Weihrauch und Myrrhe mindern Entzündungen

Heilpraxisnet

Harze können bei Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Krebs helfen

16.12.2014

Schon bei den drei Heiligen Königen gehörte Weihrauch der Überlieferung nach zu den Geschenken, die sie neben Myrrhe und Gold für das neugeborene Jesuskind nach Bethlehem brachten. Bereits seit der Antike ist der aromatische Duft des Weihrauchharzes Bestandteil vieler religiöser Zeremonien und verleiht bis heute in der Kirche vielen Festen einen besonderen Ausdruck. Doch das ist längst nicht alles, denn wie Studien immer wieder aufzeigen, kann Weihrauch auch in der Medizin einen großen Nutzen erbringen: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen", so Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Dadurch sei Weihrauch als "Heilmittel unter anderem für die Therapie von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis interessant".

In der ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden bewährt
Beim Wort „Weihrauch“ denken viele Menschen an die Heiligen Drei Könige, für die das luftgetrocknete Gummiharz aus dem Weihrauchbaum so wertvoll wie Gold und daher als „Gabe“ für das Jesuskind gerade gut genug war. Doch auch heute scheint Weihrauch seinen Wert nicht verloren zu haben, vielmehr kommen immer wieder Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass das Harz großes Potenzial habe, als natürliches Heilmittel zu wirken. In der ayurvedischen Medizin Indiens hingegen ist das Baumharz bereits seit Jahrtausenden ein fester Bestandteil, indem es bei der Behandlung von Wunden, Geschwüren sowie bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis, Gicht oder Rheuma eingesetzt wird.

Boswelliasäuren als Entzündungshemmer bei Multipler Sklerose?
Wie aktuelle Studien zeigen, könnte Weihrauch daher möglicherweise auch bei Multipler Sklerose (MS) helfen, denn die darin enthaltenen Boswelliasäuren wirken als natürlicher Entzündungshemmer, haben aber im Vergleich zu synthetischen Mitteln weit weniger Nebenwirkungen. Bei der MS handelt es sich um eine bislang nicht heilbare chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, durch welche die Markscheiden der Nervenfasern angegriffen werden. In der Folge treten vielfältige Symptome auf, häufig sind dabei unter anderem Empfindungs- und Sehstörungen, Muskellähmungen, chronische Müdigkeit („Fatigue“) oder Schwindel. Unter den entzündlichen Erkrankungen des Nervensystem weist die MS die größte Häufigkeit auf und ist zudem nach der Epilepsie die zweithäufigste neurologische Krankheit insgesamt. Dementsprechend seien nach Angaben der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. (DMSG) weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen, allein hierzulande leben ca. 130.000 MS-Erkrankte.

SABA-Studie untersucht Einfluss von Weihrauch bei MS
Mit dem positiven Effekt von Weihrauch bei MS beschäftigt sich auch die Neurologin Dr. Klarissa Hanja Stürner vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) im Rahmen der sogenannten „SABA-Studie“. Wie die „Welt“ berichtet, hatten dort 37 Patienten mit schubförmiger MS über einen Zeitraum von acht Monaten statt Kortison oder Interferon, das Extrakt des Weihrauch-Harzes erhalten. Offenbar mit großem Erfolg, denn die Zahl der Nervenschädigungen sei bei den bislang 25 ausgewerteten Personen um knapp 60% zurück gegangen, zudem sank die jährliche Rate neuer Schübe von 0,94 auf 0,32. Die Patienten hätten die entzündungshemmende Therapie in Kapselform dabei nach Aussage von Dr. Stürner „bisher sehr gut“ vertragen, so die Mitteilung des UKE. Dementsprechend würden „viele von ihnen [.] die Behandlung auf eigenen Wunsch noch über die Studienlaufzeit hinaus fortsetzen“ wollen.

Chinesische Forscher finden 99 chemisch definierte Substanzen im Weihrauchöl
„Weihrauch und Myrrhe verfügen beide über eine Vielzahl bioaktiver Inhaltsstoffe, mit deren gesundheitlichen Wirkungen sich die Medizin bis in unsere Tage beschäftigt", erklärt der Allergologe Peter Schnabel gegenüber der „Welt“. „Erst kürzlich fanden chinesische Wissenschaftler bei einer aktuellen Analyse von Weihrauchölen 99 chemisch definierte Substanzen. Darunter befanden sich auch mehrere Substanzen, bei denen eine gegen den Krebs wirksame Aktivität vermutet wird", so der Mediziner von der TU München weiter. Auch Forscher der Universität Leicester belegten im Rahmen einer Studie erstmals die positive Wirkung von Weihrauch bei Eierstockkrebs. Dafür verwendeten sie den Inhaltsstoff AKBA (Acetyl-11-Keto-ß-Boswelliasäure) aus dem Harz des Weihrauchbaums.

Inhaltsstoff AKBA wirksam bei Eierstockkrebs
„Wir haben gezeigt, dass dieser Inhaltsstoff des Weihrauchs effektiv Eierstockkrebszellen tötet“, sagte Dr. Mark Evans von der Universität Leicester. „Am überraschendsten war, dass die Zellen, die wir getestet haben und die gegen Chemotherapie resistent waren, sensibler gegenüber diesem Inhaltsstoff waren, was darauf hindeutet, dass Weihrauch in der Tat in der Lage ist, Arzneimittelresistenzen zu überwinden und zu einer verbesserten Überlebensrate bei Patienten in einem späten Stadium von Eierstockkrebs zu führen."

Jenaer Pharmazeut untersucht den Wirkmechanismus des Weihrauchs
Doch nicht nur bei Krebs könnten die natürlichen Harze helfen, stattdessen hätten Studien auch eine positive Wirkung beichronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Asthma bronchiale und Schuppenflechte zeigen können. Doch wie entsteht dieser positive Effekt? Mit dieser Frage beschäftigte sich auch Professor Oliver Werz von der Universität Jena, der gemeinsam mit Partnern der Uni Saarbrücken und einem Startup-Unternehmen dem Wirkmechanismus des Weihrauchs nachgegangen ist. Durch ihre Studie konnten die Forscher zeigen, wo genau die Boswelliasäuren in das Entzündungsgeschehen eingreifen: „Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind. Insbesondere jedoch mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist", so der Jenaer Pharmazeut in einer Pressemitteilung der Friedrich Schiller Universität. Prostaglandin E2 gehöre dabei zu den Vermittlern der Immunantwort und spiele daher eine zentrale bei Entzündungsprozessen, der Entstehung von Fieber und Schmerzen: „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion", erklärt Professor Oliver Werz.

Boswellia serrata die bekannteste Art
Prof. Werz und sein Team kamen durch ihre Studie noch zu weiteren Erkenntnissen, nachdem sie das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und in Hinblick auf die entzündungshemmende Wirkung analysiert hatten. Demnach gäbe es weltweit mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch, wobei der in Nord- und Zentralindien beheimatete „Boswellia serrata“ der bekannteste sei. „Wie wir jetzt gesehen haben, ist jedoch das Harz von Boswellia papyrifera um den Faktor zehn wirksamer", so Prof. Werz, eine Art, die vorrangig im Nordosten Afrikas (Äthiopien, Somalia) und auf der arabischen Halbinsel (Jemen, Oman) vorkommt.

Bäume vom Aussterben bedroht
Doch ob sich Weihrauch als Arzneimittel in Zukunft etablieren könne, hänge laut dem Experten von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen die klinische Überprüfung noch aus, zudem kämen die Boswelliasäuren ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und könnten dementsprechend nur schwer synthetisch hergestellt werden. Damit würden die Bäume „die einzige Ressource für den aussichtsreichen Wirkstoff“ stellen – die jedoch vom Aussterben bedroht seien, so die Mitteilung der Universität weiter. „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren", betont Prof. Werz. (nr)

Bild:

Advertising