Weniger Langzeitfolgen bei Patienten mit Ehec

Astrid Goldmayer

Zwei Jahre nach Ehec gehen Langzeitfolgen bei Patienten zurück

03.10.2013

Nachdem im Jahr 2011 eine Ehec-Epidemie Deutschland in Angst und Schrecken versetzte, leiden einige Patienten noch immer an Langzeitfolgen der Infektion. Eine Untersuchung von Betroffenen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigte, dass die Zahl der Menschen mit Langzeitschäden jedoch rückläufig ist.

Schwere Verlaufsform von Ehec kann zu Nierenversagen führen
Zu der Untersuchung im UKE wurden insgesamt 120 Patienten eingeladen, bei denen die besonders schwere Verlaufsform von Ehec, das hämolytisch-urämische Syndrom (Hus), diagnostiziert wurde. 73 von ihnen erschienen. Dabei zeigte sich, dass nur noch sechs Prozent der untersuchten Patienten einen erhöhten Kreatininwert im Blut aufwiesen. Der Wert gibt Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der Niere. Bei der Untersuchung im vergangenen Jahr war dieser Wert noch bei 14 Prozent der Betroffenen erhöht. Nach der Entlassung der Patienten im Jahr 2011 seien es sogar 59 Prozent gewesen, erklärte Nierenspezialist Professor Rolf Stahl vom UKE gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. „Es ist eine sehr erfreuliche Veränderung“, kommentierte der Mediziner das Untersuchungsergebnis. Dennoch seien diese Zahlen lediglich eine Tendenz zur Verbesserung. „Es ist noch keine Langzeitbeobachtung, dafür sollten wir die Daten aus fünf Jahren abwarten“, erläuterte Stahl.

Ein weiterer Teil der Untersuchung bestand in einer Überprüfung des Eiweißgehalts im Urin der Patienten. Der Wert kann einen Hinweis auf eine Nierenschädigung geben. Während 2011 noch 85 Prozent der Betroffenen einen erhöhten Eiweißgehalt im Urin aufwiesen, waren es in diesem Jahr nur noch 25 Prozent. „Die Werte im Urin sind aber nur noch sehr niedrig“, berichtete Stahl. Mittlerweile benötigen nur noch 15 Prozent der Patienten Hochdruck-Medikamente. 2011 betraf das noch 40 Prozent. Dennoch warnte der Nierenspezialist vor zu großer Euphorie. Es müsse die weitere Entwicklung abgewartet werden.

Behörden analysieren Ehec-Ausbruch im Jahr 2011
Wie Stahl weiter erklärte, solle ein Teil der Ergebnisse des UKE in eine durch das Bundesgesundheitsministerium geförderte „Analyse des Ehec/Hus-Ausbruchs im Mai/Juni 2011“ fließen. Die Auswertung entsteht in Kooperation von UKE, den Unikliniken Hannover, Kiel und Lübeck sowie dem Robert Koch-Institut (RKI). Demnach soll eine möglichst umfassende Datenbank mit allen im Jahr 2011 an Ehec erkrankten Patienten erstellt werden.

2011 starben 53 Menschen beim größten Ehec-Ausbruch in Deutschland – meist an Nierenversagen. Eine Ehec-Infektion macht sich vor allem durch wässrigen, blutigen durchfallartigen Stuhlgang begleitet von starke krampfartigen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Fieber Bemerkbar. Zudem können eine Vielzahl weiterer Symptome wie unter anderem Nierenschmerzen, erhöhte Leberwerte und Harnvergiftungen (Urämien) auftreten. Bei der besonders schweren Verlaufsform Hus kann es zum akuten Nierenversagen kommen, einer lebensbedrohlichen Folge der Ehec-Infektion.

Lange Zeit war die Herkunft der Ehec-Bakterien (Enterohämorrhagischen Escherichia coli) unbekannt. Mittlerweile wurden Bockshornklee-Samen aus Ägypten als Quelle identifiziert. (ag)

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Bild: Markus Wegner / pixelio.de