WHO: Exotische Krankheiten in Deutschland

Astrid Goldmayer

Dengue, Malaria und andere exotische Erreger könnten bald auch in Deutschland auftreten

04.04.2014

Exotische Infektionskrankheiten wie Malaria, Leptospirose sowie Dengue, West-Nil- oder Chikungunya-Fieber könnten zukünftig auch in Deutschland auftreten. Bislang zählten hierzulande nur Personen zu den Betroffenen, die sich in tropischen Ländern aufgehalten und dort mit den gefährlichen Erregern infiziert haben. Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge breiten sich die Überträger der exotischen Erreger wie Mücken und Nager, die sogenannten Vektoren, aber zunehmend auch in Europa aus. Um einen Ausbruch der Erkrankungen zu verhindern, wurde ein siebenjähriger Handlungsplan erstellt, auf den sich die 53 Länder der Europäischen Region verständigt haben. Dieser müsse insbesondere die Aufklärung der Bevölkerung sowie die Sensibilisierung des medizinischen Personals beinhalten, fordert die WHO.

Infektionskrankheiten wie Malaria und Denguefieber kommen nach Europa
Infektionskrankheiten wie Malaria oder West-Nil-Fieber können lebensbedrohlich sein, wenn sie nicht behandelt werden. Aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung sterben jedes Jahr vor allem in Afrika, Asien und anderen weniger entwickelten Regionen Hunderttausende Menschen an den Folgen einer sogenannten Vektorinfektion. Diese Erkrankungen werden von gefährlichen Erregern, die durch Mücken, Mäuse oder andere Tiere übertragen werden, verursacht. So wird Malaria meist durch die Anopheles-Mücke, Denguefieber durch die Weibchen der Gelbfieber- oder der asiatischen Tigermücke, West-Nil-Fieber ebenfalls durch Stechmücken und Leptospirose durch Ratten, Mäuse und Hunde, wenn Menschen mit dem Urin der Tiere in Berührung kommen, übertragen.

Lange Zeit waren diese Erkrankungen auf die Tropen und Subtropen beschränkt, da die Erreger beziehungsweise die Überträger ein entsprechendes Klima benötigen. Im Zuge des Klimawandels und einer erhöhten Reisebereitschaft in exotische Länder dringen die Erreger zunehmend auch in mildere Klimazonen vor. Die Unachtsamkeit von Touristen spiele eine große Rolle, informiert das Regionalbüro der WHO in Kopenhagen.

Mittlerweile erkranken rund 77.000 Menschen in der europäischen Region jedes Jahr an einer durch Vektoren übertragenen Krankheit. Im Zeitraum von 1990 bis 2010 seien der WHO zufolge 1,5 Millionen Menschen von einer solchen Infektion betroffen gewesen. „Es gibt eindeutige Warnsignale für die Europäische Region, dass durch Vektoren übertragene Krankheiten sich in den kommenden Jahren verstärkt ausbreiten werden", berichtet WHO-Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Das Denguefieber hat Europa bereits erreicht. „2012 kam es auf der portugiesischen Inselgruppe Madeira zu einem ersten Ausbruch … mit über 2000 Fällen“, ergänzt die Experten. Die WHO hat die vektorübertragenen Krankheiten in diesem Jahr zum Schwerpunkt des Weltgesundheitstages am 7. April erklärt.

Für viele exotische Infektionskrankheiten ist kein Impfstoff verfügbar
Die Stiftung Weltbevölkerung in Hannover weist daraufhin, dass jedes Jahr etwa eine halbe Million Menschen an Vektorkrankheiten und ihren Folgen stirbt. Insbesondere bei Malaria sei die Sterberate immer noch dramatisch hoch. „Jedes Jahr sterben 600.000 Menschen an dieser vermeidbaren und behandelbaren Krankheit", erläuterte Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Meist seien Kinder unter fünf Jahren betroffen. Bähr betont aber auch, dass seit dem Jahr 2000 3,3 Millionen Kindern durch verbesserte Diagnose und Behandlungsmethoden gerettet werden konnte. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die medizinische Versorgung in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas weiterhin sehr schlecht ist und viele Betroffene überhaupt keine Möglichkeit haben, sich behandeln zu lassen.

Darüber hinaus bilden die Vorsorgemaßnahmen einen wesentlichen Pfeiler im Kampf gegen Malaria. Der WHO zufolge schützten vor allem Moskitonetze vor den folgenschweren Mückenstichen, über die bisher jedoch nur etwa jeder zweite Haushalt in Malariagebieten verfüge.

Die WHO, die Stiftung Weltbevölkerung und viele andere Organisationen setzen sich für eine bessere Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern sowie für den Ausbau der Forschung nach Impfstoffen ein, die bisher aufgrund fehlender finanzieller Mittel wenig vorangetrieben wird. Der Stiftung zufolge sei hier auch die Bundesregierung aufgefordert, mehr Geld zu investieren. (ag)

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