WHO: Videospielsucht als psychische Krankheit einzustufen

Alfred Domke

WHO: Video-Spielsucht wird in Internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen

Videospiele sind vor allem bei Jüngeren äußerst beliebt. Viele Eltern machen sich jedoch Sorgen, dass das viele Spielen den Kindern schadet. In der Tat kann das ständige „Daddeln“ negative Folgen haben. Manche Menschen können gar nicht mehr damit aufhören und werden süchtig danach. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Video-Spielsucht im kommenden Jahr in die Internationale Klassifikation der Krankheiten aufnehmen.

Videospielsucht wird in Internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen

Computerspiele sind insbesondere bei Kindern und Jugendlichen äußerst beliebt. Eltern sind darüber meist weniger erfreut. Denn Videospiele haben den Ruf, aggressiv oder gar asozial zu machen. Zudem kommen viele Menschen gar nicht mehr von der Konsole und dem Bildschirm weg und entwickeln eine Spielsucht. Diese wird von vielen bislang nicht richtig ernst genommen. Daran könnte sich bald etwas ändern. Denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will die Spielsucht nach Videospielen nächstes Jahr in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufnehmen.

Computerspiele sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen äußerst beliebt. Bei manchen so sehr, dass sie davon abhängig werden. Die WHO will die Videospielsucht im kommenden Jahr in die Internationale Klassifikation der Krankheiten aufnehmen. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Auswirkungen von Computerspielen

Videospiele sind oft besser als ihr Ruf. So haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass manche Computerspieler deutlich besser lernen können und dass Videospiele mitunter gut für die Gehirn-Entwicklung sind.

Zudem berichteten Forscher vor kurzem, dass bestimmte Videospiele vor Demenz schützen könnten.

Allerdings zeigten sich in Studien auch die negativen Seiten des „Daddelns“. So stellten kanadische Wissenschaftler fest, dass manche Videospiele wertvolle Gehirn-Masse im Hippocampus-Areal vernichten können.

Zudem können solche Spiele abhängig machen.

Vorrang vor anderen Lebensinteressen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird voraussichtlich im Mai 2018 ihre neue Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz IDC, verabschieden.

Dann wird in dem weltweit anerkannten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen erstmals auch die Videospielsucht enthalten sein.

„Gaming disorder“ wird offenbar unter die Glücksspielsucht eingereiht, wie aus einem bereits öffentlich einsehbaren Entwurf der neuen ICD-Version 11 hervorgeht.

Die Videospielsucht wird demnach als „Störung aufgrund von Suchtverhalten“ im Bereich „Psychische, Verhaltens- oder neurologische Entwicklungsstörungen“ geführt.

Eine Spielstörung äußert sich unter anderem durch eine „zunehmende Priorität für das Spielen in dem Maße, in dem das Spielen Vorrang vor anderen Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten hat“, schreiben die Experten.

„Das Verhaltensmuster ist so schwerwiegend, dass es in persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommt“, heißt es dort weiter.

„Das Muster des Spielverhaltens kann kontinuierlich oder episodisch und wiederkehrend sein.“ Eine Diagnose kann in der Regel erst nach etwa zwölf Monaten gestellt werden.

Nicht jeder Spieler hat eine Störung

„Gesundheitsexperten müssen erkennen, dass Spielstörungen ernsthafte gesundheitliche Folgen haben können“, erklärt Vladimir Poznyak von der WHO-Abteilung für psychische Gesundheit und Drogenmissbrauch in einem Bericht der britischen Zeitung „Independent“.

„Die meisten Leute, die Videospiele spielen, haben keine Störung, genauso wie die meisten Menschen, die Alkohol trinken, auch keine Störung haben“, so der Experte.

Aber: „Unter bestimmten Umständen kann jedoch eine übermäßige Nutzung nachteilige Auswirkungen haben.“ (ad)