Studie: Weichmacher verringern die Intelligenz

Heilpraxisnet

Intelligenzquotienten von Kindern durch pränatalen Phthalat-Belastung beeinträchtigt

11.12.2014

Werden ungeborene Kinder in der Schwangerschaft erhöhten Konzentrationen bestimmter Weichmacher (Phthalate) ausgesetzt, so hat dies eine nachhaltig Beeinträchtigung ihrer Intelligenz zur Folge. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung von Forschern der Mailman School of Public Health an der Columbia University in New York.

Erstmals wurde mit der aktuellen Studie ein „Zusammenhang zwischen der pränatalen Exposition gegenüber Phthalaten und dem IQ bei schulpflichtigen Kindern“ festgestellt, so die Mitteilung der Mailman School of Public Health. Wurden ungeborene Kinder während der Schwangerschaft erhöhten Konzentrationen der Weichmacher Di-n-butylphthalat (DnBP) und Diisobutylphthalat (DiBP) ausgesetzt, so hatten sie einen um durchschnittlich sechs Punkte niedrigeren Intelligenzquotienten (IQ) als Kinder ohne entsprechende Vorbelastung, berichten die US-Forscher.

Schwangere nur unzureichend vor Weichmachern geschützt
„DnBP und DiBP sind in einer Vielzahl von Verbraucherprodukten wie Kunststoffen oder Körperpflegeprodukten (beispielsweise Lippenstift, Haarspray, Nagellack und auch einige Seifen) enthalten“, erläutern die Wissenschaftler der Mailman School of Public Health. Zwar seien die Weichmacher in den USA bereits seit 2009 in Kinderspielzeug und anderen Babyartikel verboten. „Es wurden jedoch keine Schritte unternommen wurden, um den sich entwickelnden Fötus durch die Warnung schwangerer Frauen vor potenziellen Risiken zu schützen“, so die Kritik der Forscher. Bis heute seien in den USA Phthalate nur selten als Zutaten auf Produkten angegeben, in denen sie verwendet werden. Viele Schwangere setzen ihr ungeborenes Kind daher – ohne davon zu wissen – einem möglichen Risiko aus. „Schwangere Frauen in den Vereinigten Staaten kommen fast täglich mit Phthalaten in Berührung, viele auf einem Niveau, das in der Studie mit einer wesentlichen Verringerung des IQ von Kindern in Verbindung gebracht wurde“, erläutert Studienautorin Prof. Pam Factor-Litvak.

Rückgang des IQ um mehr als sieben Punkte
Im Rahmen ihrer Untersuchung hatten die Forscher 328 Frauen aus New York City und ihre Kinder untersucht, die Exposition der Frauen gegenüber den vier Weichmachern DnBP, DiBP, Di-2-ethylhexylphthalat, und Diethylphthalat überprüft und mit den Kindern im Alter von sieben Jahren einen IQ-Test absolviert. Auch unter Berücksichtigung anderer Einflussgrößen, wie beispielsweise des mütterlichen IQ, des Schulabschlusses der Mutter oder der Qualität des häuslichen Umfeldes habe sich eine deutliche Minderung des Intelligenzquotienten der Kinder im Zusammenhang mit der Phthalat-Belastung der Mütter gezeigt, schreiben die US-Forscher. Für die beiden Weichmacher DnBP und DiBP sei festzustellen gewesen, dass die Kinder bei besonders hoher pränataler Exposition einem um 6,6 beziehungsweise 7,6 Punkte niedrigeren IQ aufwiesen, als Kinder mit sehr niedriger pränataler Belastung.

Weitreichende Folgen für ungeborene Kinder
„Das Ausmaß dieser IQ-Unterschiede ist beunruhigend“, betonte Senior-Autor Robin Whyatt, Professor für Umweltgesundheitswissenschaften und stellvertretender Direktor am Columbia Center für Kindergesundheit und Umwelt der Mailman School of Public Health. Denn „ein Rückgang des IQ um sechs oder sieben Punkte kann erhebliche Folgen für die akademische Leistung und das Arbeitspotenzial haben“, so Whyatt weiter. Dr. Factor-Litvak kritisierte scharf, dass es bislang keine Vorschriften gibt, die geeignet sind, die sensible Phase der Entwicklung des Gehirns der Kinder während der Schwangerschaft vor Beeinträchtigungen zu schützen. Da eine Kennzeichnung auf den Produkten in den USA nicht vorgeschrieben ist, können Schwangere die Aufnahme nur schwer vermeiden. Die Forscher empfehlen hier verschiedene Maßnahmen, um die Exposition allgemein zu minimieren. Beispielsweise sollten Schwangere keine in Kunststoff eingepackten Mikrowellenspeisen verzehren und stark duftende Produkte möglichst meiden, so der Hinweise der US-Wissenschaftler.

Gesundheitsrisiken durch Weichmacher
Die Minderung des IQ durch den Kontakt mit Phthalaten ist nur ein Aspekt der möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Weichmacher. Hinzu kommen Beobachtungen aus früheren Studien, in denen kognitive und motorische Beeinträchtigungen, ein erhöhtes Asthma-Risiko und hormonelle Störungen festgestellt wurden, schreiben die US-Forscher. Schwanger sollten daher im Sinne der Gesundheit ihres ungeborenen Kindes generell den Kontakt mit den Phthalaten möglichst meiden. (fp)

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