Warnsignale einer Demenz: Wann Vergesslichkeit nicht mehr harmlos ist

Sebastian
Vergesslichkeit und weitere Alarmzeichen für eine Demenz-Erkrankung
In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an Demenz, die meisten von ihnen an Alzheimer. Die Krankheit ist zwar bislang nicht heilbar, lässt sich aber im Anfangsstadium mit Medikamenten hinauszögern. Wichtig ist daher eine frühzeitige Diagnose. Dafür müssen Warnsignale richtig erkannt werden.
Fortschreiten der Krankheit verzögern
Bereits jetzt leben in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen haben Alzheimer. Weltweit sind es fast 47 Millionen Demenz-Patienten. Und es werden immer mehr. Laut dem Welt-Alzheimer-Bericht wird alle 3,2 Sekunden eine weitere Demenz-Diagnose gestellt. Alzheimer ist bislang nicht heilbar, doch es gibt Medikamente, die das Fortschreiten der Krankheit im Anfangsstadium um etwa ein Jahr verzögern können. Experten raten daher zu einer möglichst frühen Diagnose. „Das eine Jahr, in dem die Krankheit gebremst wird, würde ich mir nicht nehmen lassen“, sagte Prof. Alexander Kurz, Leiter des Zentrums für Kognitive Störungen am Klinikum rechts der Isar in München gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Bei einer frühen Diagnose könnten Betroffene zudem rechtzeitig mit ihrer Familie die Zukunft planen und verfügen, wie sie versorgt werden wollen, wenn sie nicht mehr urteilsfähig sind.

Erste Hinweise auf Demenz ernst nehmen. Bild: Osterland - fotolia
Erste Hinweise auf Demenz ernst nehmen. Bild: Osterland – fotolia

Genaue Ursachen bislang unbekannt
Die genauen Auslöser der Krankheit sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Doch mittlerweile wurden eine Reihe von Faktoren identifiziert, die bei der Entstehung und Entwicklung der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen. Neben dem hohen Lebensalter zählen dazu unter anderem eine genetische Veranlagung, Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Metabolisches Syndrom, Oxidativer Stress oder Entzündungen. Zudem zeigte vor kurzem eine Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern vom staatlichen Institut für Altersforschung (NIA) in Washington: Übergewicht erhöht das Alzheimer-Risiko.

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Demenz ist oft nicht leicht zu erkennen
Doch trotz solcher bekannter oder angenommener Faktoren wird Demenz oft zu spät erkannt. Das hat auch damit zu tun, dass die Krankheit zu Beginn nicht leicht zu erkennen ist und die scheinbar typischen Symptome auch etwa anderes sein können. So können etwa Gedächtnisstörungen auch durch behandelbare psychische oder körperliche Erkrankungen hervorgerufen sein, wie beispielsweise durch eine Depression. „Depressive Episoden führen vorübergehend auch zu Gedächtnisproblemen sowie zu Handlungs- und Orientierungsproblemen“, erklärte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Bonn, Prof. Wolfgang Maier. Es ist oft nicht einfach, eine Demenz von einer Depression abzugrenzen: „Gedächtnisprobleme werden oft als persönliches Versagen erlebt und führen zu Selbstwertzweifeln, da Selbstwertprobleme auch ein Kennzeichen von Depression sind, sind beide Erkrankungen oft nur schwer voneinander abzugrenzen“, so Maier gegenüber der dpa.

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Keine vorschnellen Diagnosen
Prof. Kurz warnte ebenfalls vor vorschnellen Diagnosen bei Gedächtnisproblemen. Man müsse erst alarmiert sein, wenn die Symptome zunehmen, wenn zusätzlich zur Vergesslichkeit weitere Probleme auftreten, wie zum Beispiel Sprachschwierigkeiten oder Unsicherheit der zeitlichen Orientierung. Oder auch wenn Alltagstätigkeiten wie Einkaufen, Kochen oder Banküberweisungen nicht mehr so gut funktionieren wie vorher. Es gibt zwar verschiedene Tests beziehungsweise Untersuchungen, die Aufschluss über eine Erkrankung geben können, doch viele Experten sind kritisch und meinen, ein Alzheimer-Frühtest bringe medizinisch wenig Nutzen.

Betroffene weigern sich anfangs zum Arzt zu gehen
Insbesondere im Anfangsstadium der Krankheit weigern sich viele Betroffene zum Arzt zu gehen. „Wenn Angehörige den oder die Betroffenen auf seine oder ihre Gedächtnisdefizite ansprechen, löst dies verständlicherweise meist Beschämung aus“, erläuterte Maier. Besonders problematisch sei, dass Familien anfangs oft kritisch und vorwurfsvoll reagierten. „In der Folge sinkt die Bereitschaft, zum Arzt zu gehen, Betroffene versuchen dann eher, Strategien zu finden, um ihre Defizite zu verbergen.“ Die beim Beratungstelefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Berlin tätige Diplom-Sozialpädagogin Saskia Weiß rät Angehörigen, darauf zu achten, wann Betroffene selbst Probleme ansprechen. „Gerade am Anfang machen Betroffene gelegentlich Bemerkungen wie „heute bin ich wieder so fahrig“ oder „irgendetwas stimmt nicht mit meinem Kopf“. Das kann man als Aufhänger nehmen, um seine eigene Sorge zu benennen und einen Arztbesuch vorzuschlagen“, so die Expertin. Reizworte wie „Demenz“, „Alzheimer“ und „Gedächtnisstörungen“ sollten dabei erst einmal vermieden werden. Rat und psychosoziale Unterstützung können betroffene Familien bei regionalen Alzheimergesellschaften oder Demenzfachberatungsstellen von Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern finden. Dort erhält man meist auch leicht verständliche Informationsbroschüren und weiterführende Adressen.(ad)