Wenn Kinder nach der Medikamenteinnahme brechen: Wirken Mittel dennoch?

Wenn sich ein Kind nach der Einnahme von Medikamenten erbricht, soll nicht ohne weiteres eine weitere Tablette verabreicht werden. Das Mittel könnte schon wirken. (Bild: pathdoc/fotolia.com)
Alfred Domke
Weitere Tablette wenn das Kind erbricht? Medikament kann bereits wirken
Kleine Kinder erbrechen relativ häufig. Die Ursachen dafür sind meist harmlos: Viel durcheinander gegessen, mit einem schlechten Lebensmittel den Magen verdorben, große Aufregung wegen eines spannenden Ereignisses. Hat das Kind aber vor dem Erbrechen ein Medikament bekommen, fragen sich Eltern oft, ob sie eine weitere Tablette verabreichen sollen. Hier ist Vorsicht angebracht: das Mittel könnte bereits wirken.

Körper nimmt Säfte und Lösungen schnell auf
Wenn sich ein Kind kurz nach der Einnahme von Arzneimitteln übergeben muss, sollten Eltern das Medikament nicht ohne weiteres erneut verabreichen. Das Mittel kann nämlich bereits seine Wirkung im Körper entfaltet haben. So erläutert die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in ihrer Zeitschrift „Neue Apotheken Illustrierte“ (Ausgabe 15. Juli), dass der Körper Säfte und Lösungen normalerweise schon aufgenommen hat, wenn zwischen der Einnahme und dem Erbrechen zwischen 30 und 60 Minuten vergangen sind.

Wenn sich ein Kind nach der Einnahme von Medikamenten erbricht, soll nicht ohne weiteres eine weitere Tablette verabreicht werden. Das Mittel könnte schon wirken. (Bild: pathdoc/fotolia.com)
Wenn sich ein Kind nach der Einnahme von Medikamenten erbricht, soll nicht ohne weiteres eine weitere Tablette verabreicht werden. Das Mittel könnte schon wirken. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Erbrechen nach eingenommener Tablette
Bei Tabletten kann dies allerdings länger dauern. In dem Fall sollten Eltern am besten ihren Kinderarzt kontaktieren und fragen, ob die Pille erneut verabreicht werden soll. Muss sich das Kind erst später erbrechen oder bekommt es Durchfall, ist ebenfalls der Kinderarzt zu informieren. Muss sich ein Kind im Liegen erbrechen, sollte es sofort mit dem Gesicht nach unten hochgenommen werden, berichten die Experten des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) auf ihrer Webseite „kinderaerzte-im-netz.de“.

Stirn des Kindes kühlen
Außerdem sollten Eltern dem Kind ihre Hand oder einen kühlen Waschlappen auf die Stirn legen, um dem Kind das Schwindelgefühl und die Übelkeit zu nehmen. Des Weiteren raten die Fachleute, dem Nachwuchs den Mund auszuspülen, damit der üble Geschmack verschwindet. Geeignet dafür sind Wasser oder Tee. Weil der Magen gereizt ist, sollte das Kind in den nächsten Stunden keine Nahrung (höchstens trockenen Zwieback oder Salzstangen) zu sich nehmen. Allerdings sollten die Kleinen viel trinken!

Kindern nur wenige Medikamente geben
Ganz allgemein sollte man Kindern nur wenige Pillen geben und es stattdessen bei leichteren Beschwerden mit Hausmitteln versuchen. Wenn „Wehwehchen“ aber zur Krankheit werden, ist es auf jeden Fall sicherer, sich mit dem Kinderarzt über eine mögliche Medikamentengabe abzustimmen. Bei der Frage, welche Medikamente für Kinder geeignet sind, sollte immer im Vordergrund stehen, ob ihr Einsatz wirklich erforderlich ist oder die Beschwerden nicht auch auf natürlichem Wege gelindert werden können. (ad)

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