab welchem Alter diese am besten durchgeführt werden sollte.

Nutzen und Risiken der Krebsfrüherkennung abwägen
Laut Mitteilung der Deutschen Krebshilfe erkranken jährlich fast 490.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs, knapp 220.000 sind im Jahr 2010 an einer Krebserkrankung verstorben. Ziel der gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen ist es, Tumore in möglichst frühen Entwicklungsstadien aufzuspüren, da Brust-, Darm-, Haut-, Gebärmutterhals- und Prostatakrebs zumeist gut heilbar sind, wenn sie im frühen Stadium entdeckt werden. Außerdem lassen sich „frühe Krebsstadien schonender behandeln als Stadien, in denen bereits Tochtergeschwülste entstanden sind“, erläutern die Experten der Deutschen Krebshilfe. Allerdings seien auch Früherkennungsuntersuchungen durchaus kritisch zu betrachten, da sie Nachteile oder Risiken haben können. Bei der Abwägung der individuellen Vorteile und Risiken der Krebsvorsorge bieten die Faltblätter der Deutschen Krebshilfe eine Orientierungshilfe.

Mammografie als verlässliche Früherkennungsmethode bei Brustkrebs
Brustkrebs ist mit jährlich rund 60.000 Neuerkrankungen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Circa 17.000 Patienten sterben pro Jahr an den Folgen eines Mammakarzinoms. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Brustkrebsrisiko deutlich an, berichtet die Deutsche Krebshilfe. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liege bei 64 Jahren. Rund 6,5 Prozent der Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren seien hierzulande betroffen. Die einfachste Form der Vorsorgeuntersuchung ist hier die sogenannte Tastuntersuchung, die einerseits selbständig zu Hause durchgeführt, anderseits ab einem Alter von 30 Jahren einmal im Jahr auch bei Kostenübernahme durch die Krankenkassen von einem Arzt durchgeführt werden kann. Die Mediziner können den Patientinnen auch erläutern, wie die Selbstuntersuchung zu Hause am besten durchgeführt werden sollte. Zwar bedingt die Tastuntersuchung keine Nebenwirkungen oder Schmerzen, doch hat die alleinige Tastuntersuchung auch „keinen Einfluss auf die Sterblichkeit an Brustkrebs“, so die Aussage in dem Faltblatt der Deutschen Krebshilfe. Häufig führe diese „Früherkennungsmethode zu falsch-positiven und falsch-negativen Befunden.“ Als Grundlage für weitere Untersuchungen macht die Tastuntersuchung dennoch durchaus Sinn.

Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren wird von den Krankenkassen alle zwei Jahre eine Mammografie angeboten, bei der mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung der Brust auch kleinste Tumore ausfindig gemacht werden können, die mit der Hand nicht ertastbar wären. „Internationale, große Studien konnten belegen, dass die Sterblichkeit an Brustkrebs durch das Mammographie-Screening-Programm tatsächlich gesenkt werden kann“, berichtet die Deutsche Krebshilfe. Allerdings ist die Untersuchung unter Umständen leicht schmerzhaft, da die Brust für die Röntgenaufnahmen zwischen zwei Platten gepresst wird Zudem geht mit jeder Röntgenuntersuchung eine Strahlenbelastung des Organismus einher.

Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge ab dem 20. Lebensjahr
An Gebärmutterhalskrebs:erkranken bundesweit rund 5.500 Frauen pro Jahr, 1.500 sterben an den Folgen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen beträgt bei der Erstdiagnose 52 Jahre. „Die höchsten Erkrankungsraten liegen zwischen dem 40. und 59. Lebensjahr“, berichtet die Deutsche Krebshilfe. In den meisten Fällen entstehe Gebärmutterhalskrebs durch eine Infektion mit Humanen Papillom-Viren (HPV). So können anhaltende HPV-Infektionen Zellveränderungen auslösen, welche schlimmstenfalls zur Entstehung von Tumoren führen. Im Durchschnitt dauert es laut Mitteilung der Deutschen Krebshilfe „zehn Jahre, bis aus einer HPV-Infektion eine Zellveränderung entsteht, und weitere zehn Jahre, bis daraus ein Gebärmutterhalskrebs wird.“ Für Frauen ab dem 20. Lebensjahr werden jährliche Abstrich-Untersuchungen (PAP-Test) des Gebärmutterhalses angeboten, deren Kosten die Krankenkassen übernehmen. Mit Hilfe des PAP-Tests sollen krankhafte Zellveränderungen erkannt werden, bei denen gegebenenfalls eine operative Entfernung erforderlich ist. Ergänzend kann ein sogenannter HPV-Test mögliche Infektionen mit dem Hauptauslöser des Gebärmutterhalskrebs aufdecken, wobei die Kosten jedoch von den Patientinnen selbst getragen werden müssen.

Hautkrebs-Screening ohne Nebenwirkungen und Risiken
In der Informationsbroschüre zum Thema Hautkrebs berichtet die Deutsche Krebshilfe, dass hierzulande jährlich etwa 195.000 Menschen neu an Hautkrebs erkranken und circa 3.000 an den Folgen versterben. Häufigste Form sei der sogenannte „weiße” (oder helle) Hautkrebs, der jedoch nur selten Metastasen bildet und somit fast immer heilbar ist. Weit gefährlicher aber auch seltener ist der sogenannte „schwarze“ Hautkrebs (Malignes Melanom), der bereits im frühen Stadium beginnt, Metastasen zu bilden. Das Durchschnittsalter der Patienten bei Erstdiagnose beträgt für Männer 64 Jahre und für Frauen 58 Jahre. Allerdings ist die Zahl der jungen Patienten in den vergangenen Jahren laut Auskunft der Deutschen Krebshilfe deutlich gestiegen. Die Vorsorgeuntersuchung – das Hautkrebs-Screening – wird von den gesetzlichen Krankenkassen allen Frauen und Männern ab dem Alter von 35 Jahren angeboten. Alle zwei Jahre können sie ihre gesamten Körperoberfläche auf mögliche Anzeichen eines Melanoms untersuchen lassen. „Für die Untersuchung benötigt Ihr Arzt keine Instrumente, sondern nur eine helle Lampe und sein geschultes Auge“, berichtet die Deutsche Krebshilfe.

Schmerzen entstehen bei der Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung nicht und es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Allerdings besteht die Möglichkeit, „dass beim Screening ein Hautkrebs entdeckt und behandelt wird, der Sie eventuell in Ihrem weiteren Leben nicht belastet hätte“, berichtet die Deutsche Krebshilfe. In solchen Fällen ist von einer „Überdiagnose“ die Rede, wobei die Betroffenen nicht nur die psychischen Belastungen einer Krebsdiagnose ertragen müssen, sondern unter Umständen auch eine unnötige Operationsnarbe entsteht.

Prostatakrebs betrifft vor allem ältere Männer
Prostatakrebs ist laut Angaben der Deutschen Krebshilfe die häufigste Krebserkrankung beim Mann und tritt im Schnitt etwa ab einem Alter von 69 Jahren auf. Jährlich erkranken in Deutschland rund 64.000 Männer, circa 12.000 sterben an den Folgen des Prostatakrebs.In den letzten Jahren ist die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich angestiegen, wobei hierfür vor allem zwei Faktoren verantwortlich gemacht werden :Die demographische Entwicklung mit einem zunehmenden Anteil älterer Männer und das verstärkte Angebot sogenannter PSA-Tests. Die Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchungen werden allen Männern ab dem 45. Lebensjahr angeboten, wobei die Genitalien, die Lymphknoten in der Leiste und die Prostata abgetastet werden. Ergänzend kann laut Angaben der Krebshilfe ein PSA-Test erfolgen, bei dem anhand einer Blutprobe „das prostataspezifische Antigen, ein Eiweißstoff, der ausschließlich von der Prostata gebildet wird und in verschiedenen Situationen erhöht ist“, erfasst wird. Diese PSA-gestützte Früherkennung und anschließende Therapie des Prostatakarzinoms sei prinzipiell in der Lage, die Sterblichkeit durch Prostatakrebs zu reduzieren, doch bestehe auch hier das Risiko einer Überdiagnose und entsprechender Übertherapie.

Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs
An Darmkrebs erkranken in Deutschland etwa 73.000 Menschen pro Jahr. 26.300 Patienten sterben an den Folgen. Während das durchschnittliche Erkrankungsalter der Männer bei 69 Jahren liegt, trifft Darmkrebs die Frauen im Schnitt erst sechs Jahre später. Unter Umständen besteht eine erbliche Veranlagungen für das Auftreten des Darmkrebs. Rund ein Siebtel der Krebserkrankung betrifft den Darm. Frauen und Männern wird ab einem Alter von 50 Jahren ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl angeboten, ab dem Alter von 55 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine erste Darmspiegelung, die nach zehn Jahren wiederholt werden kann. Statt der Darmspiegelung (Koloskopie) kann alle zwei Jahre auch ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl erfolgen. Vor einer Darmspiegelung ist die vollständige Darmreinigung erforderlich, was einige Menschen durchaus als unangenehmen empfinden. Schlimmstenfalls kann die Darmspiegelung beziehungsweise die zeitgleiche Entfernung der Darm-Polypen zu Blutungen führen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dies ist allerdings äußerst selten der Fall. Insgesamt gehen die Experten der Deutschen Krebshilfe davon aus, dass durch die Darmspiegelungen und den Löschblatt-Test zahlreichen Darmkrebs-Patienten das Leben gerettet werden kann. (fp)