Wenig Chancen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Sebastian

Der Appel-Begründer Steve Jobs starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs

06.10.2011

Seit fast sieben Jahren litt der Apple Begründer Steve Jobs an Bauchspeicheldrüsenkrebs (medizinisch: Pankreastumor). Patienten, die an der selten Krebserkrankung leiden, haben kaum Chancen auf eine vollständige Genesung. Die Fünf-Jahres-Überlebenschance nach einer Erstdiagnose beträgt bei Männern weniger als sechs und bei Frauen nur acht Prozent. Die geringen Prognoseaussichten sind vor allem aufgrund der meist zu späten Diagnosestellung geschuldet. Denn im Anfangsstadium verläuft Bauchspeicheldrüsenkrebs beinahe Beschwerdelos für die Betroffenen.

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Kaum Überlebenschancen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Steve Jobs konnte trotz seines Milliardenimperiums keine Heilung erreichen. Das zeigt, wie schwerwiegend diese bösartige Tumorerkrankung ist. „Bauchspeicheldrüsenkrebs ist der Tumor mit der schlechtesten Prognose“, sagt Jörg Kleeff, stellvertretender Direktor der Chirurgischen Klinik am Klinikum Rechts der Isar in München gegenüber dem Magazin Focus. Glücklicherweise ist Bauchspeicheldrüsenkrebs weltweit eine im Verhältnis zu anderen Krebsleiden eine seltenen auftretende Krebserkrankung. Rund drei Prozent aller in Deutschland diagnostizierten Krebserkrankungen sind Pankreastumore. Bauchspeicheldrüsenkrebs entsteht meist in dem Teil der Bauchspeicheldrüse, der für die Produktion von Enzymen verantwortlich ist. In der medizinischen Fachwelt wird diese Region auch exokriner Teil genannt. Die meisten Patienten sind zwischen 60 und 70 Jahre alt. Aber es gibt auch jüngere Menschen, die an dem schweren Krebsleiden erkranken. Hier tritt die Krankheit meist spontan auf. Die Überlebenschancen sind trotz aufwendiger Therapiemaßnahmen sehr gering. Gerade einmal fünf Prozent der Betroffenen überleben fünf Jahre nach Stellung der Diagnose (Fünf-Jahres-Überlebenschancen). In Deutschland erkranken nach letzten Erhebungen jährlich rund 12.800 Personen am Pankreaskarzinom. Die meisten versterben nach gut ein halbes Jahr nach der Diagnose.

Der Apple-Gründer selbst litt an einer sehr speziellen Art des Krebsleidens. Jobs trug einen neuroendokrinen Tumor in sich, bei dem im Pankreasgewebe die endokrinen Drüsenzellen betroffen sind. Die Drüsenzellen in dem Organ sind neben weiteren Aufgaben für die Bildung des Drüsensekrets verantwortlich. Diese Form des Bauchspeicheldrüsenkrebs ist weniger aggressiv und schreitet nur langsam voran. Die Sterblichkeitsrate ist hier etwas höher, als bei den anderen Arten. Immerhin leben rund 20 Prozent der behandelten Patienten fünf Jahre später noch. Zu ihnen gehörte auch Jobs, dem durch seinen finanziellen Erfolg die bestmögliche Therapie zu teil wurde.

Ursachen für Bauchspeicheldrüsenkrebs noch immer unklar
Trotz zahlreicher Forschungsarbeiten ist die genaue Ursache für die Entstehung weitestgehend noch ungeklärt. Neuere wissenschaftliche Arbeiten weisen daraufhin, dass die ersten Zell-Mutationen häufig 20 Jahre vor dem tatsächlichen Auftreten der Erkrankung stattfinden. Nach Meinung britischer Forscher ist es daher nicht verwunderlich, dass die Überlebensrate sich in den letzten 40 Jahren kaum gebessert hat. Bei Zeitpunkt der Diagnose tritt Bauchspeicheldrüsenkrebs äußerst aggressiv auf und eine Behandlung ist dann kaum mehr möglich.

Neben genetischen Dispositionen können Alkoholhabitus, langjähriges Rauchen, starkes Übergewicht, Diabetes, zystische Veränderungen und chemische Schadstoffe die Entstehung des Krebsleidens stark begünstigen. Wie bei den anderen Krebsarten der Verdauungsorgane gilt auch hier, dass ständige Reizungen, wie eine lang anhaltende Bauchspeicheldrüsenentzündung vermehrt zu einer Entartung von körpereigenen Zellen führt. Die genetische Disposition wird in Fachkreisen mittlerweile als Hauptursache angesehen.

Bei etwa 10 Prozent der Krebspatienten kann bei einer rechtzeitigen Diagnose mit Hilfe eines medizinischen Eingriffs der Tumor durch eine operative Entfernung beseitigt werden. Und selbst nach einer Operation ist die Wiedererkrankungsrate nicht ausgeschlossen. In den meisten Fällen aber wird aufgrund der fehlenden Symptome im Anfangsstadium der Krebs zu spät erkannt. Treten erste Beschwerden auf, hat der Krebs meist Metastasen gebildet und ist auf anliegende Organe übergesprungen. In zahlreichen Fällen haben sich bei Diagnosestellung bereits sogenannte Tochtergeschwulste in der Lunge, Leber und in den Knochen gebildet. Bei Steve Jobs musste bereits die Leber mit Hilfe der Transplantationsmedizin ausgetauscht werden. Das brachte Jobs noch einige weitere Jahre Leben.

Um die Lebenserwartung der Patienten etwas zu verlängern, werden im fortgeschrittenem Stadium Strahlen- und Chemotherapien eingesetzt. Das Hauptziel der Ärzte heißt in diesem Krebsstadium, das Leiden zu mildern und die Lebensqualität zu verbessern. Auch der verstorbene Apple-Begründer unterzog sich zahlreichen Krebstherapien. Trotz seines Milliardenvermögens konnte die Krebskrankheit nicht gestoppt werden.

Beschwerden zeigen sich erst im späten Krankheitsstadium
Die klassischen Beschwerdebilder wie Gelbsucht, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Untergewicht, Übelkeit und Erbrechen sowie ein mögliches Druckgefühl im Oberbauch treten erst dann auf, wenn aus schulmedizinischer Sicht kaum mehr Behandlungserfolge erzielt werden können. Die Schmerzen können allerdings auf eine Vielzahl von anderen Erkrankungen hinweisen. Die Symptome treten nämlich erst dann auf, wenn der Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits auf benachbarte Organe wie Magen, Darm oder Magen übergesprungen ist. Diese Tumore sind dann für die genannten Beschwerden verantwortlich. Der Bauchspeicheldrüsenkrebs selbst verursacht für den Betroffenen nahezu keine spürbaren Symptomatiken.

Wie kann vorgebeugt werden?
Vermutet wird, dass ein genetischer Zusammenhang bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht. Das bedeutet, dass ein potenziell höheres Risiko existiert, wenn die Krebskrankheit bereits familiär aufgetreten war. Generell kann aber gesagt werden, dass ein gesunder Lebensstil dazu beiträgt, das Krebsrisiko zu senken. Dazu gehört insbesondere eine Gemüse- und Obstreiche Kost, moderate aber regelmäßige aktive Bewegung und das größtmögliche Vermeiden der Zufuhr von Schadstoffen.

Obwohl der Computergenie immer gesund lebte und die meisten Gesundheitshinweise stets beherzigte, erkrankte auch er an der heimtückischen Krankheit. „Niemand will sterben. Selbst Menschen, die in den Himmel möchten, wollen nicht sterben, um dahin zu kommen. Und doch ist der Tod das Ziel, dass wir alle gemein haben. Und so soll es auch sein, denn der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens. Er bewirkt den Wandel. Er entrümpelt das Alte, um Platz zu machen für das Neue“, sagte Steve Jobs im Jahre 2005 bei einem Gastvortrag an der kalifornischen Elite-Universität Stanford. Das war genau ein Jahr später, nachdem bei Jobs die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs gestellt wurde. (sb)