Weniger Lungenkrebs-Tote durch Passivrauchen

Alfred Domke
Lungenkrebs: Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen gesunken
Rauchen gefährdet nicht nur die eigene, sondern auch die Gesundheit von Mitmenschen. Jedes Jahr sterben Hunderte Bundesbürger durch den Qualm, obwohl sie selbst nicht rauchen. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass die Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen gesunken ist.

Rauchen gefährdet auch die Mitmenschen
Rauchen schadet nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern ist auch für andere gefährlich. Laut älteren internationalen Datenerhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tötet Passivrauchen jährlich 600.000 Menschen. Untersuchungen zeigten, dass durch den passiven Qualm vor allem Herzerkrankungen wie Herzinfarkt, Atemwegserkrankungen wie Asthma und Lungenkrebs verursacht werden können. In Deutschland ist die Zahl der Todesfälle durch Lungenkrebs wegen Passivrauchens in den letzten 20 Jahren allerdings deutlich gesunken.

Die Zahl der auf Passivrauchen zurückzuführenden Todesfälle an Lungenkrebs ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken. Experten führen den Rückgang auf einen verbesserten Nichtraucherschutz zurück. (Bild: Kitty/fotolia.com)

Weniger Lungenkrebs-Todesfälle durch Passivrauchen
Passivraucher haben genau wie Raucher ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Doch die Zahl der auf Passivrauchen zurückzuführenden Todesfälle an Lungenkrebs ist in den vergangenen 20 Jahren trotz einer allgemein alternden Bevölkerung gesunken.

Das haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer Studie ermittelt, die sie im Fachmagazin „International Journal of Public Health“ veröffentlicht haben.

Als Vergleich wurde eine Studie herangezogen, die der UKE-Studienleiter Prof. Dr. Heiko Becher bereits 1994 mit den damals aktuellen Zahlen zu diesem Thema durchgeführt hatte, heißt es in einer Mitteilung.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Rückgang auf den seitdem gestiegenen Schutz der Nichtraucher zurückzuführen ist.

Beim Nichtraucherschutz könnte noch mehr gemacht werden
Durch einen verbesserten Nichtraucherschutz werden zahlreiche Todesfälle verhindert. Allerdings könnte Deutschland hier noch wesentlich mehr tun.

„Bei der Tabakkontrolle liegen wir auf einem der letzten Plätze in Europa“, erklärte Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) in einer Mitteilung.

„Zudem wird in Deutschland vergleichsweise wenig für eine effektive Tabakprävention getan. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt, das darf nicht sein“, so der Experte.

Immer wieder wird von Experten ein Tabak-Werbeverbot gefordert. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist Deutschland noch immer ein Paradies für Raucher.

Zahl der Lungenkrebstodesfälle durch Passivrauchen mehr als halbiert
Dem UKE zufolge sind im Jahr 2012 rund 47.000 Menschen an Lungenkrebs gestorben. Darunter waren etwa 41.000 Raucher und damit rund 6.000 Nichtraucher.

Basierend auf diesen Zahlen haben die Wissenschaftler errechnet, dass 7,6 Prozent der männlichen und 4,7 Prozent der weiblichen Lungenkrebstodesfälle bei den Nichtrauchern auf Passivrauch zurückzuführen sind.

„Nach unseren Schätzungen sind pro Jahr 167 Lungenkrebstodesfälle auf Passivrauchen zurückzuführen. Diese Zahl ist im Vergleich zum Jahr 1994 deutlich gesunken, damals waren es 400“, so Prof. Dr. Heiko Becher.

Der Studienleiter erklärte weiter: „Trotz der Alterung der Bevölkerung und einem daraus folgenden Anstieg der Krebstodesfälle insgesamt sind damit deutlich weniger Todesfälle an Lungenkrebs durch Passivrauchen als vor 20 Jahren zu beklagen. Dieser positive Trend sollte durch weitere Maßnahmen im Bereich des Nichtraucherschutzes gestärkt werden.“

Insgesamt waren im Jahr 2012 ein Viertel der nichtrauchenden Frauen und etwa 40 Prozent der nichtrauchenden Männer Passivrauch ausgesetzt.

1994, als in Deutschland zuletzt eine Risikobewertung von Passivrauchen durchgeführt wurde, waren noch etwa 60 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen passivrauchexponiert, das heißt, sie waren durch den rauchenden Partner, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit Zigarettenrauch ausgesetzt. (ad)