Wie alt werden wir? Weniger auf Hilfe angewiesen

Heilpraxisnet

Weniger Menschen im Alter auf Hilfe angewiesen

04.10.2014

Die mittlere Lebenserwartung von Menschen ist im Lauf der letzten Jahrhunderte deutlich gestiegen. Doch wir werden nicht nur älter, sondern wir werden auch „langsamer älter“, wie ein Experte erklärte. Daher sind auch immer weniger Menschen im Alter auf Hilfe angewiesen.

Lebenserwartung steigt seit Jahrhunderten
Seit Jahrhunderten steigt die durchschnittliche Lebenszeit der Menschen hierzulande. Betrug die mittlere Lebenserwartung im Jahr 1800 gerade mal 35 Jahre, im Jahre 1900 etwa 45 Jahre, so hat ein heute geborenes männliches Baby in Deutschland statistisch etwa 78 Jahre Leben zu erwarten und ein weibliches sogar 83 Jahre. Nach Daten des Max-Planck-Instituts für demografische Entwicklung in Rostock sind mehr als 14.000 Menschen hierzulande 100 Jahre oder älter. Ein wesentlicher Grund für die gestiegene Lebenserwartung wird im medizinischen Fortschritt gesehen. So hat etwa die Entdeckung und Anwendung von Antibiotika dazu geführt unzählige Menschen vor dem Tod durch Infektionskrankheiten zu bewahren.

Medizinischer Fortschritt
Auch Krankheiten am Herzen (z. B. Koronare Herzkrankheit) und an den Blutgefäßen (z. B. Arterienverkalkung) sind heutzutage in vielerlei Hinsicht besser zu behandeln. Entsprechend geringer fällt die Anzahl der Todesfälle durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall aus. Und auch die Lebenserwartung von Krebspatienten ist dank des medizinischen Fortschritts weiter angestiegen. Neben den Entwicklungen in der Medizin und friedlicheren Zeiten zählt auch eine Zunahme gesunder Ernährung zu den Faktoren für längeres Leben. Eine wesentliche Rolle spielt zudem die Veränderung der Arbeitswelt, da sich heute hier keiner mehr „zu Tode schuften“ muss.

Immer mehr Senioren kommen allein zurecht
Neben der erhöhten Lebenserwartung gibt es für heutige Generationen eine weitere gute Nachricht: „Wir werden nicht nur älter, wir werden langsamer älter“, erklärte Humanbiologe Carsten Niemitz laut dem „Focus“. „Vor 100 Jahren hat man mit 50 schon auf dem Rentnerbänkchen vorm Haus gesessen.“ In einer anschaulichen Studie von Florian Trachte von der MHH wurde festgestellt, dass immer mehr Senioren im Alter zwischen 65 Jahren und 89 Jahren allein zurecht kommen, wobei dies in den 1990er Jahren noch anders aussah. Die Ergebnisse wurden im Mai im Fachmagazin „Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie“ veröffentlicht.

Wie gut leben Patienten mit Erkrankungen weiter
Demnach schätzen sich Ältere in der heutigen Zeit im Hinblick auf ihre Gesundheit ein wenig besser ein. Allerdings seien die bisherigen Umfragen sehr subjektiv gefärbt, bis zum Jahresende soll noch eine weitere umfangreichere und aussagekräftigere Untersuchung stattfinden, die sich auf Daten der Krankenversicherung stützen soll. So sollen Erkenntnisse gesammelt und herausgefunden werden, in welchem Alter Menschen an Diabetes, Herzinfarkt, Bronchialkarzinom und an einem Schlaganfall erkranken. Es sei dabei jedoch nicht vordergründig, wann die Erkrankung begonnen hat, sondern, wie gut die Patienten damit weiterleben. Die Erkenntnisse der neuen Studie werden wohl auch in die Diskussion um ein höheres Renteneintrittsalter mit einfließen.

Deutschland nicht in den Top Ten
Doch nicht nur hier, auch weltweit müssen sich Gesellschaften mit den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung auseinandersetzen. In Japan beispielsweise haben Mädchen, die 2012 geboren wurden, eine durchschnittliche Lebenserwartung von 87 Jahren. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei den Männern Island mit 81 Jahren an der Spitze. Anders als etwa Italien oder die Schweiz gehört Deutschland nicht zu den weltweiten Top Ten. Trotz der gesteigerten Lebenserwartung hat sich den Experten zufolge biologisch im Menschenkörper nichts getan. Vielmehr sei dabei das „geistige Zurruhesetzen“ von Bedeutung. Im Alter passiv zu sein, sei der falsche Weg. Damit läuft man Gefahr, noch schneller zu altern. Bereits seit über 30 Jahren wird die Wiederholungsbefragung basierend auf Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) durchgeführt. (ad)

Bild: Dieter / pixelio.de