Weitere EHEC-Infektionen in Hamburg

Fabian Peters

Rentnerin in Hamburg ebenfalls mit EHEC infiziert

29.02.2012

Nachdem vor rund anderthalb Wochen ein sechsjähriges Mädchen in Hamburg an einer EHEC-Infektion verstorben war, sorgen nun Meldungen über weitere EHEC-Fälle in der Hansestadt Hamburg für zusätzliche Verunsicherung bei der Bevölkerung.

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Die EHEC-Epidemie aus dem vergangenen Jahr ist den meisten Menschen in Deutschland noch relativ präsent und so reagieren viele besonders besorgt auf die aktuellen Meldungen aus Hamburg. Der Todesfall einer Sechsjährigen sowie die EHEC-Infektionen von zwei weiteren Kinder und einer 68-jährigen Seniorin rufen bei der Bevölkerung erhebliche Verunsicherung hervor, auch wenn die Behörden vor einer Panikmache warnen.

EHEC-Infektionen führen zu Verunsicherungen in der Bevölkerung
Der EHEC-Todesfall des sechsjährigen Mädchens hatte bereits eine spürbare Besorgnis in der Bevölkerung ausgelöst. Vermutlich auch um eine Panikmache zu vermeiden, sprachen die Gesundheitsbehörden der Hansestadt zunächst von einem Einzelfall. Nun sind jedoch jedoch drei weitere EHEC-Fälle in Hamburg bekannt geworden, was die Ängste in der Bevölkerung deutlich erhöht. So erkrankte ein elfjähriger Schüler aus Blankenese und ein dreijähriges Kita-Kind aus Blankenese ebenfalls an einer Infektion mit Erregern aus der Gattung der Enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC). Des weiteren war eine 68-jährigen Seniorin aus Othmarschen ebenfalls betroffen, so die Mitteilung der Hamburger Gesundheitsbehörde am Mittwoch. Der EHEC-Experte Professor Doktor Helge Karch vom Institut für Hygiene der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hatte bereits unmittelbar nach dem Tod der sechsjährigen Grundschülerin gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ darauf hingewiesen, dass entsprechende EHEC-Infektionen anders als von den Gesundheitsbehörden behauptetet durchaus kein Einzelfall seien und die Erkrankung sich vor allem in der kalten Jahreszeit über Wochen hinziehen könne.

Erreger der EHEC-Epidemie nicht verantwortlich für die Infektionen in Hamburg
Die Suche nach der Infektionsquelle läuft bereits seit dem Tod der sechsjährigen Schülerin aus Blankenese auf Hochtouren. Auch die Ergebnisse einer Laboruntersuchung der Erreger liegen bereits vor. Dabei wurde festgestellt, dass nicht die besonders aggressiven EHEC-Bakterien des Stammes O104:H4, die im vergangenen Jahr die EHEC-Epidemie mit knapp 4.000 Infektionen und 50 Todesfällen ausgelöst hatten, für den Tod des kleinen Mädchens verantwortlich waren. Dieser Erregertyp ist besonders gefährlich, da er häufiger als andere EHEC-Erreger das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) bedingt. Die typischen Symptome einer EHEC Infektion, wie Bauchschmerzen, Durchfall, Fieber, Übelkeit und Erbrechen werden bei HUS von weiteren Beschwerden wie inneren Blutungen (vor allem im Bereich der Nierenarterie), Blutarmut (Anämie), und einer damit einhergehenden mangelhaften Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus begleitet. Durch den Sauerstoffmangel leiden HUS-Patienten außerdem unter Umständen an Kopfschmerzen, Ohrensausen (Tinnitus), Konzentrationsproblemen, chronischer Müdigkeit und Sehstörungen. Bei schwerem Verlauf droht den HUS-Patienten ein lebensbedrohliches Nierenversagen. Doch die aktuellen EHEC-Infektionen in Hamburg gehen offenbar nicht auf den besonders gefährlichen Erregerstamm O104:H4 zurück.

Droht eine Ausbreitung der EHEC-Erreger?
Die ebenfalls an EHEC erkrankte 68-jährige Hamburgerin, hatte sich laut Aussage der Behörden bereits vor mehr als zwei Wochen infiziert. Die Patientin habe ihre Erkrankung mittlerweile überwunden und sei „bereits wieder zuhause“, so die Mitteilung der Gesundheitsbehörde. Auch der elfjährige Gymnasiast aus Blankenese und das drei Jahre alten Kita-Kind aus Blankenese befinden sich nach offiziellen Angaben auf dem Weg der Besserung. Auffällig an den bislang vier EHEC-Infektionen, die während der vergangenen Wochen in Hamburg nachgewiesen wurden, ist, dass die drei Kinder Einrichtungen im Stadtteil Blankenese besuchten und alle aus dem Bezirk Altona stammen. Allerdings konnten die Gesundheitsbehörden hierfür bisher keine Erklärung liefern. Angesichts einer möglicherweise drohenden Ausbreitung der Erreger wurden Krankenhäuser, Ärzte und das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin über die neuesten EHEC-Infektionen in Hamburg informiert und der Betrieb des Gymnasiums Blankenese bis einschließlich Donnerstag eingestellt. Derzeit findet dort eine Desinfektion der Unterrichtsräume statt.

EHEC-Infektionen kein Grund zur Panik
Insgesamt seien die vier EHEC-Infektionen jedoch kein Grund zur Panik, so das Fazit des Nierenspezialisten Rolf Stahl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Zwar sei die Verunsicherung in der Bevölkerung aufgrund der EHEC-Epidemie aus dem vergangenen Jahr durchaus zu verstehen, doch an sich seien EHEC-Infektionen ein jährlich wiederkehrendes Phänomen. So infizieren sich in Hamburg jedes Jahr rund sechs bis sieben Kinder mit den EHEC-Bakterien, doch in den meisten Fällen verlaufe die Infektion eher harmlos. „Man muss immer bedenken, dass es sich hierbei um eine nicht ungewöhnliche Kinderkrankheit handelt, die nur selten tödlich endet“, betonte der Experte des UKE gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. (fp)