Werden Männer Väter sinkt der Testosteronspiegel

Sebastian

Vaterschaft macht Männer emotional

13.09.2011

Männer, die gerade Vater geworden sind, weisen einen deutlich niedrigeren Testosteronspiegel auf, als noch vor der Vaterschaft. Das ermittelte eine Studie der Northwestern Universität in Evanston. Die Forscher untersuchten bei 600 philippinischen Probanden jeweils den Hormonspiegel vor und nach der Geburt des Kindes.

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Eine Vaterschaft macht Männer wohl möglich emotionaler, liebevoller und erzeugt mehr Verständnis für seine Umwelt. Anhand der neuerlicher Studienergebnisse von US-Forschern könnte man zu diesem Entschluss kommen. Eine eintretende Vaterschaft kann wohl möglich für ein Absinken des männlichen Geschlechtshormons Testosteron verantwortlich sein. Jedenfalls vermuten die Forscher einen direkten Zusammenhang und berichteten über die Ergebnisse einer Langzeitstudie von rund 600 Männern in Philippinen im Fachmagazin „Proceedings“ der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Langzeitstudie mit über 600 Männern
Während der Studienarbeit wurden die männlichen Studienteilnehmer einmal im Jahre 2005 und dann noch einmal 2009 untersucht. Hierzu entnahm das Wissenschaftsteam den Probanden eine Speichelprobe, um den Hormongehalt zu analysieren. Zum Studienbeginn waren alle Teilnehmer im Schnitt 21,5 Lebensjahre alt. Die hormonellen Werte wurden einmal am Morgen und noch einmal am Abend gemessen. Während der Studienzeit heiratete ein Drittel der Männer oder gingen eine Partnerschaft ein und wurden Väter. Sobald ein Kind auf der Welt war, zeigten sich bei fast allen Männern signifikante Veränderungen des Hormonspiegels. Um so mehr sich der Mann um sein Nachwuchs kümmerte, um stärker sank auch das Testosteron. War das Kinder gerade erst auf die Welt gekommen, zeigte sich zudem ein deutlicheres Absinken des Hormons, als im Vergleich bei denen, dessen Kind bereits über ein Monat alt war. Als Vergleichsgruppe dienten die restlichen kinderlosen Männer, die weiterhin Single blieben. Und noch einen interessanten Kontext stellen das Forscherteam fest: Je mehr sich Väter um ihre Kinder kümmerten, um so niedriger fiel auch der Nachweis des Testosteronspiegels aus, wie das Wissenschaftler um Christopher Kuzawa erklärten.

Niedriger Testosteronspiegel während der Vaterschaft
In bereits früheren Studien wurde erwiesen, dass Väter niedrigere männliche Hormonwerte aufwiesen, als Männer, die noch kinderlos waren. Laut dem Forscherkonsortium konnte allerdings nie eindeutig geklärt werden, warum das so ist. Zwei Theorien standen sich gegenüber. Die eine besagte, dass Männer mit einem geringeren Testosteronspiegel eher Kinder bekommen, als Männer mit viel Testosteron. Die zweite These deutete an, dass eine Vaterschaft die männlichen Hormone unterdrückt.

Die Studie widerlegte erstere Vermutung. Denn je höher der Hormonspiegel für das Sexualhormon ausfiel, desto höher lag auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Studienteilnehmer im Laufe seines Lebens einmal selbst Vater werden wird. Dieses Ergebnis legt wiederum die Vermutung nahe, dass ein hoher Testosteronspiegel bei der Partnersuche eine maßgebliche Rolle spielt. Mehr Androgene erleichtern anscheinend die Partnersuche und wirkt auf Frauen attraktiv. Die Familie hatte auf den Philippinen seit je her eine große Rolle gespielt. Durch den gesellschaftlichen Wandel hat sich auch hier das Familienbild verändert, wie Kuzawa erläuterte.

Bei Tieren ähnliche Hormonwirkungen
Die Studienarbeit deckt sich mit wissenschaftlichen Beobachtungen in der Tierwelt. So konnten Wissenschaftler bereits aufzeigen, dass bei Säugetieren und Vögel das Hormonsystem ähnlich reagiere, wenn Nachwuchs geboren wurde. Tiere mit einem hohem Testosteron-Wert investierten deutlich mehr Energie in die Partnersuche. War der Nachwuchs neugeboren, sank auch wieder der Hormonspiegel. Die Natur wirkt demnach hormonell auf die Familienväter ein. Denn ein erhöhter Testosteronspiegel bei Männern fördert dominante und aggressive Verhaltensweisen. Zwei „typisch männliche“ Eigenschaften, die nach der Geburt eines Kindes anscheinend fehl am Platz sind. (sb)

Bild: Sabrina Gonstalla / pixelio.de