Wenn die Achillessehne schwach wird

Astrid Goldmayer

Verletzungen und Beschwerden an der Achillessehne vorbeugen

17.07.2013

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne im menschlichen Körper. Vor allem beim kraftvollen Abstoßen des Fußes vom Boden wie beim Laufen und Springen ist sie starker Beanspruchung ausgesetzt. Schmerzen an der Achillessehne treten typischerweise bei Lauf-, Sprung- und Ballsportarten auf, weil es dabei dauerhaft zu großer Belastung kommt. Viele Sportler leiden an Reizungen und Entzündungen der Achillessehne. Manchmal reißt die Sehne und zwingt den Betroffenen zu einer längeren Pause. Sportmediziner geben jedoch Entwarnung: Nur sehr selten bedeutet ein Achillessehnenriss das Ende einer Sportlerkarriere, denn die Behandlungsmöglichkeiten sind heute sehr gut.

Achillessehne ist sehr starker Beanspruchung ausgesetzt
Ob Läufer, Tennisspieler oder Fußballer – eine Verletzung der Achillessehne kann jeden treffen und ist häufig sehr hartnäckig und langwierig. Meist handelt es sich um eine Achillodynie, die zu den sogenannten Insertionstendopathien gehört. Darunter verstehen Mediziner eine entzündliche Reaktion von Sehnengewebe aufgrund einer mechanischen Schädigung durch Überlastung. Kleinste Verletzungen in der Tiefe des Gewebes führen zu seiner Vernarbung. Wenn das vernarbte Gewebe an der Sehnenscheide reibt, treten bei dem Betroffenen zunächst nur bei Aktivität Beschwerden an der Achillessehne auf, da sich die Sehnenscheide dabei erwärmt und weitet. Wenn die Vernarbung weiter fortschreitet, entzündet sich das Gewebe irgendwann.

In der Medizin werden zwei Arten von Entzündungen unterschieden. „Die eine ist eine kolbenförmige Auftreibung der Achillessehne, die man als Schwellung tasten kann. Bei der anderen geht es um Sehnenansatzbeschwerden, die durch einen hinteren Fersensporn verursacht sein können", erklärte Ingo Tusk von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Häufig sei eine zu schwache Fußmuskulatur Ursache der Beschwerden. „Die wird heutzutage total vernachlässigt. Ich empfehle allen Patienten, etwas dagegen zu tun", erläuterte der Chefarzt der Klinik Rotes Kreuz in Frankfurt am Main.

Schmerzen an der Achillessehne können vielfältige Ursachen haben
Falsches Schuhwerk, das unglückliche Aufkommen nach einem Sprung und eine zu starke Beanspruchung können ebenfalls zu Beschwerden an der Achillessehne führen. Weiterhin wirken sich eine verkürzte Wadenmuskulatur, Übergewicht und eine Fehlstellung der der Füße und Beine ungünstig auf die Sehne aus. Bei Letzterem kann dadurch eine Verlagerung der Achillessehne entstehen, wenn der Wadenmuskel die Ferse veranlasst, den Boden zu verlassen. Reibt dabei die Sehne an den umliegenden Strukturen, kann das sehr schmerzhaft sein. Auch degenerative Veränderungen im Bereich des Fußes wie bei Arthrose können Achillessehnenschmerzen verursachen. Darüber hinaus können Beschwerden durch Infektions- oder Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus, Arthritis und Gicht entstehen.

Riss der Achillessehne kann meist erfolgreich operiert werden
Unter starker Überlastung kann die Achillessehne reißen. Die Behandlung einer sogenannten Ruptur erfordert meist eine operative Versorgung. „Eine Ruptur bedeutet nicht das Karriereende. Es ist nur wichtig, dass man die Sehne gut flickt", erläuterte Bernhard Segesser von der Rennbahnklinik in Muttenz in der Schweiz gegenüber der Nachrichtenagentur. Kürzlich operierte der Sportmediziner den Handball-Nationalspieler Uwe Gensheimer erfolgreich.

Das Risiko einer Ruptur steigt bis zum mittleren Alter an, erläuterte Segesser. Der typische Patient sei der 40-Jährige nicht mehr ganz fitte Hobbysportler, „der an seine Heldentaten aus der Jugend anknüpfen will". Die Achillessehne kann aber auch bei jungen Menschen mit gesunder Sehne reißen. So reiße sie beispielsweise bei einem asymmetrischen Ausfallschritt oder Sprung auch bei trainierten Sportlern, sagte Segesser. Meist (85 Prozent) werde die Ruptur mit einer Operation behandelt und dabei die vorherige Belastbarkeit wiederherstellt. „Bei einer frischen Ruptur sind die Heilungschancen sehr hoch", erläuterte der Sportmediziner. Ältere Verletzungen benötigten ein bis eineinhalb Jahre bis zur vollständigen Rehabilitation. Etwa 15 Prozent der Rupturen würden konservativ – ohne Operation – behandelt.

Beschwerden an der Achillessehne vorbeugen
Tusk rät Freizeitsportlern dazu, eine ärztliche Voruntersuchung durchführen zulassen, um Verletzungen generell vorzubeugen. Denn der typische Patient sei entweder der mittelalte, erfahrene Jogger oder der übergewichtige und überambitionierte Anfänger. Häufig hingen die Beschwerden mit einer schlechten Durchblutung der Achillessehne zusammen. „Wenn dieses Gewebe dann auch noch altert, wird es zäher. Bei entsprechender Belastung steigt dann das Risiko, dass die Sehne sich entzündet oder reißt", so Tusk.

Entzündungen könnten beispielsweise mit Hyaluronsäure behandelt werden. Dehnungen und Kräftigungen der Waden können ebenfalls hilfreich sein, erläutert der Experte. „In leichteren Fällen hilft es, das Training zu reduzieren, langsamer zu laufen, sich vorsichtig warmzulaufen sowie auf glattem Untergrund zu trainieren", sagte Herbert Steffny, Laufexperte und Ex-Weltklasse-Leichtathlet, gegenüber der Nachrichtenagentur. „Hier kann Asphalt sogar gut sein." Zudem rät er zu Fußwechselbädern und Eisbeuteln nach dem Training. Auch das Hochlagern des Fußes könne hilfreich sein. „Bei stärkeren Beschwerden sollte man aber zu einem sporterfahrenen Orthopäden gehen", so Steffny.

Segesser zufolge sind Massagen gut geeignet, um die Diffusion der Nährstoffe zur Sehne anzuregen. Nur ruhigstellen sollte man die Achillessehne keinesfalls, da sie sich dann verkürzt und an Elastizität verliert. Darin sind sich die Experten einig. „Man sollte die Sehne gebrauchen, aber nicht überlasten", empfahl Segesser. Laut Steffny kann dafür ein Wechsel der Sportart hilfreich sein.

Highheels können Achillessehne nachhaltig schädigen
Frauen haben häufig nicht aufgrund einer sportlichen Überlastung Beschwerden an der Achillessehne, sondern vielmehr aufgrund von ungeeignetem Schuhwerk. Forscher der Universitäten Manchester und Wien veröffentlichen vor drei Jahren eine Studie zu diesem Thema im „Journal of Experimental Biology".

Schuhe mit hohen Absätzen können demnach die Achillessehne schädigen und zu starken Schmerzen beim Gehen führen. Das häufige Tragen derartiger Schuhe verursacht eine Verkürzung der Muskelfasern, da die Ferse durch das unnatürliche laufen ständig nach oben gepresst wird. Dabei kompensiert die Achillessehne den unnatürlichen Höhenunterschied. Zwar verkürzt sich laut Forschern nicht die Achillessehne selbst, aber bei vielen Frauen wird sie unbeweglicher und dicker. Wenn diese Frauen dann wieder flache Schuhe tragen, haben sie mitunter Schmerzen, weil die Sehne nicht mehr flexibel genug ist. Wer regelmäßig Highheels trägt, sollte deshalb Dehn- und Kräftigungsübungen machen. (ag)

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