WHO-Warnung vor Übergewicht: Europäer werden immer dicker

Sebastian
Bis 2030 könnte in einigen Ländern fast jeder Erwachsene von Übergewicht betroffen sein
Immer mehr Menschen leiden in den europäischen Ländern an Übergewicht oder sogar Adipositas (Fettleibigkeit). Die dramatischen Folgen für die Gesundheit sind zwar vielen Betroffenen bekannt – unter anderem ein stark erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – dennoch scheint kein Umdenken in der Bevölkerung stattzufinden. Vielmehr scheinen sich ungesunde Ernährungsgewohnheiten zunehmend zu verstärken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Europäische Region warnt vor einer „Übergewichts-Krise enormer Ausmaße“ bis zu Jahr 2030.

Immer mehr Übergewichtige in Europa
In Europa leiden immer mehr Menschen an Übergewicht. Der WHO zufolge könnte die Situation vor allem in Irland dramatisch werden, wo bis 2030 fast alle Erwachsenen übergewichtig sein werden. Das ist eines der alarmierenden Ergebnisse einer WHO-Studie, in der das voraussichtliche Gewicht von Frauen und Männer aus 53 europäischen Ländern berechnet wurde. Die Forscher verglichen Daten zu Übergewicht (Body-Mass-Index ab 25) und Fettleibigkeit (BMI ab 30) aus dem Jahr 2010 mit Projektionen für 2030. Die Zahlen wurden von der WHO anlässlich des Europäischen Kongresses zu Übergewicht in Prag präsentiert.

Neben Irland müssen zukünftig auch Griechenland, Spanien, Schweden, Österreich und Tschechien mit viel mehr Übergewichtigen rechnen. 2030 könnten doppelt so viele Griechen fettleibig sein wie noch 2010. Bisher spielte Übergewicht in Schweden keine große Rolle. Jedoch könnten der WHO zufolge bis 2030 ein viertel aller Männer in dem skandinavischen Land zu viele Kilos auf die Waage bringen. 2010 waren es noch 14 Prozent.

2030 könnten zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig sein
Auch in Deutschland nimmt die Bevölkerung stetig zu. Laut WHO leiden hierzulande zukünftig vor allem die Männer verstärkt an Übergewicht. Insgesamt zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen sollen bis 2030 deutlich vom Normalgewicht entfernt sein. Der Studie zufolge soll sogar fast jeder vierte Mann und mehr als jede fünfte Frau von Fettleibigkeit betroffen sein. Zwar gibt es in Europa Länder mit extremerem Übergewicht, jedoch sind auch die hohen Zahlen für Deutschland sehr problematisch. Denn wer zu viele Kilos mit sich herumschleppt, muss mit gravierenden gesundheitlichen Folgen leiden. So können unter anderem Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Metabolisches Syndrom, Krebs, Fettlebererkrankungen sowie hormonelle Störungen zu den Folgen von Übergewicht zählen, die im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Patienten führen. Häufig leidet auch die Psyche unter dem Übergewicht. Kinder werden in der Schule diskriminiert und ausgegrenzt. Ähnliches passiert immer wieder auch Erwachsenen im Job. Die Folgen können Depressionen und soziale Probleme sein. Das bestätigt auch eine Studie von Forschern, der Universitätsklinik Leipzig, nach der vor allem stark fettleibige Menschen (BMI ab 35) häufig Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt sind.

„Die Ergebnisse beweisen, dass die Diskriminierung wegen Fettleibigkeit und ihre negativen Folgen höchst relevante Probleme in der Gesellschaft sind“, erklärte Hauptautorin Jenny Spahlholz von der Universitätsklinik Leipzig gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Auswege aus der Übergewichtskrise
Die WHO fordert angesichts der dramatischen Entwicklung alle Länder auf, umgehend Gegenmaßnahmen zu ergreifen. „Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen“, zitiert die Nachrichtenagentur Laura Webber vom britischen Gesundheitsforum, das das Projekt in Kooperation mit der WHO in Europa durchgeführt hat.

Die Studie zeigt aber auch einen positiven Trend – zumindest für die Niederlande. Als einziges europäische Land werden die Menschen dort immer schlanker. Weniger als die Hälfte der Männer soll im Jahr 2030 noch übergewichtig und nur noch acht Prozent fettleibig sein. 2010 waren es noch 54 Prozent und 10 Prozent. (ag)

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