Neue WHO-Leitlinie zur Zucker-Aufnahme

Heilpraxisnet

Zuckeraufnahme sollte laut Vorgaben der WHO deutlich abgesenkt werden

05.03.2015

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Empfehlungen zur Aufnahme von Zucker angepasst und dabei deutlich gemacht, dass die Zuckeraufnahme bei Erwachsenen und Kindern grundsätzlich weniger als zehn Prozent der täglichen Gesamtenergieaufnahme ausmachen sollte. Zudem könne „eine weitere Reduzierung auf weniger als fünf Prozent oder etwa 25 Gramm (sechs Teelöffel) pro Tag zusätzliche Gesundheitsvorteile“ mit sich bringen, so die Mitteilung der WHO.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation ließe sich durch die Absenkung der Zuckeraufnahme das Risiko nichtübertragbarer Erkrankungen wie Übergewicht, Fettleibigkeit (Adipositas), Karies oder Diabetes deutlich reduzieren. Die WHO hat sich daher in den Richtlinien zur Zuckeraufnahme für Erwachsene und Kinder erstmals – unter bedingtem Vorbehalt – für eine Zuckeraufnahme von weniger als fünf Prozent der täglichen Gesamtenergiezufuhr ausgesprochen. Schon bei einer Zuckeraufnahme unter zehn Prozent der Gesamtenergieaufnahme seien wesentliche positive gesundheitliche Effekte festzustellen. Die Analyse der verfügbaren Studien habe jedoch zusätzliche Hinweise darauf ergeben, dass durch die Reduzierung auf unter fünf Prozent weitere Gesundheitsvorteile erzielbar sind, so die Mitteilung der WHO.

Natürlicher Zucker in Obst, Gemüse und Milch nicht betroffen
Nach umfassender wissenschaftlicher Bewertung wird in den WHO-Richtlinien eine „starke Empfehlung“ für eine Zuckeraufnahme unter zehn Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausgesprochen sowie eine „bedingte Empfehlung“ zur Reduzierung auf weniger als fünf Prozent. Dabei beziehen sich die Vorgaben auf Monosaccharide wie zum Beispiel Glukose und Fruktose sowie auf Disaccharide (z. B. Saccharose oder Haushaltszucker), die Speisen und Getränken zugefügt werden oder von Natur aus in Honig, Sirup, Säfte und Fruchtsaftkonzentraten vorhanden sind. Nicht betroffen seien die natürlichen Zucker in frischem Obst und Gemüse oder Milch, da keine Hinweise auf nachteilige Auswirkungen des Verzehrs dieser Zucker vorliegen, so die WHO weiter.

Versteckter Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln
Äußerst bedenklich ist nach Einschätzung der WHO-Experten der versteckte Zucker in vielen verarbeiteten Lebensmittel. Oft werde deren Verzehr von den Verbrauchern nicht mit einer derartigen Aufnahme von Zucker in Zusammenhang gebracht. Zum Beispiel enthalte ein Esslöffel Ketchup etwa vier Gramm (circa einen Teelöffel) freie Zucker. So wird die Einhaltung des Richtwertes von fünf beziehungsweise zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr durch ein wenig Ketchup bereits deutlich erschwert. Kommen Süßspeisen oder zuckerhaltige Getränke hinzu, ist die Vorgabe der WHO in der Regel kaum noch zu erfüllen. Denn „eine einzelne Dose mit Zucker gesüßter Limonade enthält bis zu 40 g (etwa 10 Teelöffel) von freien Zuckern“, so die Mitteilung der WHO.

Hohe Zuckeraufnahme begünstigt nichtübertragbare Erkrankungen
Die aktuellen Empfehlungen basieren auf der Analyse der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, aus denen zum Beispiel hervorgehe, dass Erwachsene, die weniger Zucker konsumieren, ein niedrigeres Körpergewicht aufweisen, so die Mitteilung der WHO. Eine Erhöhung der Menge an Zucker in der Nahrung sei hingegen mit einer Gewichtszunahme verbunden. Darüber hinaus hätten Untersuchungen gezeigt, dass Kinder mit der höchsten Aufnahme von zuckerhaltigen Getränken eher übergewichtig oder fettleibig sind, als Kinder mit einem geringen Verzehr derartiger Getränke. Des Weiteren liegen Beweise dafür vor, dass eine Zuckeraufnahme über zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr im Vergleich zu einer Aufnahme von freien Zuckern unter zehn Prozent mit einem deutlich erhöhten Karies-Risiko einhergeht, so die Mitteilung der WHO.

Nichtübertragbare Erkrankungen häufigste Todesursache weltweit
Die Überarbeitung der Richtlinien zur Zuckeraufnahme bei Erwachsenen und Kindern sind Teil der WHO-Strategie zur Eindämmung nichtübertragbarer Erkrankungen. Letztere waren laut Angaben der WHO im Jahr 2012 für 38 Millionen (68 Prozent) der weltweit 56 Millionen Todesfälle verantwortlich, darunter 16 Millionen Todesfälle von Personen im Alter unter 70 Jahren. Modifizierbare Risikofaktoren wie schlechte Ernährung und Bewegungsmangel gehören zu den häufigsten Ursachen für nichtübertragbare Krankheiten, nicht zuletzt, weil sie auch Risikofaktoren für die Entwicklung von Übergewicht darstellen, dass seinerseits bei der Entstehung vieler nichtübertragbarer Krankheiten eine maßgebliche Rolle spielt, so die WHO. (fp)

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