Was ist das chronische Müdigkeitssyndrom und wie sollte es therapiert werden?

Alexander Stindt

Wie wirkt sich das chronische Müdigkeitssyndrom aus?

Es gibt einige Menschen, welche unter einem Zustand leiden, der als chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS) bezeichnet wird. Oft wird Betroffenen aber nachgesagt, sie seien einfach nur untätig und faul. So werden viele Patienten stigmatisiert und von ihren Ärzten nicht richtig behandelt.

  • Chronisches Müdigkeitssyndrom wird oft nicht erkannt.
  • Betroffene werden als faul und träge eingestuft.
  • Erkrankung wird häufig unzureichend behandelt.
  • CFS tritt meist nach starker geistiger oder körperlicher Anstrengung auf.
  • Erholung nach anstrengenden Aktivitäten kann Tage dauern.
  • Bezeichnung der Erkrankung ist irreführend.

Seit längerer Zeit befassen sich Mediziner bereits mit der sogenannten myalgischen Enzephalopathie (ME), welche auch als chronisches Müdigkeitssyndrom bezeichnet wird. Forscher untersuchten jetzt die Erkrankung und ihre Auswirkungen. Sie veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „BMC Psychology“.

Wenn Menschen nach starken Anstrengungen lange unter Müdigkeit und Trägheit leiden, kann dies auf ein chronisches Müdigkeitssyndrom hinweisen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Wodurch wird CFS ausgelöst?

Viele der vom chronischen Müdigkeitssyndrom betroffene Kinder und Erwachsene werden von der Gesellschaft nur als faul und träge angesehen, die vorliegende Erkrankung wird kaum ernst genommen und von Ärzten häufig unzureichend behandelt. ME oder CFS ist eine lang anhaltende, schwächende Erkrankung, die sich meist nach starker geistiger oder körperlicher Anstrengung mit einer schweren und überwältigenden Müdigkeit äußert, erklären die Experten. Die Erkrankung werde begleitet von einer Reihe von verschiedenen Symptomen wie kognitiven Störungen, Schlafstörungen, Schmerzen und autonomen Störungen, die auf Anomalien im Nervensystem und im Immunsystem zurückzuführen sind.

Namensgebung der Erkrankung sollte geändert werden

Die Bezeichnung des chronisches Erschöpfungssyndroms kann in die Irre führen und vermuten lassen, dass es sich um einen an Demenz erkrankten Menschen handelt, welcher unter chronischer Vergesslichkeit leidet. Deswegen sollte die Namensgebung geändert werden. Das amerikanische Institute of Medicine hat vor kurzem vorgeschlagen, die Bezeichnung in Bewegungsintoleranz abzuändern. Das Gremium argumentierte, es würde zumindest das Hauptmerkmal der Krankheit erfassen und den Zustand der Krankheit besser beschreiben.

Was sind die Symptome des chronischen Müdigkeitssyndroms?

Es gibt eine große Anzahl von Symptomen der Erkrankung, von denen chronische Müdigkeit nur eins ist, erklären die Wissenschaftler. Die Symptome können dabei von Tag zu Tag und sogar von Stunde zu Stunde stark schwanken und die Betroffenen oft daran hindern ihre Aktivitäten vorauszuplanen. Das kennzeichnende Symptom der Erkrankung ist eine verzögerte Erholung nach bereits geringen körperlichen oder geistigen Aktivitäten. Es kann ein oder zwei Tage dauern, bis das Gefühl der chronischen Erschöpfung einsetzt. Diese abnormale Energieabnahme kann danach Stunden oder sogar Tage andauern, erklären die Mediziner.

Viele Mediziner erkennen die Erkrankung nicht

Die Erkrankung wird häufig bei der medizinischen Ausbildung vernachlässigt. Viele Ärzte wissen deswegen nicht, wie man diesen Zustand der Erschöpfung diagnostiziert und behandelt. Es müssen Untersuchungen durchgeführt werden, welche andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen umfassen, um diese von der Diagnose auszuschließen. Es gibt immer noch eine bemerkenswerte Menge an Fehldiagnosen, welche häufig nur aufgedeckt werden, wenn spezialisierte Ärzte an der Behandlung beteiligt sind, erklären die Forscher

Behandlung muss verbessert werden

Scheinbar gibt es zur Zeit keine Heilung für CFS. Die Behandlung in Großbritannien hängt stark von der kognitiven Verhaltenstherapie und der abgestuften Bewegungstherapie ab, den beiden vom National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) empfohlenen Behandlungsmethoden. Die Richtlinien des NICE bieten zu wenig Behandlungsmöglichkeiten durch medizinisches Fachpersonal und viele Betroffene haben das Gefühl, dass sich ihre Erkrankung nur verschlechtert, anstatt sich zu verbessern, so das Fazit der Forscher. (as)