Fluorid? Was eine gute Zahnpasta ausmacht

Astrid Goldmayer

Auf die richtige Zahnpasta kommt es an: Ist Fluorid wichtig?

21.03.2014

Zahnpasta soll die Zähne vor Karies schützen. Deshalb besteht sie aus verschiedenen Inhaltsstoffen, die einerseits die Zahnbürste bei der Reinigung unterstützen und andererseits eine Remineralisation der Zähne bewirken sollen. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. So raten Fachleute zu fluoridhaltigen Zahncremes. „Es ist wissenschaftlich belegt, dass Fluorid der wichtigste und wirksamste Inhaltsstoff ist, um die Zähne vor Karies zu schützen", erläutert Sara Waldau von der Stiftung Warentest in Berlin gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. In einer Untersuchung von 20 Universalzahlcremes schnitten jene ohne Fluorid deshalb sehr schlecht in der Bewertung der Verbraucherschützer ab.

Fachleute empfehlen Zahnpasta mit Fluorid
Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich bis zu 40 Prozent der Kariesfälle durch Fluorid mit modernen Zahncremes verhindern lassen. Dabei muss eine gute Zahnpasta weder einen bekannten Markennamen tragen, noch teuer sein. Laut Stiftung Warentest kostet die billigste Zahnpasta, die mit „sehr gut“ bewertet wurde, nur 39 Cent. Pro Person und Jahr entspricht das einen Betrag in Höhe von 2,40 Euro.

Fluoride übernehmen eine wichtige Aufgabe beim Schutz vor Karies, indem sie Löcher im Zahnschmelz mit Mineralstoffen versiegeln und verhindern, dass Bakterien eindringen. Dieser Vorgang wird als Remineralisation bezeichnet. Bestimmte Säuren sind dafür verantwortlich, dass die Mineralien aus dem Zahnschmelz, dem härtesten Gewebe im menschlichen Körper, herausgelöst werden. Werden diese Schwachstellen nicht verschlossen, ist es eine Frage der Zeit bis Karies entsteht. Zahnpasta ohne Fluorid ist deshalb nicht empfehlenswert. „Es gibt gerade im Reformhaus auch Produkte, die kein Fluorid enthalten", berichtet Christian Splieth von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) gegenüber der Nachrichtenagentur. „Diese sind therapeutisch-medizinisch nicht wirksam, werden jedoch gerade von Eltern gern gekauft." Deshalb haben immer mehr Kinder schlechte Zähne. Die DGZMK und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) empfehlen für Kinder bis sechs Jahre einen Fluoridgehalt von 500 ppm F und für Erwachsene bis zu 1500 ppm F in der Zahnpasta.

Putzkörper von Zahnpasta entscheidet über Stärke des Abriebs beim Zähneputzen
Neben dem Fluoridgehalt sollten Verbraucher auch auf den Putzkörper der Zahnpasta achten. „Das sind kleine Partikel, die die Reinigungswirkung der Zahnbürste unterstützen und helfen, Verfärbungen zu entfernen", erläutert Waldau. „Die meisten Zahnpasten enthalten Siliziumdioxid als Putzkörper." Die Zahncremes unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Form und Anzahl der Putzkörper. Während Fluorid auf der Verpackung von Zahncremes ausgewiesen sein muss, fehlen jedoch Angaben zum Putzkörper. „Das liegt daran, dass der RDA-Wert, der darüber eine Auskunft geben könnte, nicht international genormt ist", informiert Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, gegenüber der Nachrichtenagentur. Verbraucher können davon ausgehen, dass Weißmacher-Zahnpasta tendenziell einen höheren Abrieb haben als beispielsweise Sensitiv-Zahncremes. „Wir empfehlen grundsätzlich keine hohen Abriebwerte", betont Oesterreich. „Häufig werden Scheuerbewegungen ausgeführt. Beides verletzt die Zahnhartsubstanz."

Weißmacher-Zahnpasta kann „bestenfalls die Naturfarbe auffrischen"
Weißmacher enthalten entweder starke Putzkörper oder Bleichsysteme, um Zahnbelege zu entfernen. „Weißmacher-Zahnpasten können Verfärbungen tendenziell gut entfernen. Das heißt jedoch nicht, dass sie die Zähne weißer machen. Sie können bestenfalls die Naturfarbe auffrischen", erläutert die Expertin von der Stiftung Warentest. „Einige Produkte sind sehr aggressiv und schädigen die Zahnoberfläche bei längerer Anwendung."

Bei empfindlichen Zähnen raten Fachleute deshalb zu Sensitiv-Zahncremes. „Sie haben meist einen niedrigeren Abrieb und enthalten oft Inhaltsstoffe, die die Schmerzempfindlichkeit reduzieren sollen", erläutert Waldau. Meist sind freiliegende Zahnhälse Ursache eines erhöhten Schmerzempfindens bei Hitze, Kälte und Druck, wenn sich das Zahnfleisch zurückzieht und der nicht sehr widerstandsfähige Zahnzement beim Zähneputzen weggebürstet wird.

Seit einiger Zeit sind Zahnpasten auf dem Markt, die versprechen, porösen Zahnschmelz zu reparieren. Diese Schmelzersatz-Produkte enthalten jedoch häufig kein Fluorid, weshalb sie im Test der Verbraucherschützer schlecht abschnitten. „Die von uns untersuchte Zahnpasta enthielt als Wirkstoff Zink-Carbonat-Hydroxylapatit, das dem natürlichen Zahnschmelz entsprechen soll", berichtet Waldau. „Das Problem ist aber, dass diese Zahnpasta kein Fluorid enthält." Auch Oesterreich beurteilt die Schmelz-Ersatz-Zahncremes kritisch. „Es gibt keine klinischen Hinweise, dass die versprochene Wirkung in der Mundhöhle eintritt."

Zahngesundheit wirkt sich auf Lebensqualität aus
Wie wichtig die richtige Zahnpflege ist, bestätigen verschiedene Untersuchungen. „Mundgesundheit ist essentiell für die Gesamtgesundheit und die Lebensqualität“, wird Oesterreich in einer Mitteilung der BZÄK zitiert. „Es gibt klare Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen der Mundgesundheit und der Allgemeingesundheit sowie Auswirkungen auf die Lebensqualität. Deshalb ist es wichtig, dass schon bei den Kleinsten die Mundgesundheit durch richtige Mundhygiene und gesunde Ernährung erhalten wird.“ Insbesondere bei den unter Dreijährigen ist Karies ein Problem. In dieser Altersgruppe gehört sie zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. So nimmt die sogenannte Nuckelflaschenkaries zu, die entsteht, wenn Kleinkinder dauerhaft am Fläschchen saugen und kauen und dieses zuckerhaltige Getränke enthält. „Wir wollen eine gute Mundgesundheit für alle Altersgruppen“, betont Oesterreich. „Gerade Kleinkinder brauchen dafür unsere volle Unterstützung.“ (ag)

Bild: Christian Seidel / pixelio.de