Warum werden wir Menschen trotz gestiegener Lebenserwartung tatsächlich nicht älter?

Fabian Peters
Was beeinflusst unsere Lebenserwartung?
Die allgemeine Lebenserwartung in Deutschland steigt immer weiter an. Zahlen vom Statistischem Bundesamt belegen, dass neugeborene Mädchen heutzutage im Schnitt etwa 83 Jahre alt werden. Jungen, die in der heutigen Zeit geboren werden, erreichen immerhin ein Alter von 78 Jahren. Jeder Mensch besitzt ein Art genetisches Make-Up. Dieses hat einen großen Einfluss auf unsere allgemeine Lebenserwartung. Ob ein Mensch 70 Jahre alt werde oder diese Person 30 Jahre länger lebe und somit ein Alter von 100 Jahren erreichen würde, ist stark mit dem genetischen Make-Up verbunden, erklärte der Forscher Karl Lenhard Rudolph, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Alternsforschung. Seiner Einschätzung nach wird der Anstieg der Lebenserwartung irgendwann sein Limit erreicht haben, so die Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“.

Sicher hatten viele Menschen schon den Gedanken, dass sie alt geworden sind und der Körper langsam beginnt nicht mehr einwandfrei zu funktionieren. Was geschieht eigentlich genau mit unserem Körper, wenn wir altern und wann beginnt dieser Zustand? Wenn unser Körper seine maximale Funktionsfähigkeit erreicht hat, beginnt er langsam abzubauen. Dieser Vorgang setzt beim Menschen mit etwa 25 Jahren ein. Ab diesem Zeitpunk wird allmählich die Funktion unser Organe immer schlechter. Klar zu sehen ist dies im Profisport. Es gibt in den meisten Sportarten kaum alte Profisportler. Beim Fußball spielen kaum Profis, die über 30 Jahre alt sind. Der Körper baut einfach zu schnell ab, so ist es sehr schwer, mit jüngeren Spielern mithalten zu können.

Die maximale Lebenserwartung wird sich nicht wesentlich erhöhen, doch altern Menschen bei besserer Gesundheit. (Bild: olly/fotolia.com)
Die maximale Lebenserwartung wird sich nicht wesentlich erhöhen, doch altern Menschen bei besserer Gesundheit. (Bild: olly/fotolia.com)

Mit vierzig Jahren baut der Körper stark ab
Wenn wir älter werden, entstehen immer öfter Krankheiten und die Abwehrkräfte lassen nach. Sicherlich ist fast jedem älteren Menschen schon aufgefallen, dass man immer mehr kleine Beschwerden entwickelt und es meist etwas länger dauert, sich von Krankheiten zu erholen. Körperliche Belastung fällt schwerer, um so älter der Mensch wird. Womit hängt all das zusammen? In der heutigen Zeit ist bekannt, dass unsere Stammzellen einen massiven Einfluss auf unsere Gesundheit und Regeneration haben. Diese Zellen übernehmen wichtige Aufgaben bei dem Erhalt und der Regeneration von menschlichen Organen und unserem Gewebe. Doch die Kraft der Stammzellen, nimmt im Laufe unseres Lebens immer weiter ab. Unsere Zellen funktionieren optimal in einem Alter zwischen 25 und 30 Jahren. In diesem Alter sei der menschliche Körper auf Reproduktion eingestellt, erklärten die Forscher gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Wird der Körper dann älter, gibt es immer mehr kleine Probleme. Ab dem 40. Lebensjahr treten vermehrt Störungen unser Körperfunktionen auf, ausgelöst durch fehlgeleitete innere Signale. Gene beginnen immer schlechter zu arbeiten und die Chance wird größer, dass Mutationen entstehen. Durch diese dominanten Veränderungen des Erbgutes, würden die Zellen beginnen immer instabiler zu werden, fügten die Wissenschaftler gegenüber der „dpa“ hinzu.

Lebenserwartung steigt, aber was ist mit unserer Gesundheit?
Schon immer träumten die Menschen von der Unsterblichkeit. Ewige Gesundheit und andauernde Jugend würde mit Sicherheit Niemand ablehnen. Doch wie sieht es in Wirklichkeit aus? Unsere Lebenserwartung steigt. Aber wächst damit auch die Zahl der Jahre, die wir krank und gebrechlich sind? Oder bleiben wir heutzutage insgesamt länger gesund und gewinnen durch ein höheres Alter auch automatisch mehr Jahre bei voller Gesundheit dazu? Eine Vielzahl von Faktoren ist dafür zuständig, wie unser Alterungsprozess abläuft. Es gibt körpereigene Mechanismen, die durch den Prozess des Alterns zu Dysfunktionen führen können. Diese könnten ein erhöhtes Krebsrisiko auslösen.

Immer neue Studien sei es den Medizinern in naher Zukunft wahrscheinlich möglich, solche Vorgänge besser zu verstehen und diese dann auch therapeutisch zu verlangsamen, erklärten die Forscher vom Leibniz-Instituts für Alternsforschung. So sei es möglich, die Immunfunktionen im gehobenen Alter zu stärken oder das Risiko für eine Krebserkrankung zu senken, fügten die Wissenschaftler gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ hinzu. Allerdings müsse sich jeder klarmachen, dass wir nicht die Möglichkeiten haben das Altern komplett zu verhindern. Es würden aber durchaus realistische Möglichkeiten geben, wie bestimmte Erkrankungen besser behandelt oder vielleicht sogar ganz besiegt werden könnten, zitierte die „dpa“ den Forscher Karl Rudolph. Das würde uns nicht unsterblich machen, aber die Anzahl unserer gesunden Lebensjahre würde ansteigen.

Durchschnittliche Lebenserwartung verdoppelt
In den letzten 200 Jahren, hat sich die Lebenserwartung jährlich um etwa 0,25 Jahre erhöht. Es sei nicht wahrscheinlich, dass sich dieser Vorgang immer weiter fortsetze. Denn das würde bedeuten, dass Menschen in Tausend Jahren etwa 250 Jahre älter würden als heutzutage. Eine Ansicht, die unrealistisch sei, erklärte der Wissenschaftler. In der heutigen Zeit sind viele Erkrankungen, die früher tödlich waren, durch Medikamente und Therapien heilbar. Beispielsweise ist die Kindersterblichkeit in den meisten Ländern deutlich gesunken. Es gab schon immer Menschen, die besonders alt geworden sind. Auch früher gab es einzelne Leute, die neunzig Jahre oder gar einhundert Jahre alt wurden. Aber das waren und sind eher Ausnahmen. Die maximale Lebenserwartung ist etwa gleich geblieben. So könne man sagen, dass sich nicht etwa die maximale Lebenserwartung verdoppelt habe, sondern die durchschnittliche mittlere Lebenserwartung, sagten die Wissenschaftler.

Der Anstieg der Lebenserwartung wird irgendwann ein Maximum erreichen. Die älteste bekannte Frau auf der Welt wurde 122 Jahre. Sollte es einen Anstieg geben, falle dieser minimal aus. Wie alt ein Mensch wird hängt hauptsächlich von seinen Genen ab. Es sei zwar möglich sich immer weiter an das maximale Limit unserer Lebenserwartung heranzutasten, aber wir wären nicht in der Lage dies zu verschieben, erklärte Rudolph gegenüber der „dpa“.

Erheblicher Einfluss auf Alterung durch gesunde Lebensweise
Haben andere Faktoren, wie beispielsweise unsere Umwelt oder die Psyche Einfluss auf unser maximales Alter? Es gibt keine Möglichkeit unsere Gene so auszutricksen, dass wir von nun an alle 20 Jahre älter werden. Allerdings haben wir die Möglichkeit, dass wir beispielsweise durch unsere Ernährung oder Bewegung unsere allgemeine Gesundheit stärken. Auch durch einen Verzicht auf Zigaretten und Alkohol, können wir erheblichen Einfluss auf unseren Alterungsprozess nehmen.

Somit verlängern wir zwar nicht unser maximales Alter, aber wir leben länger ein gesundes Leben in Rahmen unser normalen Lebenserwartung. Wenn ein Mensch beispielsweise normalerweise 80 Jahre alt werden würde, wird er auch durch gesunde Lebensweise nicht hundert Jahre alt werden. Aber dieselbe Person würde nicht 80 Jahre alt werden, wenn sie eine ungesunde Lebensweise hätte, sagte der Forscher.(as)

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