Welt-Diabetes-Tag: Leben mit der Zuckerkrankheit

Fabian Peters

Welt-Diabetes-Tag: Experten informieren über die Zuckerkrankheit

14.11.2012

Die Zahl der Diabetes-Patienten ist deutschlandweit in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ungesunde Ernährung mit zu viel Zucker und Fett, Bewegungsmangel und entsprechendes Übergewicht gelten dabei als wesentliche Ursachen. Weltweit sind nach Schätzung der Diabetes-Zentrale e.V. rund 375 Millionen Menschen betroffen und jede Minute kommen circa 20 weitere hinzu. Anlässlich des heutigen Welt-Diabetes-Tages informieren Experten in ganz Deutschland über die Krankheit Diabetes mellitus.

Nach Einschätzung des Diabetologen Stephan Martin von der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS) ist die Ausbreitung der Volkskrankheit Diabetes kurzfristig kaum in den Griff zu bekommen. „Das wird eher mehr, wenn man bedenkt, wie viele Kinder heute mit Fastfood und wenig Bewegung aufwachsen“, betonte der Experte gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Für die Betroffenen erfolge die Diagnose oftmals völlig überraschend, da die Zuckerkrankheit sich zunächst über Jahre ohne erkennbare Symptome entwickelt, erläuterte der Diabetologe und ergänzte: „Wenn Zucker wehtun würde, wäre das kein so großes Problem.“ Denn bei offenkundigen Symptomen wären die Patienten sicher frühzeitig dazu bereit, ihren Lebensstil und und ihre Ernährung so umzustellen, dass sich die Krankheit nicht weiter manifestieren kann.

Deutliche Zunahme bei den Diabetes-Erkrankungen
Der Anstieg bei den Diabetes-Erkrankungen geht im Wesentlichen auf eine Zunahme bei der Typ 2 Diabetes zurück, welche früher auch als Altersdiabetes bezeichnet wurde. Diabetes Typ 2 entwickelt sich im Laufe des Lebens, wobei neben der genetischen Veranlagung die Ernährung und der Lebensstil eine wesentliche Rolle spielen. Bei Übergewicht steigt das Risiko einer Erkrankung massiv. Zwar schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Anzahl der Betroffenen etwas geringer ein als die Diabetes-Zentrale, doch auch aus den WHO-Zahlen geht hervor, wie weitreichend das Problem der Zuckerkrankheit mittlerweile ist. 346 Millionen Diabetiker schätzt die WHO derzeit weltweit und in Deutschland sind den Angaben der Experten zufolge zwischen acht und zehn Millionen Menschen betroffen. Für die Patienten ist die Diagnose oftmals ein Schock, nicht zuletzt weil sie in der Regel ihren Lebenswandel grundlegend neu gestalten müssen.

Diabetes macht eine Umstellung des Lebensstils und der Ernährung erforderlich
Der Diabetologen Stephan Martin von der Deutschen Diabetes-Stiftung erläuterte, dass die Diabetes-Patienten nicht nur Tabletten oder Insulinspritzen erhalten, sondern auch ihren Alltag umstrukturieren müssen. Eine entsprechend angepasste Ernährung und mehr Bewegung seien den Diabetikern dringend zu empfehlen. „Auch viele kleine Schritte sind sehr erfolgreich“, betonte der Experte und ergänzte: „Wenn Diabetiker abends Sport machen, ist morgens der Blutzucker besser.“ Zudem bieten sich bei der Ernährung zu vielen Lebensmitteln gesündere Alternativen, so der Diabetologe weiter. Martin rät hier zum Beispiel zu Olivenöl statt tierischen Fetten und zu Vollkornmehl statt weißem Mehl. „Beim Gemüse unterliegen die Diabetiker keinen Einschränkungen, dies „kann man essen, soviel man will“, erklärte der Fachmann. Bei den Obstsorten gelte dies hingegen nicht. Beispielsweise seien Trauben mit ihrer große Mengen Fruchtzucker weniger geeignet. Generell rät Martin den Betroffenen zum selber Kochen, da so die Zutaten am besten überblickt werden können.

Dunkle Schokolade für Diabetiker geeignet
Wurde Diabetes diagnostiziert, erfordert dies zwar in der Regel eine grundsätzliche Umstellung der Ernährung, doch die Betroffenen müssen keineswegs auf alles liebgewonnene Naschwerk verzichten. Beispielsweise sind Eis und Kuchen in speziellen Ausführungen für Diabetiker verfügbar und auch bei normalen Süßigkeiten müssen sich die Erkrankten nicht generell im Verzicht üben. Wie der Diabetologe Stephan Martin erklärte, ist zum Beispiel „bittere Schokolade hervorragend“ für Diabetiker geeignet. Allerdings sollten Diabetiker „natürlich keine ganze Tafel“ verzehren. Wichtig ist laut Aussage des Experten, dass sich die Patienten mit ihrer Ernährung auch wohlfühlen, denn ansonsten können sie die gesunde Lebensweise nicht auf Dauer durchhalten. „Eine Tablette einwerfen, das ist einfach, aber eine Lebensumstellung ist das Härteste, was man sich vorstellen kann“, betonte der Diabetologe.

Chefkoch gibt Ernährungstipps für Diabetiker
Welche kulinarischen Möglichkeiten den Diabetikern offen stehen, um die Ernährungsumstellung zu erleichtern, erläuterte Sven Büttner, Chefkoch des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten. So sei im Herbst zum Beispiel eine Kürbissuppe mit Ingwer, Fisch mit Paprikasoße und zum Nachtisch Obst zu empfehlen. Dabei werden die Suppenzutaten in möglichst wenig Fett angeschwitzt und der Fisch erhalte keine Panade, sondern werde stattdessen in einem leichten Weißweinsud gegart. Dem Chefkoch zufolge können Diabetiker „ganz normal kochen“, wenn sie auf gewisse Sachen achten und Rücksicht nehmen. Wichtig sei bei dem genannten Menü zum Beispiel, dass die Kürbissuppe nicht mit Sahne verfeinert wird, denn diese sei „mit vierzig Prozent Fett schon ein bisschen heftig.“ Alternativ könne die Suppe mit Kürbiskernöl gekrönt werden. Am Ende bleiben den Diabetikern laut Aussage der Experten trotz ihrer Krankheit zahlreiche schmackhafte Optionen, sie müssen nur ein wenig genauer auf die Auswahl der Zutaten achten. (fp)

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