Warum Brillen schon in der Kindheit wichtig sind

Alfred Domke

Bei Augenfehlern sind Brillen so früh wie möglich wichtig

05.10.2013

Für die kindliche Entwicklung ist das Sehvermögen enorm wichtig. Spätere Möglichkeiten, wie etwa die Berufswahl hängen ganz wesentlich vom gesunden Sehvermögen ab. Augenfehler sollten daher so früh wie möglich behandelt werden, denn was bis zur Einschulung nicht behandelt ist, kann später Probleme bereiten.

Fünf Prozent der Kinder mit Sehschwächen
Über die Augen werden etwa 90 Prozent unserer Sinneseindrücke wahrgenommen. Spätere Möglichkeiten etwa bei der Berufswahl hängen ganz wesentlich von einem gesunden Sehvermögen ab. Allerdings sehen nicht alle Jungen und Mädchen gut. Professor Joachim Esser vom Ressort Schielen im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, erläuterte: „Etwa fünf Prozent aller Kinder haben Sehschwächen, sogenannte Amblyopien.“ Der leitende Arzt der Sehschule an der Universitätsaugenklinik Essen erklärte, dass in den allermeisten Fällen Probleme bei einem Auge vorliegen würden und warnt: „Diese einseitigen Sehschwächen sind besonders tückisch.“ Denn die Chancen würden dabei besonders schlecht stehen, dass Eltern oder andere Personen dies entdecken. Denn die Kinder verhalten sich ganz normal, da sie auf einem Auge ja gut sehen.

In den ersten sechs bis sieben Lebensjahren geprägt
Wichtig für die wirksame Behandlung von Sehproblemen sei es, sie bereits im Kleinkindalter zu erkennen. Yorck Walpuski, Augenarzt in Kiel, erklärte dazu: „Sehen ist ein Gehirnphänomen“ und „Es gibt nur ein gewisses Zeitfenster, in dem das Gehirn für das Sehen prägbar ist. Dieses Zeitfenster liegt in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren.“ Wenn dem Gehirn in dieser Zeit, etwa wegen bestimmter Augenerkrankungen, kein ausreichend scharfer Seheindruck geboten werde, könne es das vollwertige Sehen nicht mehr erlernen. Und dass selbst nicht, wenn eine spätere Behandlung erfolge. Deshalb wird im Rahmen der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen die Sehfähigkeit von Kleinkindern überprüft. Besonders die vor fünf Jahren neu geschaffene kinderärztliche Vorsorgeuntersuchung U7A ist schwerpunktmäßig auf die Früherkennung von Augenerkrankungen ausgelegt. Sie erfolgt im Alter von 36 Lebensmonaten und wenn Auffälligkeiten festgestellt werden, überweist der Kinderarzt zum Augenarzt.

Augenärzte raten zu zusätzlichen Untersuchungen
Professor Esser und seine Kollegen vom Berufsverband der Augenärzte meinen jedoch, dass es angeraten sei, jedes Kind im Alter von zwei bis vier Jahren zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen einmal bei einem Augenarzt vorzustellen. Denn nur der könnte bestimmte spezielle Verfahren der Früherkennung durchführen und erhöhe somit die Chancen, Sehprobleme früh zu erkennen. Ohnehin gelte es, Kinder sofort zu einem Augenarzt zu bringen, wenn Eltern Auffälligkeiten bemerken. Esser erklärt: „Mit speziellen altersgerechten Methoden lassen sich Sehschwächen auch schon bei Babys und sehr kleinen Kindern relativ sicher erkennen.“

Beim Schielen ein Auge abkleben
Es gibt für Sehprobleme sehr gute Behandlungsmöglichkeiten wenn sie rechtzeitig entdeckt werden. Bei den beiden häufigsten Formen von Sehfehlern im Kleinkindalter, dem Schielen und dem sogenannten Brechungsfehler, stehen den Medizinern zwei einfache, jedoch hochwirksame Therapieformen zur Verfügung: Beim Schielen wird ein Auge abgeklebt und bei einem Brechungsfehler eine Brille verordnet. „Beim Schielen sieht das eine Auge mit seinem Zentrum ein anderes Objekt als das andere. Um ein Doppeltsehen zu vermeiden, kommt ein Hirnschutzmechanismus zum Tragen“ so Walpuski. „Das Gehirn schaltet ein Auge ab, und zwar in der Regel das Schielauge. Das Kind entwickelt dann nur noch einseitig ein gutes Sehen.“ Wenn das gesunde Auge im Kleinkindalter abgeklebt werde, stelle sich das Gehirn wieder um und lerne auch wieder mit dem Schielauge zu sehen. Bei einem Brechungsfehler, also bei Kurz- oder Weitsichtigkeit beziehungsweise einer Hornhautverkrümmung, kann das Kind auf dem betroffenen Auge nicht scharf sehen. Solche Probleme müssen mit einer Brille ausgeglichen werden, damit das Gehirn das Sehen beidseitig optimal lernt und keine bleibende Sehschwäche entwickelt.

Leichte Weitsichtigkeit bei Kleinkindern normal
Bei Kleinkindern gilt eine leichte Weitsichtigkeit als normal und das Auge könne dies in der Regel selbst ausgleichen. Walpuski erläutert: „Bis etwa plus zwei Dioptrien würde man daher noch keine Brille verordnen, sondern erst bei stärkerer Weitsichtigkeit.“ Bei Kurzsichtigkeit, also Dioptrien im Minusbereich oder bei einer Hornhautverkrümmung, benötigen Kinder hingegen immer eine Brille, so der Augenarzt. Darüber hinaus könne eine Brille nötig werden bei angeborenen organischen Augenerkrankungen, beispielsweise bei Grauem Star. Allerdings sind solche Fälle weitaus seltener.

Brille möglichst dauerhaft tragen
Der Optiker Friedemann Bruske aus Berlin erklärte: „Wichtig für die Akzeptanz der Brille und den Therapieerfolg ist, dass die Brille dem Kind gefällt und darüber hinaus optimal passt.“ Kinder machen 80 Prozent seiner Kunden aus, drei Prozent sind noch Babys. Seinen Erfahrungen nach erfolgen die meisten Erstverordnungen für Brillen bei Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren und in der Vorschulzeit. Die meisten Jungen und Mädchen würden ihre Brille gut akzeptieren und wenn es bei sehr jungen Kindern anfangs Probleme gibt, gebe es einfache Tricks: „Bestimmte Sachen wie Bücher vorlesen oder angucken werden dann eben nur noch mit Brille gemacht. Meist gelingt es so, dass die Kinder die Brille recht schnell akzeptieren.“ Kinder sollten von ihren Eltern motiviert werden, die Brille möglichst dauerhaft zu tragen. „Das Sehen muss gelernt werden. Das kann nur funktionieren, wenn man den Seheindruck dauerhaft verbessert“, so der Experte. (ad)

Bild: Sandra Nabbefeld / pixelio.de