Gesundheit: Gutes oder böses Cholesterin?

Fabian Peters
Wie schädlich Cholesterin ist, bleibt weiterhin umstritten
Seit Jahrzehnten wird über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Cholesterin leidenschaftlich diskutiert, wobei nach zwischenzeitigen Empfehlungen zur deutlichen Begrenzung der täglichen Aufnahme heute wieder ein vollständiger Wegfall der Grenzwerte möglich scheint. Wie schädlich Cholesterin tatsächlich wirkt, ist ohnehin abhängig von den jeweils aufgenommenen Cholesterin-Arten und verschiedenen individuellen Faktoren.

In den USA wird im Rahmen der derzeitigen Überarbeitung der Ernährungsempfehlungen auch über eine Streichung der Grenzwerte für Cholesterin diskutiert, da in aktuellen Studien kein Zusammenhang zwischen dem Konsum cholesterinreicher Lebensmittel und einem Anstieg des Cholesterinspiegels im Körper nachweisbar sei, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“. Zwar würden die empfohlenen Grenzwerte in Deutschland zunächst bestehen bleiben, doch zeige sich, dass cholesterinarme Ernährung allein nicht zielführend sei.

Frische Eier
Das Frühstücksei ist für viele Menschen wegen des hohen Cholesteringehaltes bislang tabu, doch möglicherweise besteht hierfür keine Anlass. (Bild: photocrew/fotolia.com)

Der Körper braucht Cholesterin
Die Lebensmittelhersteller versprechen mit Produkten wie cholesterinarmer Margarine oder cholesterinfreien Cornflakes eine deutlich reduzierte Aufnahme des vermeintlich schädlichen Cholesterins und hoffen so gesundheitsbewusste Verbraucher besonders anzusprechen. Doch ist Cholesterin nicht grundsätzlich schlecht. Tatsächlich braucht der Organismus das Cholesterin, zum Beispiel zur Stabilisierung der Zelloberflächen und als Vorstufe anderer Substanzen wie den weiblichen und männlichen Geschlechtshormone oder auch Kortison, so die „dpa“ unter Berufung auf Hans-Ulrich Klör, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga).

Cholesterin-Aufnahme nur schwer zu kontrollieren
Das Berater-Komitee für die Erarbeitung der offiziellen Ernährungsrichtlinien in den USA hatte sich Anfang des Jahres bereits für die Abschaffung der Cholesterin-Grenzwerte ausgesprochen. Bisher galten in den USA ebenso wie in Deutschland 300 Milligramm Cholesterin täglich als Höchstgrenze in den Ernährungsempfehlungen. Mit zwei Eiern wird diese Menge bereits deutlich überschritten. Grundsätzlich setzt die Einhaltung des Grenzwertes zudem voraus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Mengen des enthaltenen Cholesterins in den jeweiligen Lebensmitteln kennen. Doch wem ist schon bewusst, dass mit einem Ei bis zu 240 Milligramm Cholesterin oder mit 20 Gramm Butter bereits 50 Milligramm Cholesterin aufgenommen werden. Auch dürften die wenigsten Konsumenten wissen, wie viel Cholesterin in einer Scheibe Kochschinken (20 Milligramm) oder einem Glas Milch (25 Milligramm) steckt. Die Kontrolle des eigenen Cholesterinkonsums bereitet den meisten Menschen daher erhebliche Schwierigkeiten. Hier macht die aktuelle Diskussion in den USA nun deutlich, dass diese Kontrolle möglicherweise ohnehin nicht länger erforderlich ist.

Sehr hohe Cholesterinwerte ein Risikofaktor
Cholesterin ist ein elementarer Bestandteil des Körpers, dessen Name auf das griechische Wort für Galle zurückgeht, da die Substanz zuerst in Gallensteinen entdeckt wurde. Vom Körper werde Cholesterin unter großem Energieaufwand auch selbst hergestellt,wobei etwa 50 bis 60 Prozent durch die Leber gebildet werden, berichtet die „dpa“ unter Berufung auf Stephan Bernhardt vom Hausärzteverband. Der geringere Teil werde über die Nahrung zugeführt. Dennoch sei zu viel Cholesterin nicht gut, so Hans-Ulrich Klör. Dieser Ansicht ist auch Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).Wie bei so vielen Dingen sei die Dosis entscheidend. Denn überschüssiges Cholesterin wird vom Körper nicht umgehend ausgeschieden, da der Aufwand für dessen Produktion zu groß war. Um einen Energieverlust durch das Ausscheiden des Cholesterins zu vermeiden, werde dieses im Blutkreislauf behalten. Dabei könne sich überschüssiges Cholesterin an den Gefäßwänden ablagern und schlimmstenfalls die Gefäße verstopfen. Aus diesem Grund gelten sehr hohe Cholesterinwert auch als Risikofaktor für eine Arterienverkalkung.

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Gutes und schlechtes Cholesterin
Allerdings ist dabei zwischen dem guten und schlechten Cholesterin zu unterscheiden. Als schädlich gilt das sogenannte LDL-Cholesterin, welches zu verstärkten Ablagerungen an den Gefäßwänden führt, wohingegen das HDL-Cholesterin mit positiven Effekten auf die Gesundheit in Zusammenhang gebracht wird. So beziehen sich die Aussagen zu Cholesterinwerten in der Regel auf den LDL-Cholesterin-Wert, der bei Säuglingen rund 40 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Blut ausmacht und im Laufe des Lebens auf 130 bis 150 mg/dl steigt, zitiert die „dpa“ Hans-Ulrich Klör. Inwiefern sich der Cholesterinspiegel über eine cholesterinarme Ernährung steuern lässt, bleibt jedoch umstritten. Die US-Ernährungsexperten haben hier nach eigenen Angaben in aktuellen Studien keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum cholesterinreicher Lebensmittel und einem Anstieg des Cholesterinspiegels im Körper feststellen können.

Nicht länger auf das Frühstücksei verzichten?
Der Verzicht auf das tägliche Frühstücksei ist bei einem Wegfall der Cholesteringrenzwerte nicht länger erforderlich, was laut Mitteilung von „Welt Online“ für Männer besonders erfreulich wäre. Denn eine finnische Studie habe kürzlich gezeigt, dass mit dem Konsum von rund vier Eiern pro Woche bei Männern eine deutliche Verringerung des Risikos für Diabetes Typ 2 einhergehe. Im Rahmen der Studie seien die Essgewohnheiten von 2.332 Männern im Alter zwischen 42 und 60 Jahren untersucht worden. Die positive Wirkung des Eikonsums habe sich auch unter Berücksichtigung anderer Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und ungesunder Ernährung bestätigt. Vermutlich würden die gesunden Inhaltsstoffe von Eiern den Blutzucker und den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Die Ernährung nur an dem Cholesterin auszurichten, sei hier daher ein Fehler. Generell könne gesunde Ernährung nicht an einem einzigen Stoff festgemacht werden.

Cholesterinsenkende Arzneien für Risikopatienten
Anstatt der Fokussierung auf möglichst wenig Cholesterin, sollte eine insgesamt bewusste und gesunde Ernährung im Vordergrund stehen, erläutert Hans-Ulrich Klör. Durch die cholesterinarme Ernährung könnten unter Umständen allerdings zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Denn durch die Reduktion der Cholesterin-Aufnahme werde automatisch auch die Aufnahme gesättigter Fettsäuren reduziert, die wiederum die Produktion von Cholesterin stimulieren. Inwiefern die Ernährungsumstellung eine Senkung des Cholesterinspiegels erreichen kann, bleibt laut Angaben der Ernährungsexpertin Antje Gahl allerdings generell davon abhängig, ob die Patienten darauf ansprechen und dies sei individuell unterschiedlich. Zudem können Ernährungsumstellungen nicht kurzfristig greifen, weshalb bei bestimmten Risikopatienten eine medikamentöse Senkung des Cholesterinspiegels angebracht sei, berichtet Stephan Bernhardt vom Hausärzteverband. Als Beispiele nennt der Mediziner Patienten mit weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck oder einem zurückliegenden Schlaganfall.

Ernährungsumstellungen mitunter nicht ausreichend
Patienten mit einer Kombination aus hohen Cholesterinwerten und anderen Risikofaktoren können laut Aussage von Stephan Bernhardt nicht auf die positiven Ergebnisse einer Ernährungsumstellung warten, sondern hier sei – parallel zum veränderten Essverhalten – der Einsatz von cholesterinsenkenden Medikamenten erforderlich. „Je gefährdeter man ist, desto weniger kann man auf den Langzeiteffekt bauen“, bestätigt auch Hans-Ulrich Klör von der Lipid-Liga in dem Beitrag der „dpa“. Durch Arzneien lasse sich die entweder die Produktion des Cholesterins bremsen oder dessen Ausscheidung erhöhen. Dies ist jedoch nur bei extrem gefährdeten Personen mit deutlich erhöhtem Cholesterinspiegel erforderlich. Gesunden Menschen sollten nach Auffassung der DGE ihren Cholesterinkonsum zwar im Blick behalten, doch weitere Maßnahmen sind hier auch bei zwischenzeitigen Erhöhungen der Blutwerte nicht erforderlich. Zudem bleibt nach Auffassung der US-Ernährungsexperten insgesamt offen, ob eine Limitierung der Cholesterinaufnahme überhaupt sinnvoll ist. (fp)