Warum hilft Sport bei Diabetes?

Fabian Peters

Positive Wirkung von Sport bei Diabetes entschlüsselt

31.10.2011

Forscher haben herausgefunden wieso Sport bei Diabetes Typ II so hilfreich ist. Marc Donath von Universität und Universitätsspital Basel und Kollegen haben erstmals den positiven Mechanismus entschlüsselt, der hinter der positiven Wirkung sportlicher Aktivitäten bei Diabetes-Erkrankungen steckt.

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Wie die Schweizer Forscher berichten, hat Sport Auswirkungen auf die Hormonproduktion im menschlichen Organismus, wodurch mehr Insulin zur Verfügung gestellt und der Blutzuckerspiegel von Typ 2 Diabetes (sogenannte Altersdiabetes) langfristig normalisiert werden kann. Die von den meisten Ärzten bei Typ-2-Diabetikern ausgesprochene Empfehlung zur Gewichtsreduktion und zur vermehrten körperlichen Bewegung, hat demnach zu Recht bei der Diabetes-Therapie einen besonders hohen Stellenwert.

Übergewicht mindert Insulin-Produktion
Bei der Entstehung der sogenannten Altersdiabetes kommen oft mehrere Faktoren zusammen, wobei Übergewicht und Bewegungsmangel als wesentliche Einflussgrößen gelten. Die Bauchspeicheldrüse kann bei Übergewichtigen nicht ausreichend Insulin produzieren, auch nimmt die Insulinproduktion mit dem Alter generell ab und der Stoffwechsel reagiert bei den Betroffenen weniger sensibel auf das Insulin, beschreiben die Forscher mögliche Entstehungsprozesse der Zuckerkrankheit. Bei der Behandlung von Typ 2 Diabetes wurden in der Vergangenheit bereits deutliche Erfolge mit Ernährungsumstellungen und sportlichen Aktivitäten erzielt, wobei bisher jedoch unklar blieb, welche genauen Mechanismen zu den positiven Effekten des Sportes führen. Hier haben die Schweizer Forscher nun im Rahmen ihrer Studie ein Erklärungsmodell der zu Grunde liegenden Prozesse im menschlichen Organismus entwickelt.

Sport aktiviert Hormone
Marc Donath und Kollegen konnten nachweisen, dass die Aktivierung der Muskeln beim Sport, die Produktion des Moleküls Interleukin-6 (IL-6) stimuliert. Auch die Anfangs ungeklärte Wirkung des IL-6 konnten die Forscher entschlüsseln: Das Molekül hat wesentlichen Einfluss auf die Hormonproduktion in der Bauchspeicheldrüse. Zum Verständnis bedarf es zunächst der Erklärung des von den L-Zellen im Darm produzierten Hormons Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1). Die Ausschüttung des GLP-1 wird nach der Essensaufnahmen stimuliert, sobald die Nahrung den Darm erreicht hat. Im Organismus fördert das GLP-1 anschließend die Insulinproduktion, wodurch der Abbau des Blutzuckers erleichtert wird. Die Schweizer Forscher konnten nun nachweisen, dass auch in den Muskeln bei Bewegung die GLP-1-Ausschüttung stimuliert wird. Darüber hinaus stellten Marc Donath und Kollegen fest, dass IL-6 zur Umprogrammierung der sogenannten Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (α-Zellen) beiträgt, welche anschließend von der Blutzucker-erhöhenden Glukagon-Produktion zur Produktion von GLP-1 übergehen. Dies wiederum hat laut Aussage der Forscher zur Folge, dass die sogenannten β-Zellen der Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin ausschütten. Damit werde durch die veränderte Hormonproduktion bei sportlichen Aktivitäten mehr Insulin im Organismus zur Verfügung gestellt, was den Blutzucker nachhaltig senkt und positive Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf der Diabetes haben kann, berichtet das Team um Marc Donath.

Dieser entdeckte Hormonkreislauf des IL-6 und GLP-1 bietet nach Ansicht der Wissenschaftler zahlreiche neue Optionen zur therapeutischen Behandlung von Diabetes. Demnach könnte zum Beispiel mit Sport gezielt eine möglichst hohe IL-6 Ausschüttung im Körper erzielt werden, um die Insulinproduktion zu bestimmten Zeitpunkten zu maximieren. Auch ließe sich die Wirksamkeit bereits bestehende Medikamente steigern, die den Abbau des GLP-1 im Organismus verhindern und so die Insulinproduktion erhöhen sollen, wenn zusätzlich durch Sport die IL-6 Ausschüttung stimuliert wird, so die Hoffnung von Donath und Kollegen. Durch die Kombination mit Sport ließe sich der Therapieerfolg möglicherweise deutlich verbessern, betonten die Schweizer Forscher. Diese Vermutung werde derzeit in einer umfassenden klinischen Studie mit Übergewichtigen und Diabetikern am Universitätsspital Basel untersucht, erläuterten die Schweizer Wissenschaftler. Zu dem IL-6 bemerkten die Forscher auch, dass dieses interessanterweise ebenfalls im Fettgewebe Übergewichtiger produziert wird. Auch hier diene IL-6 der Steigerung der Insulinproduktion, doch diese lasse sich bei einigen Menschen einfach nicht bis zum benötigten Umfang erhöhen und die betroffenen erkranken an Diabetes. Körperliche Aktivitäten können hier über die IL6-Produktion auch Diabetes vorbeugend wirken beziehungsweise die Erkrankung lindern, erläuterten Donath und Kollegen. (fp)