Wenn Erröten zur Qual wird

Heilpraxisnet

Menschen erröten nicht nur in peinlichen Situationen

20.08.2014

Wenn Menschen erröten, ist dies häufig mit der Psyche verknüpft. Manche bekommen schon bei kleinsten Peinlichkeiten einen roten Kopf. Andere hingegen werden rot, wenn sie sich stark anstrengen oder Alkohol konsumieren. Damit Erröten nicht zur Qual wird, sollten Betroffene lernen, gelassener damit umzugehen.


Erröten oft eng mit der Psyche verknüpft
Der US-amerikanische Autor Mark Twain machte mit einem Zitat sehr treffend deutlich, dass Erröten mehr ist als nur der sichtbare Ausdruck verstärkter Durchblutung im Kopf. Er schrieb: „Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das erröten kann. Oder sollte.“ Häufig ist diese körperliche Reaktion eng mit der Psyche verknüpft, da sie Emotionen sichtbar macht. Etwa in Fällen, in den Menschen erröten weil sie sich schämen oder ihnen etwas peinlich ist. Manche Menschen bekommen aber auch einen roten Kopf, weil sie sich anstrengen, ihnen warm ist oder sie Alkohol getrunken haben. Damit Erröten für die Betroffenen nicht zur Qual wird, sollten sie lernen, gelassener damit umzugehen.

Warum Menschen in peinlichen Situationen einen roten Kopf bekommen
Weitgehend unklar ist bislang, warum ein Mensch in peinlichen Situationen einen roten Kopf bekommt. „Es gibt verschiedene Theorien, aber bewiesen ist keine“, erläuterte die Psychologin Samia Härtling, die an der Technischen Universität Dresden zum Thema Erröten forscht, laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Ein Erklärungsversuch lautet demnach, dass die Rötung des Gesichts in peinlichen Situationen ein Schutzmechanismus sein könnte, um den Menschen nach einem Regelverstoß vor dem Ausschluss aus seiner sozialen Gruppe zu bewahren, da der rote Kopf signalisiert: „Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht, es tut mir leid.“

Nervensystem für soziales Erröten verantwortlich
Für dieses sogenannte soziale Erröten ist das Nervensystem verantwortlich, das nicht willentlich gesteuert werden kann. Demnach gibt der Sympathikus-Nerv, welcher in Stresssituationen aktiv wird, den Blutgefäßen den Befehl, sich zu weiten. Dann schlägt auch das Herz schneller, die Hände schwitzen und Betroffene möchten sich am liebsten im nächsten Loch verkriechen. Wie der Chirurg Christoph Schick laut der dpa-Meldung erläuterte, hängt es mit individuellen Reizschwellen zusammen, wann und wie oft ein Mensch errötet. Er behandelt Patienten, die unter übermäßigem Erröten (Erythrophobie) leiden. Schick schätzt, dass etwa jeder 200. Mensch eine angeborene Störung in der Steuerung des Sympathikus-Nervs hat. Dadurch kommt die Reaktionskette deutlich schneller in Gang.

Angst vor dem Erröten
Für Betroffene kann dies sehr belastend sein. „Bei besonders sensiblen Menschen kann sich die Erwartung von Peinlichkeiten oder die Erfahrung, einmal bloßgestellt worden zu sein, verselbstständigen“, so die Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater, Christa Roth-Sackenheim. „Wenn ein Mensch wegen der Angst vor dem Erröten andere Menschen meidet und nicht mehr aus dem Haus geht, ist eindeutig eine Schwelle zur Erkrankung überschritten.“ Carsten Dieme meint, dass am schlimmsten das Gefühl sei, mit dem Problem allein dazustehen. Dieme betreibt die Internetseite www.erythrophobie.de, die Betroffenen ein Forum bietet. „Sich mit anderen auszutauschen, hilft sehr.“

Entspannungs- und Atemübungen können hilfreich sein
Wenn der rote Kopf zwar gelegentlich lästig, doch nicht quälend ist, können Atem- und Entspannungsübungen, wie Yoga oder Autogenes Training, hilfreich sein. Diese verhindern zwar nicht das Rotwerden selbst, lösen aber Anspannung und innere Unruhe. Menschen, die sich weniger auf ihren roten Kopf fokussieren, sind gelassener. Wenn man jedoch ständig rot im Gesicht ist, sollte man gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen, da dahinter auch gesundheitliche Beschwerden wie Bluthochdruck oder Hauterkrankungen stecken könnten. Beispielsweise die chronische Erkrankung Rosazea, bei der die Haut sehr empfindlich ist, brennt, juckt und zu Schwellungen neigt. Da man bei dieser Krankheit einen Zusammenhang mit psychischen Belastungen beziehungsweise Stress vermutet, spielt im Rahmen der naturheilkundlichen Therapie auch der Stressabbau oftmals eine Rolle.

Professionelle Hilfe kann sinnvoll sein
Professionelle Hilfe ist zudem sinnvoll, wenn die Angst vor dem Erröten so groß ist, dass die Begegnung mit anderen Menschen zur Qual wird. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit hat Psychologin Härtling eine Kurztherapie entwickelt. Die Betroffenen lernen dabei, sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu konzentrieren und sich nicht mehr von ihrem Erröten ablenken zu lassen. Zudem werden sie gleichzeitig ermutigt, Zusammentreffen mit Errötungsgefahr nicht mehr zu meiden, sondern sie aktiv aufzusuchen. Sie erfahren so, dass die Situationen meist besser verlaufen als befürchtet. (ad)

Bild: Jerzy / pixelio.de