Werden wir Übergewicht im Alter wirklich schwerer wieder los?

Alfred Domke
Ist es im Alter wirklich schwerer, Übergewicht wieder los zu werden?
Dass Menschen im Alter nicht mehr die Figur aus früheren Jahren haben, ist nicht ungewöhnlich. Wenn sich dann zu viel Hüftgold angesammelt hat, wird dies oft darauf geschoben, dass es ab der Lebensmitte schwerer wird, abzunehmen. Stimmt das aber tatsächlich?

Übergewicht birgt eine Gefahr für die Gesundheit
Übergewicht stellt eine Gefahr für die Gesundheit dar. Wer zu viele Kilos auf die Waage bringt, hat beispielsweise ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes. Laut Gesundheitsexperten hätte schon eine minimale Gewichtsreduktion deutliche positive Auswirkungen. Doch meist fällt es gar nicht so leicht, überschüssige Pfunde los zu werden. Vor allem nicht für Ältere. Hat das aber wirklich mit dem Alter zu tun?

Im Alter wird es schwieriger, Übergewicht wieder loszuwerden. Experten empfehlen, statt mit einer Crash-Diät, das Gewicht lieber Schritt für Schritt zu reduzieren. Helfen kann neben einer verringerten Kalorienzufuhr auch regelmäßige Bewegung. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Mit zunehmendem Alter muss man mehr Kalorien reduzieren
Ältere Menschen rechtfertigen ihr Hüftgold manchmal mit Erklärungen wie: „Im Alter wird man Übergewicht schwerer wieder los“. Dass das tatsächlich so ist, bestätigt Michael Boschmann vom Zentrum für Klinische Forschung an der Charité Universitätsmedizin – Berlin in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa.

„Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger. Man muss mehr Kalorien reduzieren, als es bei Jüngeren der Fall ist“, so der Experte. Und das hat mehrere Gründe.

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Nach der Lebensmitte nimmt die Fettmasse zu
Menschen, die in jungen Jahren zu viel essen, nehmen nicht sofort zu. Wie Boschmann erklärt, versuche der Körper vielmehr, die überschüssige Energie als Wärme abzugeben. Allerdings passt sich der Körper nach mehreren Jahren Kalorienüberschuss an.

„Meist mit Mitte, Ende 30 verstellt der Körper offensichtlich einen Sollwert für den Körperfettanteil, und man nimmt zu“, sagt der Mediziner. Es braucht Zeit, die Kilos nach der Sollwertverstellung wieder loszuwerden.

Darüber hinaus nimmt ab Mitte, Ende 50 schon rein physiologisch die Muskelmasse ab, die Fettmasse dagegen zu. Das hat Folgen: Wie es in der Agenturmeldung heißt, sinkt der Grundumsatz, also die für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktion notwendige Energie.

Männer ab 60 Jahren brauchen bis zu 400 Kalorien und Frauen bis zu 300 Kalorien weniger. Isst man jedoch weiter wie zuvor, nimmt man zu.

Crash-Diäten sind nicht sinnvoll
Boschmann hebt hervor, dass es vor allem entscheidend ist, die Kalorienzufuhr zu reduzieren, wenn man abnehmen will. Dem Experten zufolge sind Crash-Diäten jedoch nicht sinnvoll.

Das sehen auch andere Fachleute so. Selbst in wissenschaftlichen Studien hat sich schon gezeigt, dass Diäten fast nichts bringen. Zudem kann eine Radikalkur die Gesundheit belasten.

Wie schnell man abnehmen soll
Auf die Frage, in welcher Geschwindigkeit Abnehmen sinnvoll ist, erklärte Prof. Dr. med. Helmut Gohlke vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung, in einer Herzstiftungs-Sprechstunde, dass Personen, die ihr Gewicht reduzieren wollen, sich anhand einfacher Werte vergewissern sollten, dass die tägliche Kalorienmenge nicht zu niedrig gewählt wurde.

Er verwies auch auf Empfehlungen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft: „Um das Körpergewicht zu reduzieren, sollte durch eine Reduktionskost ein tägliches Energiedefizit von etwa 500 kcal/Tag, in Einzelfällen auch höher, angestrebt werden.“

Schritt für Schritt
In der dpa-Meldung wird dazu geraten, dass man sich statt einer Crash-Diät besser vornehmen sollte, maximal zehn Prozent des Ausgangsgewichts abzunehmen und das reduzierte Körpergewicht dann für mindestens drei Monate zu halten.

Danach könne man sich die nächsten fünf bis zehn Prozent vornehmen. Auf diese Weise gelinge es am besten, den verstellten Sollwert wieder Richtung „normal“ zu verschieben.

Michael Boschmann von der Charité empfiehlt vor allem Bewegung wie Gartenarbeit, Treppensteigen, häufige Wechsel von Sitzen und Stehen sowie Gehen – am besten mindestens 10.000 Schritte am Tag. Dadurch wird der Fettstoffwechsel aktiviert und Muskelmasse sowie Fitness erhalten.

Empfehlenswert ist zudem regelmäßiger Sport. Der vertreibt den ständigen Hunger, wie sich in wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte. Zudem können durch den Muskelaufbau mehr Pfunde abgebaut werden, weshalb Fachleute oft zu speziellem Krafttraining raten. (ad)