Welt-Aids-Tag: Mehr Solidarität gefordert

Heilpraxisnet

Welt-Aids-Tag: Kampagne für mehr Solidarität am Arbeitsplatz gestartet

Am 01. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Jährlich nutzen die Initiatoren diesen Tag, um auf die speziellen Problem der Erkrankung bzw. der Betroffenen aufmerksam zu machen. Dieses Jahr steht dabei die Solidarität am Arbeitsplatz im Mittelpunkt der begleitenden Kampagnen.

Zwei Drittel der HIV-Infizierten gehen einer regulären Arbeit nach
Bereits am Montag startete im Vorfeld des diesjährigen Welt-Aids-Tages die Kampagne „Positiv zusammen leben – aber sicher!“, die zur Solidarität mit HIV-Infizierten am Arbeitsplatz aufruft. Die Kampagne soll alle Bürger dazu ermutigen, offen über die Krankheit zu sprechen, betonte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zum Start der Aktion in Berlin. Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen Aids-Hilfe, ergänzte in diesem Zusammenhang, dass heute zwei Drittel aller HIV-Infizierten einer Arbeit nachgehen. „Dabei zeigt unsere Erfahrung, dass HIV-Positive im Schnitt genauso leistungsfähig sind wie ihre Kolleginnen und Kollegen“, erklärte Klumb. Einer von rund 1.000 Erwerbstätige ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministerium in Deutschland mit HIV infiziert. Die jetzige Kampagne befasst sich explizit mit der Situation der Betroffenen am Arbeitsplatz, um sicherzustellen, dass die HIV-Infizierten auch auf der Arbeit ohne Angst vor Mobbing oder gar Entlassung über ihre Infizierung sprechen können. Denn viele der Betroffenen reden aus Angst vor Diskriminierung nicht mit ihren Kollegen oder Freunden über ihre Diagnose.

Toleranz und Solidarität mit HIV-Infizierten
Die offenen Kommunikation sei jedoch nicht nur für die Betroffenen wichtig, sondern trägt nach Ansicht des Bundesgesundheitsministers auch dazu bei, dass Deutschland eine der niedrigsten Raten an Neuinfektionen in Europa aufweisen kann. Dabei ist die aktuelle Kampagne für einen Zeitraum von mehreren Jahren ausgelegt und wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), dem Bundesgesundheitsministerium, der Deutschen Aids-Hilfe und der Deutschen Aids-Stiftung gemeinsam getragen.

Mehr zum Thema:

Die jetzige Kampagne sei in ihrer Form weltweit einmalig, betonte Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler am Montag anlässlich des Starts der Aktion. Silke Klumb rief die Unternehmen dazu auf, sich zahlreich zu beteiligen und mit klaren Regelungen und der Vorbildfunktion ihres Managements der Diskriminierung von Menschen mit HIV/AIDS auch am Arbeitsplatz entgegen zu treten. Die BZgA-Direktorin Elisabeth Pott ergänzte, dass es selbstverständlich sei, dass in einer demokratischen Gesellschaft Aids-Erkrankte in allen Lebensbereichen miteinbezogen werden. Die von den meisten Bürgern in Umfragen geäußerte Toleranz und Solidarität, gelte es auch aktiv im Alltag unter Beweis zu stellen.

Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern
So ist einer der wesentlichen Aspekt für berufstätige HIV-Infizierter der Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag nach der Diagnose. Hier appellierte Ulrich Heide von der Deutschen Aids-Stiftung an die Unternehmen, um den Infizierten den Wiedereinstieg nach der Diagnose zu erleichtern. Insbesondere älteren HIV-Infizierte, bei denen zum Diagnosezeitpunkt noch keine Therapiemöglichkeiten zur Verfügung standen, waren oft längere Zeit nicht arbeitsfähig und hatten Probleme beim Wiedereinstieg, was mit entsprechenden finanziellen Engpässen einher ging. Zudem sind nach Ansicht Ulrich Heides heute auch infizierte Mütter besonders von Diskriminierungen betroffen, spätestens wenn andere Eltern in der Kindertagesstätte von ihrer Erkrankung erfahren.

Erfahrungsberichte HIV-Infizierter
Ein wesentlicher Ansatz der Kampagne sind die Erfahrungsberichte Betroffener, in den offen und authentisch über die Erlebnisse im Beruf und im Freundeskreis berichtet wird. So sollen andere HIV-Infizierte ermutigt werden, sich nicht länger zu verstecken und die Akzeptanz der Gesellschaft einzufordern, betonte die BZgA-Direktorin Elisabeth Pott. So äußerte sich zum Beispiel der 41-jährige Banker Dirk, der kurz nach seiner Diagnose auf der Arbeit mit Vorgesetzten und Kollegen offen über seine Erkrankung sprach: „HIV ist unter uns, HIV lebt, HIV arbeitet, HIV liegt nicht im Bett und stirbt“.

3.000 Neuinfektionen mit HIV jährlich
Denn auch wenn Deutschland zu den Ländern mit der niedrigsten Zahl der Neuinfektionen zählt, infizierten sich bundesweit etwa 3.000 Menschen pro Jahr mit HIV. Und „wir benötigen die Solidarität und Aufmerksamkeit aller, damit es uns gemeinsam gelingen kann, die Zahl der Neuinfektionen in Zukunft (weiter) zu senken“ betonte der Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler. Derzeit leiden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums etwa 67.000 deutschlandweit an HIV. Dabei sei Aids keine lebensbedrohliche, sondern inzwischen eine chronische Krankheit, erklärte Rösler. Im Rahmen der jetzigen Kampagne zum Welt-Aids-Tag engagieren sich auch einige Prominente „Botschafter“ wie Ross Antony, Vera Int Veen und Collien Fernandes für solidarisches Verhalten mit den Betroffenen und ein erhöhtes Präventionsbewusstsein. (fp, 02.11.2010)