Warmer Winter bringt Haselpollen und Zecken

Nina Reese

Frühlingshafte Temperaturen in ganz Deutschland

09.01.2014

Während viele Menschen in den USA mit extremer Kälte zu kämpfen haben, herrschen hierzulande bundesweit milde, fast schon frühlingshafte Temperaturen. Dadurch beginnt nicht nur für Allergiker die „Pollen-Saison“ viel früher als sonst, auch die ersten Vögel machen sich auf die Suche nach Nistplätzen.

USA zittern bei bis zu -54,5 Grad Celsius gefühlter Temperatur
Weite Teile der USA leiden weiterhin unter arktischer Kälte, laut „tagesschau.de“ wurde in der Nähe von Duluth (Bundesstaat Minnesota) am Lake Superior der niedrigste Wert mittlerweile mit -54,5 Grad Celsius gefühlter Temperatur inklusive Windfaktor gemessen, die Metropole Chicago friert derzeit bei minus 25 Grad. In Deutschland hingegen ist der Winter immer noch nicht in Sicht, stattdessen „lag in Deutschland die Durchschnittstemperatur im Dezember im Schnitt um 2.7 Grad über dem vieljährigen Mittelwert. Im Januar liegt die positive Abweichung sogar bei über 5 Grad, wenn man nur die ersten 7 Tage berücksichtigen würde“, erklärt Dipl.-Met. Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Milder Winter hat nicht nur Vorteile
Statt Winter-Atmosphäre mit Schnee und frierenden Menschen in dicken Mänteln kommt hierzulande derzeit also eher Frühlings- Stimmung auf, bei milden Temperaturen bis 15 Grad Celsius, erstem Vogelgezwitscher und blühenden Blümchen in den Vorgärten. Bis Ende der Woche soll der „Frühling“ laut den Meteorologen noch anhalten – dann würden die Temperaturen voraussichtlich wieder etwas sinken. Doch der milde Winter hat nicht nur Vorteile. Allergiker haben beispielsweise deutlich früher mit Pollen zu kämpfen als sonst, denn in Teilen des Landes befinden sich beispielsweise schon wieder Haselpollen in der Luft. Hier sind aktuell nach Informationen des Deutschem Wetterdienstes (DWD) besonders Nordrhein-Westfalen, das Saarland und der Frankfurter Raum „gering belastet“, aber auch in Niedersachsen, Ostwestfalen, Sachsen-Anhalt und Nordhessen könne eine Belastung bereits in diesen Tagen nicht ausgeschlossen werden.

Warme Temperaturen stören Bio-Rhythmus der Tiere
Das milde Winterwetter wirkt sich allerdings nicht nur auf den Menschen aus – gerade für die Tiere bringen die warmen Temperaturen den gewohnten Bio-Rhythmus durcheinander und sorgen dafür, dass bestimmte Abläufe viel früher als sonst beginnen: „In diesem Jahr haben die Vögel bereits um Weihnachten herum mit ihrem Gesang begonnen und scheinen derzeit auch aktiver als sonst", erklärt Lars Lachmann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) gegenüber der Nachrichtenagentur „AFP“. Dies beträfe beispielsweise Kohlmeisen und Blaumeisen, die nun schon Anfang Januar nach geeigneten Plätzen zum Nisten Ausschau halten würden. Zudem hätte die neueste Vogelzählung ergeben, dass sich insgesamt weniger Vögel als sonst in Gärten nach Futter suchen würden, da durch das warme Wetter in der „freien Natur“ noch genug Nahrung zu finden sei: „Insgesamt zeigen sich in den Gärten und Parks etwas weniger Vögel als im Vorjahr, im Durchschnitt genau 40 je Beobachtungsort und damit acht Prozent weniger“, so der Vogelschutz-Experte.

Zecken deutlich früher aktiv als sonst
Daher wäre auch ein plötzlicher Wetterumschwung kein Problem für die Tiere, denn dann würden die Vögel entweder in den Städten nach Futter suchen oder aber sich Richtung Süden aufmachen. Auch für Zecken sei das momentane Wetter laut Christine Klaus vom „Nationalen Referenzlabor für durch Zecken übertragbare Krankheiten“ in Jena ideal. Da die kleinen Spinnen-Tierchen ab etwa sechs Grad Celsius aktiv werden, beginnt die Zecken-Saison nicht wie üblich Ende Februar / Anfang März, sondern bereits deutlich früher. Doch das würde noch lange keine Zeckenplage bedeuten, so die Expertin gegenüber der „AFP“, denn „wenn es knackig kalt wird, ziehen sich die Zecken wieder zurück.“

Später Frost im Frühjahr schadet jungen Trieben
Etwas problematischer könnten sich die milden Temperaturen allerdings auf die Landwirtschaft auswirken. Wie der Agrarmeteorologe Franz-Josef Löpmeier vom DWD gegenüber der „AFP“ erklärt, könne später Frost im Frühjahr den jungen Trieben schaden, wenn die Wintersaat bei den derzeit warmen Temperaturen zu früh wächst. Besonders heikel werde es, wenn die Temperaturen dann unter minus zehn Grad rutschten würden und zugleich kein Schnee liege – den die Pflanzen seien nicht abgehärtet genug, um dies unbeschadet zu überstehen.

Kräftige Kaltluftströmung Anfang nächster Woche?
Doch ein solch gravierender Wetterwechsel ist derzeit nach Angaben der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst nicht in Sicht. So gäbe es laut Dipl.-Met. Marcus Beyer vom DWD aktuell zwar „Modellergebnisse“, die von einer kräftigen Kaltluftströmung Anfang nächster Woche ausgehen würden, „andere Lösungen belassen aber die kalte Luft über Osteuropa oder liefern nur einen kurzen Streifschuss“, so der Wetter-Experte weiter. (nr)

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Bild: Volker Mühlenbruch / pixelio.de