Warnhinweis für ADHS-Medikament Strattera

Fabian Peters

Drohende Nebenwirkungen des Medikaments Strattera (Atomoxetin)

19.12.2011

In einem sogenannten Rote-Hand-Brief weist der Pharmahersteller Lilly Deutschland darauf hin, dass von dem Medikament Strattera (Wirkstoff Atomoxetin) erhebliche Nebenwirkungen auf den Blutdruck und die Herzfrequenz ausgehen können. Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist daher bei Einnahme des Mittels besondere Vorsicht geboten.

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Anlass für die aktuellen Warnhinweise bezüglich des zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) zugelassenen Medikaments Strattera ist ein um bis zu 12 Prozent erhöhtes Risiko klinisch bedeutsamer Beeinträchtigungen des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Das Pharmaunternehmen Lilly Deutschland hat daher die Ärzte über mögliche Nebenwirkungen des Medikaments Strattera unterrichtet und die Anwendungsempfehlungen entsprechend verschärft.

Klinisch bedeutsame Veränderungen des Blutdrucks und der Herzfrequenz
Eine Sprecherin des Pharmaunternehmens bestätigte am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ die Berichte des Nachrichtenmagazins „FOCUS“ zu den Warnhinweisen für das Medikament Strattera. Wie die Sprecherin von Lilly Deutschland erklärte, wurden rund 30.000 Ärzte über mögliche Nebenwirkungen des hierzulande zur Behandlung von ADHS bei Kindern und Erwachsenen zugelassenen Arzneimittels informiert. Dem auch vom zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) online veröffentlichten Rote-Hand-Brief zufolge, ergab die kürzlich durchgeführte Datenanalyse zu bestehenden klinischen Studien, dass rund sechs bis zwölf Prozent der Patienten im Zuge einer Strattera-Behandlung eine Veränderung der Herzfrequenz um mehr als 20 Schläge pro Minute und klinisch bedeutsame Erhöhungen des Blutdrucks (um mehr als 15 Millimeter Hg) erleiden.

Atomoxetin mit schwerwiegenden Nebenwirkungen
Die Ärzte sind daher dazu angehalten, bei Patienten mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, regelmäßigem Herzrasen oder Herzstolpern,schwerwiegenden kardiovaskulären oder zerebrovaskulären Erkrankungen das ADHS-Medikament Strattera nur eingeschränkt zu verwenden. Darüber hinaus müssen die betroffenen Patienten vor einer Behandlung in jedem Fall auf mögliche kardiale Erkrankungen untersucht werden. Zudem sollte in regelmäßigen Abständen von maximal einem halben Jahr die Herzfrequenz und der Blutdruck gemessen und aufgezeichnet werden, so die Empfehlungen in dem aktuellen Rote-Hand-Brief mit dem Titel: „Wichtige sicherheitsrelevante Information zu Strattera® (Atomoxetin) und des Risikos eines Bludtruck- und Herzfrequenzanstiegs“. Laut Mitteilung der "Lilly Deutschland GmbH", muss „bei Patienten, die während ihrer Behandlung Symptome entwickeln, die auf eine kardiale Erkrankung hindeuten, umgehend eine Untersuchung durch einen Herzspezialisten erfolgen.“

Weiterhin gelten auch die bisherigen Warnhinweise aus früheren Rote-Hand-Briefen, die vor möglichen psychischen Folgen (Aggressivität, Suizidgedanken) des Wirkstoffs Atomoxetin bei Heranwachsenden warnen. Wie die Lilly-Sprecherin erläuterte, seien die meisten Warnhinweise bereits seit der Zulassung des Mittels in den entsprechenden Fachinformationen zu Strattera für Ärzte und Apotheker enthalten. Der jetzige Rote-Hand-Brief verschärfe jedoch die Empfehlungen. Bei Verunsicherung sollten die betroffenen Patienten oder deren Eltern laut Aussage der Sprecherin von Lilly Deutschland dringend ihren Arzt kontaktieren, um die weitere Verwendung oder gegebenenfalls eine Absetzung von Strattera zu erörtern. (fp)