Wie ernähren wir die Stadt? Beispiele aus Brasilien und China

Stadtentwicklung: So können Städte ernährt werden. Bild: JFL Photography - fotolia
Sebastian
Wie ernähren wir die Stadt?
Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin beschäftigte sich mit dem Thema „Wie ernähren wir die Stadt?“. Mit welchen Ansätzen das gelingen kann, zeigten Beispiele, die in den Fachforen vorgestellt wurden.
In der brasilianischen Stadt Belo Horizonte leben mit 2,5 Millionen Menschen rund 84 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates Minas Gerais. Vor 20 Jahren schon hat die Stadtverwaltung damit begonnen, sich um die Ernährung in der Stadt zu kümmern. Alles begann mit Schulgärten im Jahr 1991. Daraus wurde vier Jahre später mit Hilfe der Vereinten Nationen ein Komplettprogramm, berichtete Bürgermeister Marcio Lacerda. Heute gibt es 144 Stadtgärten zwischen 200 und 3.000 Quadratmeter Größe. Die meisten Stadtgärten werden von kleinen Gemeinschaften betrieben, fünf größere bauen Produkte für den Handel an. Mit Landwirten aus Minas Gerais wurden erste Verträge für direkte Lieferungen von Lebensmitteln abgeschlossen, die jährlich an spezielle Verkaufspunkte etwa 740 Tonnen Lebensmittel liefern.

Stadtentwicklung: So können Städte ernährt werden. Bild: JFL Photography - fotolia
Stadtentwicklung: So können Städte ernährt werden. Bild: JFL Photography – fotolia

Basis für die Projekte sind Schulungen von Mitarbeitern im öffentlichen Bereich wie auch im privaten Sektor. Inhalte sind Pflanzkalender wie auch Bodenbearbeitung sowie Fruchtfolgenwechsel. Schließlich steht am Ende auch eine Qualitätskontrolle.

Wichtig war die Teilhabe der Menschen von Beginn an. Die Stadt hat ihre Nahrungsmittelhilfe ausgeweitet, so dass Belo Horizonte heute als „Stadt ohne Hunger“ gilt. Für registrierte Obdachlose gibt die Stadt täglich bis zu 11.000 Mahlzeiten aus. In den Schulen werden täglich 350.000 Mahlzeiten verteilt.

Es ist nicht nur das Mosaik aus „Urban Gardening“ in kleinem Maßstab und Lieferbeziehungen zwischen Stadt und Land, das die Situation der Menschen verbessert. Die Einwohner von Belo Horizonte können ihre eigenen Sorten kultivieren. Das ist ihnen mit einem Stadtgesetz sogar rechtlich zugesichert. Im Rahmen von Gemeinschaften werden individuelle Verantwortlichkeiten für tägliche Pflichten zugeteilt.

Eine ähnliche Bewegung gibt es auch in China. Der Vertrauensverlust in heimische Produkte seit dem Melamin-Skandal 2008 hat zu einer neuen Form der Verbraucher-Landwirte-Beziehung geführt. Bis zu zwei Stunden fahren Pekinger mit dem Bus aufs Land und bewirtschaften rund 30 Quadratmeter große gepachtete Flächen bei „ihrem Landwirt“. Einzeln, in Gemeinschaft oder mit Hilfe des Landwirts. Community Supported Agriculture (CSA) heißt der Trend, über den Shi Yan, Direktorin der Shared Harvested Ecological Agriculture Services, berichtete. Die Produkte direkt vom Bauern sind doppelt so teuer als konventionelle Lebensmittel. Allerdings praktizieren bisher nur wenige Hundert Menschen CSA.

Nach Ansicht von Professor Dr. Sir Gordon Conway vom britischen Imperial College wird sich aber auch künftig die Mehrheit der Städter nicht durch „Urban Gardening“ ernähren können. Die Hauptnahrungspflanzen wie Getreide und Hülsenfrüchte werden weiterhin großflächig auf dem Land angebaut werden. Weitere Informationen: Über Urban Gardening informiert der aid infodienst auf www.aid.de, Rubrik Lebensmittel, Nachhaltiger Konsum (Roland Krieg, aid)

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