Wegen Geldmangel fehlen OP-Material und Gips

Astrid Goldmayer

Griechenland: Aus Geldmangel fehlt es an OP-Material und Gips

13.06.2012

Im Krankenhaus von Chios in Griechenland machen sich die staatlichen Sparmaßnahmen jetzt sogar an der medizinischen Versorgung bemerkbar. Die Finanzkrise führt zu Engpässen an OP-Material, Gips und anderem unverzichtbarem Zubehör. In den staatlichen Krankenhäusern müssen Patienten zum Teil auf lebensrettende Operationen warten, weil die zur Versorgung nötigen Materialien schlichtweg zu teuer sind. Ob Tupfer, Spitzen oder Gummihandschuhe – medizinisches Material ist in Griechenland derzeit Mangelware.

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Patienten müssen auf lebensrettende Operationen warten
Die Zustände in griechischen Krankenhäusern scheinen auf dem Tiefpunkt zu sein. Selbst die Patientenmahlzeiten werden in einigen Kliniken rationiert. Grund für die staatlichen Sparmaßnahmen ist die Finanzkrise. Um noch die Gehälter der Staatsbediensteten und die Raten zahlen zu können, hat die griechische Regierung fast alle anderen Ausgaben eingefroren. Davon sind sind unter anderem die Krankenhauszuschüsse betroffenen, aber auch die Versicherungskassen.

Da die Kliniken ihre Lieferanten teilweise nicht mehr bezahlen konnten, liefern diese medizinisches Zubehör und Medikamente nur noch gegen Barzahlung. Ein Teufelskreis, der nun einen gravierenden Engpass in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung zur Folge hat. In Griechenland sind sogar zahlreiche Medikamente inzwischen ganz aus dem Apothekensortiment verschwunden. Hunderttausenden von Versicherten der größten Krankenkasse EOPYY bleibt nicht anderes übrig, als ihre Medikamente bar in den Apotheken zu bezahlen, und sich anschließend mit dem Beleg an die Krankenkasse zu wenden. Apothekerverbände warnen vor dem Zusammenbruch des griechischen Gesundheitssystems.

Sollten sich am nächsten Sonntag die Radikallinken bei der Wahl durchsetzen, könnten sich die Probleme schnell auch auf andere Bereiche ausweiten. Die Partei hat angekündigt, die Kreditverträge mit der EU zu kündigen und zur Drachme zurückzukehren. Der Wechsel zur alten Währung müsste dann innerhalb weniger Wochen vonstatten gehen. Sehr wahrscheinlich würden die meisten Importe zum Erliegen kommen. Der Engpass im medizinischen Sektor ist dann sehr wahrscheinlich nur der Anfang.

Sogar Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel sind Mangelware
Ein Arzt aus Athen berichtet: „Ich kaufe die Gummihandschuhe auf eigene Kosten in einer Apotheke gegenüber.“ Ähnliches berichten zahlreiche Kliniken. In der Universitätsklinik von Heraklion auf Kreta herrscht laut eigenen Angaben Knappheit an Desinfektionsmitteln. Noch gravierender sind die Auswirkungen im staatliche Krankenhaus Attikon in Athen. Dort werden keine Herzoperationen mehr durchgeführt, da das Material für Herz-Lungen-Maschinen fehlt. „Wir brauchen dafür 350 Euro, aber unsere Kassen sind leer", erklärt Christos Rokkas, Chirug, gegenüber der Zeitung Ta Nea. In Thessaloniki müssen Dialyse-Patienten um ihre Gesundheit bangen, da es in mindestens zwei staatlichen Kliniken an Betriebsstoffen für die überlebenswichtigen Dialysemaschinen fehlt, berichten Betroffene. Im Krankenhaus in Chios fehlt es inzwischen sogar an Gips. „Wenn jemand mit einem Knochenbruch eingeliefert wird, bitten wir die Angehörigen, den Gips aus der nächsten Apotheke selbst zu besorgen", sagt Vassilis Vassiliadis, Orthopäde in Chios. (ag)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de