WHO will halb so viel Zucker vorgeben

Sebastian

Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert nur noch fünf Prozent Zuckeranteil

06.03.2014

Zucker versteckt sich überall: In Ketchup, fertigen Suppen oder Zuckerbomben wie Brause oder Schokolade. Die WHO (World Health Organization) will nun den Verzehr von Zucker drastisch einschränken. Die weiße Süße soll der Weltgesundheitsorganisation nur noch fünf Prozent der täglichen Kalorienzufuhr betragen. Das sind genau 50 Prozent weniger, als zu vor.

Die WHO hat sich diesen Schritt nicht einfach so überlegt. Etwa 9000 Studien, die jeweils ausgewertet wurden, zeigen immer wieder in eine Richtung. Zucker erhöht massiv die Gefahr an Fettleibigkeit (Adipositas), Diabetes Typ II oder Karies zu erkranken. Die genannten fünf Prozent sind allerdings nicht reiner Industriezucker, sondern schließt Honig, Sirup und Süße in Säften mit ein. Der Fruchtzucker in Obst oder Gemüse wird hingegen nicht mit eingerechnet.

Hochgestecktes Ziel
Der WHO-Gesundheitssexperte Francesco Branca betonte, dass die neue Vorgabe sehr hochgesteckt ist. „Fünf Prozent als Ziel sind gut, wenn es möglich ist. Zehn Prozent sind hingegen realistischer.“ Denn die Menschen in den westlichen Industrieländern nehmen viel mehr Zucker zu sich, als die WHO als gesundheitlich verträglich vorschlägt. Wer der Vorgabe folgt, müsse im Schnitt auf mindestens zwei Drittel der tagtäglichen Zuckerzufuhr verzichten. Nur dann könne die Zielvorgabe erreicht werden. Die WHO hat die Zielvorgabe zunächst nur auf ihrer Website veröffentlicht. Es werden Stellungnahmen von Experten erbeten.

Wer sich wirklich daran halten will, wird es sehr schwer haben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beispielsweise empfiehlt einer erwachsenen Frau eine täglich Nahrungszufuhr von 1.900 Kilokalorien. 5 Prozent wären hier etwa 95 Kilokalorien. Umgerechnet wären dies sechs Teelöffel Zucker oder ein kleiner Schokoladenriegel wie „Duplo“. Ein Mann darf mit 2400 Kilokalorien etwas mehr jeden Tag zu sich nehmen. Hier bedeuten fünf Prozent etwa 120 Kalorien. Der Mann darf somit etwa 30 Gramm Zucker verzehren.

5 Gramm Zucker sind schnell erreicht
Fünf Gramm sind jedoch schnell erreicht. 200 Milliliter Apfelsaft hat 24 Gramm Zucker. 100 Gramm Schokolade mit Vollmilch etwa 50 Gramm. Und ein Glas Milch hat sogar bereits 10 Gramm enthalten. Ein Löffel Tomatenketchup beinhaltet 4 Gramm Zucker. Ein Liter Brause haben schon 40 Gramm Zucker enthalten. Die wirklich gefährlichen Dinge sind die, von denen man nichts weiß. Denn auch andere Lebensmittel haben viel Zucker in sich. So sind in 250 Gramm Leberwurst etwa drei Stücken Zucker enthalten. Und manche Kekse haben es so richtig in sich. So sind in 100 Gramm Keks bis zu neu Stücken Würfelzucker enthalten.

Eine Neuüberarbeitung macht in jedem Falle Sinn. Die noch gültigen Empfehlungen der WHO sind mittlerweile über zehn Jahre alt. Als damals die Ernährungsexperten die Richtlinie auf 10 Prozent ansetzen, gab es nachhaltige Proteste der Lebensmittelindustrie. So drängten Lobbyisten zum Beispiel den US-Senat dazu, die Streichung von Unterstützungsgelder anzudrohen. Doch die Experten konnten sich durchsetzen, so dass der Richtlinienentwurf angenommen wurde.

Noch nicht abschließend festgelegt
Der aktuelle WHO-Entwurf ist noch nicht vollständig verabschiedet, sondern wartet noch weitere Meinungen von Wissenschaftlern und Medizinern ab. Bis Ende diesen Monats soll alle Meinungen und Fachbeiträge eingereicht werden. Bis zum Sommer prüft dann eine eigens eingesetzte Kommission, ob die Empfehlung bestehen oder angepasst wird. „Die Entscheidung wird im Sommer gefällt“, heißt es. (sb)

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Bild: lichtkunst.73 / pixelio.de