Welche Krankenversicherung tatsächlich passt

Fabian Peters

PKV Unisex-Tarife bei Versicherungswahl berücksichtigen

14.02.2012

Aufgrund der rasanten Veränderungen des Krankenversicherungssystems innerhalb des vergangenen Jahres, stellt sich derzeit vielen Versicherte die Frage, ob vom Grundsatz eher eine privat oder eine gesetzlich Krankenversicherung für sie geeignet ist. Geschlechtsspezifische Unterschiede werden hier in Zukunft jedoch voraussichtlich keine Rolle mehr spielen, denn ab Dezember 2012 sollen auch in der PKV die sogenannten Unisex-Tarife gelten. Die bisherige Differenzierung der Beiträge nach Männern und Frauen fällt von da an weg.

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Bei der Wahl der Krankenversicherung sind einige wesentliche Gesichtspunkte zu berücksichtigten, die erheblichen Einfluss darauf haben können, ob eher die private Krankenversicherung (PKV) oder eher die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu empfehlen ist. So zahlen die Versicherten in jungen Jahren, bei guter Gesundheit und hohem Einkommen möglicherweise in der GKV höhere Beiträge und erhalten dafür weniger Leistungen als in der PKV. Über den gesamten Lebensverlauf betrachtet, kann die PKV jedoch für viele Versicherte schnell zu einer Kostenfalle werden, da die Beiträge mit dem Alter meist massiv steigen. Können Versicherte ihren PKV-Beitrag nicht mehr zahlen, droht der sogenannte Basistarif, in dem die Absicherung meist schlechter ausfällt als bei der GKV.

Bessere Leistungen in der privaten Krankenversicherung
Da eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung im Normalfall ausgeschlossen ist, sollten sich Versicherte den Wechsel in die PKV gut überlegen. Zwar wurden die Voraussetzungen, unter denen Versicherte in die PKV wechseln können, vom Gesetzgeber deutlich erleichtert, so dass die Entscheidung heute wesentlich mehr Menschen offen steht, als noch vor gut einem Jahr. Doch nicht immer ist ein solcher Wechsel auch für die Versicherten die sinnvollste Variante. Denn die PKV liegt insgesamt zwar bei ihren Versorgungsleistungen deutlich vor der GKV, doch demgegenüber stehen massiv steigende Beiträge im Zuge des Lebensverlaufs. Auch haben gesetzlich Versicherte grundsätzlich die Möglichkeit bei den Privatversicherungen eine Zusatzversicherung abzuschließen, um auch als GKV-Mitglied in den Genuss umfassenderer Versorgungsleistungen zu gelangen. Allerdings verursachen diese Zusatzversicherungen dann auch entsprechende Kosten. Die Privatpatienten stellen sich ihr Versicherungspaket individuell zusammen, so dass dies ohnehin relativ genau auf ihre Bedürfnisse angepasst werden kann. Das Leistungsniveau ist dabei in der Regel deutlich höher als bei der GKV. Der Basistarif, welcher mit der Versicherungspflicht im Jahr 2009 unter der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eingeführt wurde, um den Versicherungsschutz der Privatversicherten zu gewährleisten, bildet hier jedoch die Ausnahme. Dieser Tarif orientiert sich an den Leistungsvorgaben der GKV, bleibt allerdings in der Praxis an einigen Stellen sogar hinter diesen zurück. Der Basistarif wurde für sämtlichen Privatpatienten eingerichtet, die den Beitragserhöhungen in der PKV auf Dauer nicht gewachsen sind, jedoch nicht in die GKV zurückkehren können.

Unterschiedliche Kosten und Entwicklung der Beiträge
In Bezug auf die Kosten beziehungsweise die Beitragshöhe, liegen die Vorteile vor allem in jungen Jahren, bei hohem Einkommen und guter Gesundheit eher bei der PKV. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Beitragssatz in der GKV – nach dem Prinzip der Solidarität – mit steigendem Einkommen ebenfalls steigt, bis zu einem Maximalwert von knapp 600 Euro. In der PKV richten sich die Beiträge hingegen nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Versicherungsrisiko, dass sich aus Faktoren wie dem Alter oder der Gesundheit der Versicherten ableiten lässt. Die Beiträge sind daher in jungen Jahren bei guter Gesundheit besonders niedrig und entsprechend attraktiv erscheint der Wechsel. Doch mit zunehmendem Alter und individuellem Erkrankungsrisiko steigen auch die Prämien in der PKV. So haben laut Medienberichten einige privaten Krankenversicherungen zum Jahresbeginn ihre Beiträge um bis zu 40 Prozent erhöht. Die Beiträge erreichen dabei im Lebensverlauf häufig weit höhere Sätze als die rund 600 Euro Höchstsatz der GKV. Da sich die Privatversicherungen des Problems der im Alter massiv steigenden Beiträge durchaus bewusst sind, bieten einige von ihnen die Möglichkeit, Altersrückstellungen zu bilden, um die Beitragssätze auch im Alter möglichst konstant zu halten. Die Beiträge in der GKV bleiben indes ohnehin im Zuge des Lebens meist relativ konstant beziehungsweise sinken teilweise sogar aufgrund von Rückgängen des Einkommens. Lediglich vom Gesetzgeber beschlossene Änderungen zur Erhebung der GKV-Beiträge könnten hier unter Umständen einen deutlichen Anstieg bewirken, doch derzeit scheint eine weitere Anpassung hier außer Frage. Zumal der Beitragssatz für Arbeitnehmer erst im vergangenen Jahr von 14,9 auf 15,5 Prozent angehoben wurde

Unisex-Tarife unterbinden geschlechtsspezifische Differenzierung
Ein wesentlicher Aspekt bei der Ableitung der Beitragssätze in der PKV war bisher stets das Geschlecht der Versicherten. Doch ab Dezember 2012 wird dieses Kriterium auf die Höhe der PKV-Tarife keinen Einfluss mehr haben. Denn aufgrund der EU-Gleichstellungsrichtlinien aus dem Jahr 2004 werden ab dem 21. Dezember sogenannte Unisex-Tarife eingeführt, die keine geschlechtliche Differenzierung mehr erlauben. Für Frauen werden sich demnach die Beiträge vermutlich leicht verringern, während Männer ab Ende Dezember deutlich mehr zahlen müssen. Ausgenommen sind Verträge, die aktuell schon bestehen oder bis zum Stichtag abgeschlossen werden. Ein Wechsel in die PKV könnte sich demnach derzeit für Männern möglicherweise noch ein Stück mehr lohnen, während Frauen eher bis zum Dezember abwarten sollten. Bisher mussten Frauen höher Prämien in der PKV zahlen, da sie eine statistisch höhere Lebenserwartung aufweisen, wesentlich mehr Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, bei Erkrankungen häufiger einen Arzt aufsuchen als Männer und im Falle einer Schwangerschaften erhebliche Kosten verursachen.

Familienplanung bei der Versicherungswahl berücksichtigen
Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der richtigen Krankenversicherung ist generell die individuelle Familienplanung. Denn in der PKV muss jedes Familienmitglied einzeln abgesichert werden, während in der GKV die Möglichkeit einer Familienversicherung besteht. Werden Kinder mitversichert, ist die gesetzliche Krankenversicherung aufgrund der kostenlosen Familienversicherung meist deutlich günstiger als die PKV. Zwar bieten auch diese kostenreduzierte Tarife für Heranwachsende an, doch mit dem Angebot der GKV können die Privaten an dieser Stelle nicht konkurrieren. Kinderlose Familien und Singles können diesen Gesichtspunkt zwar getrost ignorieren, doch alle Versicherte, die eine Familie planen, sollten die Vorteile einer kostenlosen Familienversicherung bei der GKV keineswegs außer Acht lassen.

Unterschiedliche Abrechnung der Behandlungskosten
Letztendlich spielt außerdem auch die Art und Weise der Bezahlung für viele Versicherte eine wesentliche Rolle bei der Versicherungswahl. Denn in der PKV müssen die Patienten ihre benötigten Leistungen zunächst selbst begleichen beziehungsweise erhalten die Rechnung hierfür und reichen die später bei ihrer Krankenversicherung ein. Während bei den gesetzlich Versicherten die Abwicklung der anfallenden Behandlungskosten direkt von der Versicherung übernommen wird. Die gesetzlich Versicherten müssen hier nicht in Vorleistung treten, was bei persönlichen Liquiditätsengpässen deutliche Vorteile mit sich bringen kann.

Erleichterter Wechsel in die PKV
Ein Wechsel in die PKV ist seit Jahresbeginn 2012 für Beschäftigte und Arbeitnehmer ab einem einmaligen Jahreseinkommen von 50.850,- Euro möglich. Studenten, Beamte, Selbstständige und Freiberufler haben grundsätzlich freie Wahl bei ihrer Krankenversicherung. Doch wer sich einmal für den Wechsel in die PKV entschieden hat, kann im Normalfall nicht mehr in die GKV zurück. So ist die Wahl der Versicherung mitunter eine Entscheidung fürs ganze Leben – eine gründliche Abwägung der Vor- und Nachteil daher dringend geboten. (fp)