Wenn Schwindelanfälle zur Todesgefahr werden – Diese Anzeichen keinesfalls ignorieren

Volker Blasek

Schwindelanfälle können tödliche Konsequenzen haben

Schwindel ist zwar keine eigenständige Krankheit, doch Schwindelgefühle gehören zu den häufigsten Symptome in der Medizin. Dabei kann der Schwindel sowohl in verschiedene Formen auftreten, als auch unterschiedliche Ursachen haben. Häufig werden die Symptome nicht weiter beachtet, heruntergespielt oder unterschätzt. Doch Experten warnen, dass diese Nachlässigkeit mitunter sogar tödliche Konsequenzen haben kann.


So berichtet beispielsweise eine Studie der HNO-Spezialisten Eduardo Corrales und Neil Bhattacharyya von der Harvard Medical School in Boston über mögliche Zusammenhänge zwischen Schwindelanfällen und einem erhöhten Sterberisiko. Demnach sterben viele ältere Menschen in Folge von Stürzen, die nicht selten durch Schwindelanfälle verursacht wurden. Aus der Studie geht hervor, dass Menschen mit regelmäßigem Schwindel einem rund vierfach höherem Risiko ausgesetzt sind, durch einen Sturz ums Leben zu kommen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal „The Laryngoscope“ publiziert.

Schwindel ist eines der häufigsten Symptome, die von Betroffenen bei Arztbesuchen genannt werden. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Experte doziert über Schwindel

Der Oberarztes Dr. Frank Waldfahrer der HNO-Klinik in Erlangen dozierte kürzlich über die Auswirkungen von Schwindelanfällen bei einer Pressekonferenz zum 120-jährigen Bestehen der Firma Henning Arzneimittel. „Insbesondere ältere Patienten stürzen aufgrund von Schwindel, kommen mit einer Fraktur ins Krankenhaus und erholen sich oft nicht mehr“, berichtet Waldfahrer.

Nicht nur die Sturzgefahr ist zu beachten

Ein weiterer Grund, warum man Schwindel nicht unterschätzen sollte: Hinter Schwindel könnten sich ernstere Krankheiten verbergen. Schwindel gehört zu den Beschwerden, die Patienten in Arztpraxen am häufigsten angeben. Der Ursprung des Schwindels kann sowohl im Innenohr als auch im Gehirn liegen. Schwindelanfälle können unter anderem auch auf gefährlich Herzkrankheiten hindeuten. Deshalb ist eine fachmännische Diagnostik erforderlich.

Altersschwindel

Waldfahrer berichtet, dass der sogenannte Altersschwindel, auch Presby-Vestibulopathie oder multimodaler Schwindel genannt, eine Mischform aus beiden Schwindel-Formen ist. „Altersschwindel wird zum Teil einfach durch Verschleiß hervorgerufen“, so der Experte. Da unser Gleichgewichtssystem quasi permanent aktiv sei, käme es auch früher zu Ausfallerscheinungen als bei anderen Sinnesorganen. Zusätzlich könne unter anderem die Einnahme bestimmter Medikamente die Gleichgewichtsstörung verstärken. Als Beispiele nennt Waldfahrer Sedativa oder einige Diuretika.

Schwindel kann sich auf verschiedene Weisen äußern

Schwindelgefühle können von Betroffenen auf unterschiedliche Art und Weise wahrgenommen werden. Beim Drehschwindel überwiegt das Gefühl, dass sich entweder etwas im Kopf dreht oder dass die Umgebung um den Betroffenen herum kreist. Der Schwankschwindel verursacht Gefühle, als würde sich die Umgebung hin und her bewegen. Beim Liftschwindel haben Betroffene das Gefühl einer Auf- und Abwärtsbewegung der Umgebung. Zusätzlich kann es bei allen Schwindel-Arten zu Augenlidzucken und anderen vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Schweißausbrüche oder Herzklopfen kommen.

Auch die Psyche spielt eine Rolle

Nicht nur körperliche Ursachen spielen eine Rolle, es gibt auch psychische Ursachen für Schwindel. Beispielsweise kann Schwindel auch durch Depressionen, Pyschosen und Angststörungen ausgelöst werden, weist der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) auf dem Informationsportal „neurologen-und-psychiater-im-netz“ hin.

Kein Grund, Schwindel zu verstecken

Wer seine Schwindelgefühle untersuchen lässt, hat gute Chancen auf Besserung, denn Schwindel richtig erkannt lässt sich gut therapieren. „Richtig diagnostizierte Schwindelsyndrome haben eine gute Prognose und können häufig mit Medikamenten oder auch einem Schwindeltraining zur Sturzprophylaxe behandelt werden“, erläutert Dr. med. Stefan Volkenstein, Oberarzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie der Ruhr-Universität Bochum. Als letzte Option seien auch operative Eingriffe möglich, welche nur eingesetzt werden, wenn alle alternative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. (vb)