Wenn Kinder Gefühle verschweigen, nicht nachbohren

Heilpraxisnet

Eltern sollten nicht beim Kind nachbohren, wenn es nicht über seine Gefühle sprechen möchte

08.04.2015

Gefühle sind subjektiv und führen nicht selten zu Missverständnissen. Die meisten Erwachsenen haben im Laufe ihres Lebens gelernt, Gefühle und Reaktionen normalerweise richtig einzuordnen. Kinder müssen aber genau das noch lernen. Sie bewerten Situationen häufig anders als Erwachsene und können ihre Gefühle oft nicht verbalisieren. Wenn ein Kind nicht über seine emotionale Verfassung sprechen möchte und sich zurückzieht, sollten Eltern dieses Verhalten akzeptieren und nicht nachbohren. Dazu rät die Expertin Maria Große Perdekamp, Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“.

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Offener Umgang mit Gefühlen innerhalb der Familie ist wichtig für Kinder
Häufig haben Eltern das Gefühl, dass es dem Kind schlecht geht, es einen schweren Konflikt mit sich herumträgt, wenn sich der Nachwuchs in sein Zimmer zurückzieht und nicht über seine Gefühlslage sprechen möchte. Dabei geht es häufig nicht um das „Wollen“. „Manchmal können Kinder ihre Gefühle selbst nicht in Worte fassen", erläutert Große Perdekamp. Zudem hätten Kinder ein feines Gespür und wollten ihren Eltern keine Sorgen bereiten oder ihre Erwartungen enttäuschen. Deshalb halten sie ihre wahren Gefühle zurück.

Bemerken Eltern, dass ihr Kind ihnen etwas verschweigt, sollten sie zunächst abwarten. Mit einer Frage, wie „Darf ich nachher noch mal in dein Zimmer kommen?", können Eltern versuchen, Kontakt aufzubauen, wenn sich das Kind zurückzieht. Mit „Ich könnte mir vorstellen, dass es dir so und so geht…stimmt das?" könnten es Mutter oder Vater nach einiger Zeit noch einmal versuchen. Blockt das Kind dennoch ab, sollten Eltern das akzeptieren. „Gefühle sind wie ein Tresor, für den man die Zahlenkombination kennen muss. Dran rütteln bringt nix", so Große Perdekamp weiter.

Kinder würden den Umgang mit Gefühlen in der Familie lernen. Wird im Familienkreis offen über Emotionen gesprochen, empfindet das Kind solche Themen nicht als Tabu und wird seine seine Empfindungen mit der Zeit auch besser verbalisieren.

Bild: Nicole Celik / pixelio.de