Warnstreiks an den Helios-Kliniken

Fabian Peters

Streik: Ärzte und Personal der Helios-Kliniken legen Arbeit nieder

12.04.2011

Rund 160 Ärzte der Helios-Klinik in Berlin-Buch haben am Montag für gut zweieinhalb Stunden die Arbeit niedergelegt. Mit dem Streik wollten die Ärzte ihren Forderungen nach einer fünf prozentigen Gehaltserhöhung sowie einer besseren Vergütung des Samstagsdienstes, Nachtdienstes und der Überstunden Nachdruck verleihen.

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Der Marburger Bund hatte die Ärzte der Helios-Kliniken zu einem Warnstreik aufgerufen, um den lang erwarteten Abschluss eines neuen Tarifvertrages mit besseren Gehaltskonditionen zu beschleunigen. Im Rahmen des bundesweiten Warnstreiks an den privaten Helios-Kliniken haben 160 Ärzte der Helios-Klinik Berlin-Buch am Montag für mehr als zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Ein Teil der angesetzten Operationen musste verschoben werden, die medizinische Versorgung der Patienten war jedoch auf Basis einer Notdienstvereinbarung mit den streikenden Medizinern jederzeit gewährleistet, berichtet die Sprecherin der Berliner Helios-Klinik, Natalie Erdmann.

Ärzte kritisieren zu hohen wirtschaftlichen Druck
Mit ihrem Warnstreik wollten die rund 160 Ärzte der Helios-Klinik Berlin-Buch ihre Position im anhaltend Tarifkonflikt stärken. Denn seit gut einem Jahr warten die Mediziner auf einen neuen Tarifvertrag. Doch die Verhandlungen haben sich immer wieder verzögert und konnten bisher zu keinem erfolgreichen Abschluss geführt werden. Im März hatten die Ärzte den alten Tarifvertrag gekündigt und den Vorstand der Helios-Kliniken, Francesco De Meo, in einem offenen Brief auf den ihrer Ansicht nach zu hohen wirtschaftlichen Druck hingewiesen. Wirtschaftliche Kriterien hätten höheres Gewicht als die medizinischen Bedürfnisse der Patienten, das Verhältnis zwischen Arzt und Patienten leide unter dem Kostendruck der Konzernführung, so der Vorwurf des Marburger Bundes. Weil sich die Geschäftsführung der Helios-Kliniken außerdem nicht dazu bereit gezeigt habe, im Rahmen der Tarifauseinandersetzung Zugeständnissen in Richtung der Ärzte zu machen, sah sich die Ärztegewerkschaft Marburger Bund nach eigenen Angaben zu dem aktuellen Streikaufruf gezwungen.

Insgesamt 1.200 Ärzte schließen sich dem Warnstreik an
Dabei sind an der Helios-Klinik Berlin-Buch am Montagvormittag zwischen 8 Uhr und 10.30 Uhr rund 160 Ärzte dem Streikaufruf der Ärztegewerkschaft gefolgt. Allerdings sei die Notfallversorgung der Patienten stets gewährleistet gewesen, erklärte Uwe Scholz vom Berliner Landesverband des Marburger Bundes. Die Kinder-Chirurgie sowie die Behandlung von Krebspatienten und das ebenfalls zum Fresenius-Konzern gehörende Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf waren von dem Warnstreik sogar komplett ausgenommen, so die Aussage von Uwe Scholz. Insgesamt habe der Warnstreik am Helios-Klinikum Berlin-Buch eine Stunde früher geendet als zunächst geplant, erklärte der Vertreter der Ärztegewerkschaft weiter. Der Marburger Bund hatte deutschlandweit die Ärzte der insgesamt 63 Helios-Krankenhäuser und 29 Medizinischen Versorgungszentren zum Warnstreik aufgerufen, doch so viel Unterstützung wie in der Helios-Klinik Berlin-Buch erfuhr die Ärztegewerkschaft nicht an allen Standorten der privaten Helios-Kliniken. So haben sich zum Beispiel in den Helios-Kliniken in Idstein und Bad Schwalbach lediglich neun der 25 Ärzte dem Warnstreik angeschlossen. In der Helios-Klinik Erfurt sind immerhin 70 Ärzte dem Streikaufruf des Marburger Bundes gefolgt. Insgesamt haben sich nach Angaben der Ärztegewerkschaft rund 1.200 Ärzte an dem Warnstreik beteiligt.

Ärztegewerkschaft fordert lineare Gehaltserhöhung um fünf Prozent
Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hofft mit den Warnstreiks den Druck auf die Geschäftsführung der privaten Helios-Kliniken im aktuellen Tarifkonflikt zu erhöhen. Der Marburger Bund fordert für die Ärzte der zum Fresenius-Konzern gehörenden Helios-Kliniken eine lineare Gehaltserhöhung um fünf Prozent. Außerdem tritt die Ärztegewerkschaft für höhere Vergütungen für Nachtdienste, Samstagsdienste und Überstunden ein. Bei den Nachtdiensten erhalten die Ärzte bisher einen Zuschlag von 1,25 Euro pro Stunde, doch die Mediziner fordern eine zusätzliche Vergütung in Höhe von 25 Prozent des regulären Stundenlohnes. Die Leitung des Fresenius-Konzerns hat in den Tarifverhandlungen bisher jedoch lediglich eine Erhöhung der Entgelte für das ärztliche Personal um 1,7 Prozent in Aussicht gestellt.

Streikaufruf für Pflege- und Verwaltungspersonal
Doch der Tarifkonflikt betrifft nicht nur die Ärzte sondern auch die übrigen Beschäftigten der Helios-Kliniken. Daher hat die Gewerkschaft Verdi am kommenden Mittwoch in 17 Helios-Kliniken zum Streik aufgerufen So ist für das Pflege- und Verwaltungspersonal der Helios-Klinik Berlin-Buch am Mittwoch zwischen 6.30 und 8.30 Uhr eine Arbeitsniederlegung geplant und im Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf von 13.00 bis 15.00 Uhr. Mit dem Streik möchte auch Verdi den Forderungen der Beschäftigten nach höheren Vergütungen, Nachtdienstzuschlägen und Entgelten für Bereitschaftsdienste – noch vor dem Beginn der nächsten Tarifverhandlungsrunde am 18. April – mehr Nachdruck verleihen. Insgesamt würden die Forderungen der Gewerkschaft für den Fresenius-Konzern dabei eine Steigerung der Personalkosten um rund sieben Prozent mit sich bringen. (fp)