Werden Berliner Ärzte von Pharmafirma geschmiert?

Sebastian

Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen die Pharmafirma Oncosachs. Der Verdacht: Gewerbsmäßige Bestechung von Ärzten.

23.01.2011

Seit einigen Wochen ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft gegen den Leipziger Pharmahersteller „Oncosachs“. Nach Medieninformationen wurde einem Berliner Kinderarzt Geld in Aussicht gestellt, wenn dieser nur noch bei dem Leipziger Unternehmen Pharmazierzeugnisse bestellt.

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Staatsanwaltschaft ermittelt
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ermitteln die Justizbehörden bereits seit einigen Wochen gegen den Pharmahersteller Oncosachs. Gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ bestätigte der Vorsitzende der Sondereinheit „INES“ entsprechende behördliche Ermittlungen. Allerdings, so Staatsanwalt Wolfgang Schwürzer, befänden sich die Ermittlungsbehörden „noch am Anfang“. Im Rahmen der Ermittlungen wurden bereits mehrere Objekte der Firma durchsucht, die unter anderem Generika-Arzneien herstellt.

Verdacht auf „gewerbsmäßige Bestechung“ von Ärzten
Bereits am Samstag hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass der Hintergrund der Ermittlungen der Verdacht auf „gewerbsmäßige Bestechung“ von Ärzten ist. Laut dem Magazin bekam ein Berliner Kinderarzt das Angebot insgesamt 90.000 Euro zu erhalten, wenn dieser zukünftig nur noch Arzneien des Leipziger Unternehmens bestelle. Konkret ginge es nach Angaben des Arztes um eine spezielle Chemotherapie-Infusion für Krebspatienten. Gegenüber dem Spiegel hatte der Arzt angegeben, für jede verabreichte Infusion der Firma würden 50 Euro in Aussicht gestellt werden. Würde der Mediziner nur 10 Patienten pro Tag mit einer Infusion behandeln, wären dies 90.000 Euro im Jahr. Das Angebot habe ihm eine Pharmareferentin des Unternehmens unterbreitet. "Formal" sollte der Geldfluss nach Angaben des Arztes über sogenannte Registerstudien erfolgen. Während des Gesprächs habe der Kinderarzt zu der Pharmareferentin gesagt, dass sich das Angebot nicht nach einer Studie anhört, sondern nach einer Umsatzbeteiligung.

Oncosachs weist die Vorwürfe zurück
Das Unternehmen weist alle erhobenen Vorwürfe von sich. Der Geschäftsführer Uwe Krasselt betonte Medienberichten zufolge, dass Ärzte nur im Rahmen von Studien honoriert werden. Das benannte Angebot an den Arzt aus Berlin kenne Krasselt nicht. Gegenüber dem Spiegel betonte der Geschäftsführer, dass alle Studien ausnahmslos „seriös seien“. Auch sogenannte Schmiergelder habe man nicht an Ärzte gezahlt. Krasselt vermutet hinter der „Attacke“ einen Berliner Mitbewerber. Der Anwalt des Unternehmens Frank-Thoralf Hager sagte gegenüber der "BZ": "Wir prüfen rechtliche Schritte gegen den Anzeigenerstatter."

Hinter der Firma Oncosachs stehen laut Spiegel eine Reihe von Apotheken. Diese wiederum zählen zu wichtigen Vertragspartnern der Allgemeinen Ortskrankenkasse AOK Berlin-Brandenburg. Laut Informationen des Spiegels werden fast ausnahmslos alle Versicherten der AOK Berlin-Brandenburg mit den Krebsmedikamenten von Oncosachs behandelt. (sb)