Weiterhin Bisphenole auf Kassenbons

Fabian Peters

Greenpeace warnt vor giftigen Kassenbons: Krankmachende Bisphenole auf Kassenzetteln

14.08.2012

Weiterhin setzten einige Supermärkte auf Kassenbons die gesundheitsgefährdende Bisphenole enthalten, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung von Greenpeace. Wie die Umweltschutzorganisation berichtet, sind in den Kassenzetteln von Edeka und Kaiser´s immer noch giftige Bisphenole enthalten. Andere Unternehmen hatten nach einem entsprechenden Greenpeace-Test im vergangenen Jahr reagiert und ihre Kassenbons auf weniger bedenkliche Ersatzstoffe umgestellt.

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Das in Kassenbons von Edeka enthaltenen Bisphenol A (BPA), wird auch als sogenannter Weichmacher in Kunststoffen verwendet und gilt als gesundheitlich äußerst bedenklich. Denn zahlreiche Studien haben gezeigt, dass BPA eine nachhaltig Störung des Hormonhaushalts bedingt, die Fruchtbarkeit schädigt, das Risiko einer Diabetes-Erkrankung erhöht und die Reifung des Gehirns von Kleinkindern beeinträchtigen kann. Das beim Thermodruckpapier der Kassenzettel von Kaiser´s verwendete Bisphenol S gilt laut Greenpeace als ähnlich problematisch. Aufgrund der massiven Verbreitung der Bisphenole ist beispielsweise BPA heute bei jedem Menschen in Deutschland im Urin nachweisbar.

Bisphenol-Gehalt in Kassenbons getestet
Vor einem Jahr hatte das Greenpeace Magazins die Kassenzettel von acht Unternehmen auf den Gehalt an giftigen Bisphenolen untersucht. Dabei wurden bei sieben der acht getesteten Betriebe Bisphenole in den Kassenbons nachgewiesen. Die aktuelle Folgeuntersuchung ergab, dass die meisten Unternehmen mittlerweile beim Thermodruckpapier auf weniger bedenkliche Alternativen zurückgreifen. Allerdings setzten Edeka und Kaiser´s weiterhin auf die äußerst bedenklichen Bisphenol-haltigen Kassenzettel. „Kassenbons von Edeka enthalten noch immer das höchst umstrittene Bisphenol A, Kaiser’s setzt das kaum weniger kritische Bisphenol S (BPS) ein“, so die Mitteilung von Greenpeace. Werden erhöhte Konzentrationen dieser Schadstoffe aufgenommen, drohen laut Aussage der Experten erhebliche gesundheitliche Folgen.

Zahlreiche Unternehmen verzichten mittlerweile auf Bisphenole
Erfreulicherweise haben Unternehmen wie Aldi Nord, die Deutsche Bahn, Lidl, REWE, Galeria Kaufhof und die Deutsche Post auf die Greenpeace-Kritik des vergangenen Jahre reagiert und sind mittlerweile bei den Kassenzetteln auf Ersatzstoffe umgestiegen. Aldi Nord, die Deutsche Bahn und Lidl verwenden heute statt BPA die Substanz Pergafast 201. REWE , Galeria Kaufhof und die Deutsche Post nutzen offenbar D-8 als Ersatzstoff für ihr Thermodruckpapier. Laut Greenpeace wurden „beide Chemikalien jetzt neben 15 anderen möglichen BPA-Alternativen von der US-Umweltbehörde EPA untersucht“, wobei sie sich als deutlich weniger bedenklich als BPA gezeigt haben. Allerdings seien auch D-8 und Pergafast 201 „nicht risikofrei“, berichtet die Umweltschutzorganisation. Beispielweise sei D-8 dem Bisphenol S strukturell äußerst ähnlich und hat laut kalifornischer Umweltbehörde eine „eindeutig hormonell aktive Wirkung“, so Greenpeace weiter. Dies gelte zwar für „Pergafast 201“ nach heutigem Forschungsstand nicht, doch beide Substanzen gefährden laut EPA die Umwelt.

Edeka und Kaiser´s setzten weiterhin auf Bisphenole
Weit problematischer ist nach Ansicht der Umweltschutzorganisation jedoch, dass „die Kassenzettel einzelner Unternehmen wie Edeka und Kaiser´s weiterhin Bisphenole enthalten“. Zumal sich die Substanzen als Farbentwickler an der Oberfläche des Thermopapiers befinden und bei Kontakt leicht löslich sind. Ein bis zwei Prozent des Gewichts der Kassenbons werde durch die Bisphenole gebildet, diese könnten beim Anfassen über die Haut ins Blut gelangen, warnte Greenpeace. Beispielsweise habe die „schwedische Chemikalienbehörde KEMI kürzlich die Bisphenol-A-Exposition durch Thermopapiere berechnet und die Gefahr einer Schädigung Ungeborener als nicht angemessen beherrschbar eingestuft“, so die Mitteilung der Umweltschutzorganisation. Die KEMI plädierte für ein vorsorgliches Bisphenol-Verbot in Kassenbons, da sich die hormonelle Wirkung bereits „bei sehr geringen Dosen“ zeige. Auch die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat derweil eine neue Risikobewertung für die Bisphenole angekündigt und das Umweltbundesamt will ebenfalls prüfen, „ob das Risiko für Mensch und Umwelt möglicherweise unterschätzt wird“, berichtet Greenpeace.

Kassenbons gehören nicht in Kinderhände
Laut Mitteilung der Umweltschutzorganisation gehören Kassenbons aufgrund der möglichen Aufnahme von Bisphenolen keinesfalls in Kinderhände. Auch sollten sie generell nur kurz angefasst und möglichst im Restmüll entsorgt werden, um einen Eintrag in den Recyclingkreislauf zu vermeiden, berichtet Greenpeace. Da die Bisphenole jedoch auch in zahlreichen Kunststoffprodukten als Weichmacher enthalten sind, scheint eine weitreichendere Regelung des Gesetzgebers dringend erforderlich, um möglicher Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung zu vermeiden. Auch die Ersatzstoffe sollten einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. (fp)