Wechseljahre? Testosteron macht nicht krank

Alfred Domke

Keine Wechseljahre bei Männern: Sinkendes Testosteron macht nicht krank

03.07.2013

Männer in mittleren Jahren müssen sich oft mit Problemen im Sexualleben und abnehmender Leistungsfähigkeit auseinandersetzen. Häufig werden diese mit sinkendem Testosteron in Zusammenhang gebracht, doch das ist nicht immer richtig.

Bei Männern gibt es keine Wechseljahre
Verminderte sexuelle Begierde, Erektionsstörungen, nachlassende Tatkraft: Solche und weitere Probleme werden gerne auf die Wechseljahre des Mannes geschoben. Oft geht damit die Frage einher, ob man den Herren in mittleren Jahren dabei mit der Gabe des Sexualhormons Testosteron helfen kann. Jedoch würden laut Studien die genannten Beschwerden nur bedingt mit dem Testosteronwert im Blut zusammenhängen. Deswegen regen Experten an, genau zu prüfen ob eine Verabreichung des Hormons sinnvoll ist, da auch gewisse Risiken bestehen. Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel mehr und mehr. Hinzu kommt, dass Männern um das 50. Lebensjahr körperliche und psychische Veränderungen zu schaffen machen. Prof. Sabine Kliesch, Chefärztin für Klinische Andrologie am Universitätsklinikum Münster erklärte jedoch: „Wechseljahre, wie wir sie von Frauen kennen, die gibt es nicht bei Männern.“

Altersbedingter Abbau im Hoden
Die Veränderungen beim männlichen Älterwerden sind also nicht dasselbe wie der abrupte Abfall an weiblichen Hormonen, zu dem es bei Frauen in der Lebensmitte kommt. Der Testosteronwert im Blut des Mannes nehme etwa vom 40. Lebensjahr an ab. Laut Kliesch von der Deutschen Gesellschaft für Urologie um schätzungsweise 1,2 Prozent pro Jahr. Dies liege am altersbedingten Abbau im Hoden oder in den Gehirnregionen, die den Hormonhaushalt steuern. Testosteron erfüllt verschiedene Funktionen, so ist es wichtig für den Muskelaufbau, die Knochendichte und die Bildung von roten Blutkörperchen sowie für den Stoffwechsel im Fettgewebe, das Sexualleben und die Fortpflanzungsfähigkeit. „Ein Absinken des Testosterons im Blut allein macht aber noch keinen Mann krank“, so Kliesch.

Sinnvoll wenn bestimmte Krankheiten zusätzlich auftreten
Vor einigen Jahren untersuchte eine europäische Studie den Zusammenhang zwischen dem Hormon und körperlicher sowie seelischer Beschwerden. Wenn überhaupt, hatten nur drei Symptome aus dem sexuellen Bereich eine direkte Verbindung mit zurückgegangenem Testosteronspiegel.: Erektionsstörungen, weniger sexuelles Verlangen und seltenere morgendliche Erektionen. Laut Kliesch werden Mediziner aufmerksam, wenn ein bestimmter Testosteronwert unterschritten wird und Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, („“) Adipositas oder Diabetes dazukommen. In solchen Fällen könne eine Behandlung mit Testosteron sinnvoll sein, da das Hormon diese Leiden beeinflusse und diese sich wiederum auf den Testosteronspiegel auswirkten.

Höheres Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle
Prof. Wolfgang Weidner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, erklärte: „Bevor mit einer Therapie angefangen wird, muss ausgeschlossen werden, dass ein manifester Prostatakrebs oder auch Brustkrebs bei einem Mann vorliegt.“ Die Prostata müsse außerdem regelmäßig untersucht werden, als auch der Anteil der roten Blutkörperchen im Blut. „Testosteron regt die Blutbildung an, und es kann bei zu hohen Werten leichter zu Gerinnseln kommen mit einem höheren Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle.“ Psychologe Kurt Seikowski von der Uni Leipzig befasst sich seit mehr als 30 Jahren mit Beschwerden wie Depressionen, Schlaf oder Konzentrationsstörungen bei Männern. Er wird immer wieder danach gefragt, ob die Gabe von Testosteron helfen könne. Der Vorsitzende der Gesellschaft für Sexualwissenschaft kritisiert: „Vor allem als der Boom mit Mitteln wie Viagra aufkam, herrschte fast schon Erleichterung bei Männern: Wir haben ja Medikamente, können stark bleiben und müssen nicht über unsere Psyche nachdenken.“

Natürliche Hausmittel
Männer würden mittlerweile eher akzeptieren, dass ihre Leistungsfähigkeit ab 40 abnehme und sie über Erholungspausen nachdenken müssten. Mit diesem neuen Bewusstsein gehe einher, dass sie auch mehr hinterfragen, ob Hormone oder andere Präparate die richtige Lösung sind. So denken sowohl manche Männer als auch Frauen an natürliche Hausmittel um ihre Sexualprobleme zu behandeln. So lässt sich etwa die Libido durch natürliche Hausmittel ebenso stärken wie die Potenz im engeren Sinne, sofern nicht organische Erkrankungen hinter den Störungen stecken, die dann ärztlich abgeklärt werden sollten. Gerade weil das Lebensalter neben organischen Störungen und Stress die Hauptrolle bei der Verursachung von Potenzstörungen spielt, sollte der Griff zu stärkenden Hausmitteln vorbeugend schon in jungen Jahren erfolgen. Einer kleinen Studie beschrieben vor allem Männer zwischen 48 und 55 Jahren eine stark verminderte Lebenszufriedenheit. „In den Jahren danach haben sie sich jedoch meist wieder angepasst“, meint Seikowski. Daher sei der englische Ausdruck „midlife crisis“ immer noch am passendsten. (ad)

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