Wenn Krebstherapien Krebs verursachen

Sebastian

Wenn Krebstherapien Krebs verursachen

03.05.2011

Medizinisch konventionelle Krebstherapien können wiederum Krebs hervorrufen. Patienten sollten nach Tumor-Behandlungen unbedingt Nachsorge-Untersuchungen einhalten. Darauf verwies der Krebsexperte und Mediziner Dr. Harald Biersack am Rande des Kongress der Internisten in Wiesbaden.

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Spätfolgen von Krebsbehandlungen
Patienten, bei denen die Krebsbehandlung erfolgreich war, sollten unbedingt Nachsorge-Termine einhalten. Denn Krebstherapien können schwere gesundheitliche Folgen für den Betroffenen nach sich ziehen. Daher sollten auch bereits erfolgreich therapierte Krebspatienten weiterhin „wachsam bleiben“, da die meist für den Körper aggressiven Tumor-Behandlungen noch Jahre danach Spätfolgen hervorrufen können. So steigt nach einer Strahlentherapie das Risiko von Hautkrebs um das Doppelte an, wie der Internist Dr. Harald Biersack erklärte.

Durch Strahlentherapie bösartige Tumore
Nach Strahlentherapien drohen zudem bösartige Veränderungen des Knochenmarks und des Immunsystems. Erkrankungen wie Blutkrebs (Leukämie) und Lymphome seien daher möglich. Zu den Spätfolgen gehören auch Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Schilddrüsenkrebs sowie die seltener auftretende Krankheit Sarkome. Das Sarkom ist ein Krebstumor der vom Stützgewebe ausgeht und frühzeitig in die Blutgefäße metastasiert. Nach einer Chemotherapie drohen dem Patienten zusätzlich Schädigungen des Herzens, nach einer Strahlentherapie können Lungenerkrankungen auftreten.

Nachsorge-Untersuchungen jährlich durchführen lassen
Um entsprechend Folgen frühzeitig zu erkennen, sollten ehemalige Krebspatienten unbedingt alle Nachsorge-Untersuchungen einhalten. "Das erhöhte Risiko der Patienten für die Folgeerkrankungen wird niemals mehr auf Null sinken“, mahnte allerdings Biersack. Denn auch nach 30 oder 40 Jahren könnten Folgeerkrankungen der Therapie auftreten. Daher sind nach Strahlentherapien jährlich wiederholende und gründliche Untersuchungen des ganzen Organismuses nötig, die auch beim Hausarzt durchgeführt werden können. Werden Auffälligkeiten des Körpers oder Symptome bemerkt, sollten diese unbedingt ernst genommen werden.

Aggressive Krebsbehandlungen auf dem wissenschaftlichen Prüfstand
Derzeit werden aggressive Behandlungsmethoden der konventionellen Krebstherapie auf dem wissenschaftlichen Prüfstand gestellt. In jedem Fall gebe es aber keine Alternative, als den Krebstumor im Körper des Patienten zu zerstören, betonte der Experte. Die vollständige Zerstörung der Krebszellen könne zumeist von milderen Therapien nicht erreicht werden, argumentiert der Arzt.

Ursache für späteren Krebs bereits wissenschaftlich bestätigt
Wissenschaftler des Biozentrums an der Medizinischen Universität Innsbruck hatten unlängst anhand einer Studie herausgefunden, dass Krebstherapien, bei denen der aktivierte programmierte Zelltod mittels stimulierter, körpereigener Funktionen herbeigeführt wird, eine Ursache für spätere Krebserkrankungen sein können. Laut der Ergebnisse könne nun geklärt sein, warum Kinder die einer Leukämie oftmals 20 oder 30 jahre später erneut eine Krebserkrankung erleiden. „Bei rund 15 Prozent der Krebs-Neuerkrankungen handelt es sich mittlerweile um neue Tumortypen, die bei Krebsüberlebenden auftreten.“ sagte damals Andreas Villunger, Leiter der Sektion für Entwicklungsimmunologie. Lesen Sie dazu: Krebstherapie verursacht Krebs? (sb)

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Derzeit findet der 117. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden statt. Mehr als 8000 Ärzte und Wissenschaftler beraten und diskutieren neue Erkenntnisse der Medizin. Der Kongress endet heute mit einer Abschlussveranstaltung.