Weißbüschelaffen lernen Sprechen durch Zuhören

Fabian Peters
Sprachentwicklung bei Weißbüschelaffen ähnlich der menschlichen Sprachentwicklung
Die Sprachentwicklung bei Affen ähnelt entgegen bisherigen Annahmen stark der menschlichen Sprachentwicklung. US-Wissenschaftler der Princeton University haben in einer aktuellen Studie an Weißbüschelaffen ( Callithrix jacchus) nachgewiesen, dass diese ihre Stimme in Interaktion mit den Lauten ihrer Eltern anpassen. Bisher galten Menschen als einzige Primaten, die ihre Stimme zum Teil durch Nachahmung von Mutter und Vater entwickeln. Bei Affen ging die Wissenschaft davon aus, dass die Veränderungen der Laute allein auf anatomischen Änderungen im Verlauf des Wachstums beruhen. Mit der aktuellen Studie wird diese Jahrzehnte alte Vorstellung des Spracherwerbs bei Primaten nun gekippt, berichtet das Forscherteam um Daniel Takahashi von der Princeton University in dem Fachmagazin „Science“.

Bislang galt die menschliche Stimmentwicklung als einzigartig in der Natur. Sie erfolgt durch zwei parallel interaktive Prozesse, wobei sich zuerst die natürlichen Kategorien der Laute ändern, wenn der Stimmapparat reift, und die Kinder zudem durch verbales Feedback für bestimmte Eigenschaften der Geräusche sensibilisiert werden und ihre Töne entsprechend ändern, erläutern Takahashi und Kollegen. Unseren nächsten Vorfahren, den Primaten, wurde diese Fähigkeit bislang nicht zugesprochen, sondern ihre Stimmentwicklung galt als unabhängig von dem verbalen Feedback ihrer Eltern. Diese Vorstellung ist angesichts der aktuellen Studienergebnisse allerdings zu revidieren.

Weißbüschelaffen entwickeln ihre Sprache in Abhängigkeit von dem elterlichen Feedback. (BIld: Martina Berg)
Weißbüschelaffen entwickeln ihre Sprache in Abhängigkeit von dem elterlichen Feedback. (BIld: Martina Berg)

Lautentwicklung der Affen nicht allein durch Wachstum erklärbar
Im Rahmen ihrer Untersuchungen beobachteten die Forscher die Entwicklung der Lautäußerungen bei Weißbüschelaffen ab der Geburt. Dabei stellten sie fest, dass die Laute „dramatische Veränderungen“ zeigen, die „nicht nur auf einfache Folgen des Wachstums zurückzuführen sind.“

Des Weiteren habe sich in Experimenten mit der elterlichen Interaktion gezeigt, dass das elterliche Feedback die Stimmbildung maßgeblich beeinflusst. Zunächst kommunizieren die kleinen Affen allein über quietschende Geräusche, während die erwachsenen Weißbüschelaffen eher ein Pfeifen von sich geben. Die richtigen Tonalgen erlernen die heranwachsenden Affen dabei offensichtlich über das Zuhören bei ihren Eltern. Die bisherigen Annahmen zur Stimmentwicklung bei Primaten seien damit eindeutig widerlegt, so das Fazit von Takahashi und Kollegen. (fp)