WHO senkt Salzkonsum Empfehlung

Sebastian

Bei Bluthochdruck weniger als zwei Gramm Natrium pro Tag

01.02.2013

Bluthochdruck (Hypertonie) ist weltweit die häufigste Ursache für Todesfälle. Viele Betroffene wissen nicht einmal um die gesundheitliche Gefahr, in der sie sich befinden. Denn Bluthochdruck verursacht über einen langen Zeitraum weder Schmerzen noch Beschwerden im Alltag, erhöht jedoch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um ein Vielfaches. Meist ist eine ungesunde und natriumreiche Ernährungsweise die Ursache der Erkrankung. Besonders alarmierend: Auch immer mehr Kinder leiden an Bluthochdruck.

Wenig Studien zu Bluthochdruck bei Kindern
„Bluthochdruck ist weltweit der häufigste Grund für Todesfälle oder Behinderungen“, warnte der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Ernährung, Francesco Branca, am Donnerstag bei der Vorstellung der aktuellen Richtlinie zur Einnahme von Natrium. Salzkonsum und Bluthochdruck stehen in direkten Zusammenhang. Die WHO erhofft sich mit einer Reduktion des Salzkonsums einen deutlichen Rückgang der steigenden Zahl von chronischen Erkrankungen. Erstmal wird auch eine Empfehlung für Kinder in der Richtlinie abgegeben, da immer mehr Kinder und Jugendliche an Bluthochdruck leiden.

Bislang gibt es nur wenige Studien, die Bluthochdruck bei Kindern untersuchen. Die WHO bezieht sich in ihrer Empfehlung auf neun Studien, in denen die Wirksamkeit einer salzarmen Diät bei Kindern und Jugendlichen aus Australien, Europa und den USA im Alter von fünf bis 15 Jahren untersucht wurde. Die Ergebnisse sind eindeutig: Sowohl der systolischen als auch der diastolische Blutdruck werden durch Salzreduktion deutlich gesenkt. Angaben der WHO zufolge sei es zudem zulässig, Studienergebnisse mit erwachsenen Probanden für Kinder heranzuziehen, sobald deren Nierenfunktion vollständig ausgebildet ist.

Erhöhter Salzkonsum wird auch bei Kindern und Jugendlichen neben Bluthochdruck mit Osteoporose, Asthma, Magenkrebs und Übergewicht in Kontext gebracht. Es gibt jedoch nur wenige wissenschaftliche Belege für diesen Zusammenhang.

WHO-Richtlinie zu Natriumkonsum erstmals mit Empfehlungen für Kinder
Als Obergrenze für den täglichen Natriumkonsum hat die WHO bislang für Erwachsene eine Menge von zwei Gramm Natrium festgelegt, was in etwa fünf Gramm Speisesalz entspricht. In der aktuellen Richtlinie wurde „weniger als“ vor diesen Wert gesetzt, so dass fünf Gramm Salz die absolute Obergrenze darstellen.

Für Kinder ist eine Mengenangabe für Natrium schwieriger. Die WHO-Empfehlungen richten sich nach Alter, Größe, Gewicht sowie dem Energiebedarf. Häufig verbrauchen Neunjährige jedoch bereits 2000 Kalorien pro Tag, was dem Energiebedarf einer erwachsenen Frau entspricht. Deshalb rät die WHO dazu, nationale Energietabellen zu verwenden. Dabei sollte die Höchstmenge von zwei Gramm Natrium pro Tag nicht überschritten werden. Angaben der britischen Scientific Advisory Commitee on Nutrition (SACN) zufolge, sollen Kinder durchschnittlich nicht mehr als 1,5 Gramm Natrium täglich zu sich nehmen. Das entsprich etwa einer Menge von 3,5 Gramm Speisesalz. Die Wissenschaftler weisen jedoch daraufhin, dass Kinder, die am normalen Familienessen teilnehmen, häufig deutlich mehr Salz aufnehmen.

Fertigprodukte können wegen hohem Natriumgehalt Bluthochdruck auslösen
Die höchsten Mengen von Natrium sind in Fertigprodukten enthalten. Die Spitzenpositionen nehmen laut WHO Suppenwürfel an erster Stelle, dicht gefolgt von Sojasauce, Speck sowie Knabberzeug wie Chips, Brezeln oder Popcorn ein. Demnach enthalten Speck oder Brezel bereits die Tagesdosis Salz für einen Erwachsenen.

„Die erfolgreiche Umsetzung der Empfehlungen hätte einen großen Einfluss auf die öffentlichen Gesundheitssysteme durch die Reduktion von tödlichen Krankheiten, die Verbesserung der Lebensqualität von Millionen Menschen und deutliche Verringerung der Gesundheitskosten“, berichtet die WHO.

Bluthochdruck erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Bluthochdruck gilt als einer der wesentlichen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem für Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine große Metastudie der Northwestern University in Chicago, die die „vier großen Risikofaktoren“ untersuchte und 2012 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, ergab, dass bereits einer dieser Risikofaktoren die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa um das Zehnfache erhöht. Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Nikotinkonsum, erhöht sich das Risiko nochmals drastisch.

Mediziner raten Menschen, die an Bluthochdruck leiden, dringend dazu, weitere Risikofaktoren wie Rauchen zu vermeiden. Zwar überlebt mittlerweile fast jeder ins Krankenhaus gebrachte Herzinfarktpatient, jedoch bleiben häufig Folgeschäden wie eine Herzinsuffizienz oder eine schwerwiegende Herzrhythmusstörung zurück, die die Lebenserwartung deutlich verringern können.

Der WHO zufolge ist ein Blutdruck von 120 (systolisch) zu 80 (diastolisch) mm Hg für einen Erwachsenen optimal. Von Hypertonie wird laut dieser Definition ab 140 (systolisch) zu 90 (diastolisch) mm Hg gesprochen. Bei der Messung des arteriellen Blutdrucks werden zwei Werte ermittelt: der erste, obere Wert ist der systolische arterielle Blutdruck, der den Druck im Herz zu dem Zeitpunkt misst, in dem sich der Herzmuskel maximal zusammenzieht. Der zweit Wert ist der diastolische arterielle Blutdruck, der den Druck angibt, wenn sich der Herzmuskel wieder entspannt.

Angaben der WHO zufolge leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an Bluthochdruck. Etwa bei jedem dritten Erwachsenen sind die Werte zu hoch. Hypertonie führt jährlich zu rund 7,6 Millionen vorzeitigen Todesfällen und hat in Europa einen Anteil von 35 Prozent an der Gesamtzahl der Sterbefälle. (sb)

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