Wie können sich ältere Menschen vor gefährlichen Stürzen schützen?

Alexander Stindt

Wie kann das Risiko für Stürze bei alten Menschen reduziert werden?

Stürze sind eine der Hauptursachen für Verletzungen und Tod bei älteren Menschen. Etwa einer von drei Erwachsenen im Alter von 65 Jahren oder älter ist schon einmal schwer gestürzt. Forscher haben jetzt untersucht, wie sich ältere Personen vor Stürzen schützen und generell das Sturzrisiko reduzieren können.


Die Wissenschaftler der U.S. Preventive Services Task Force stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Stürze eine Hauptursache für Verletzungen und Tod bei älteren Erwachsenen sind. Allerdings kann regelmäßige Bewegung und sportliche Betätigung effektiv vor Stürzen schützen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „JAMA“.

Ältere Menschen haben ein stark erhöhtes Risiko schwere Stürze zu erleiden. Mediziner untersuchten jetzt, wie sich Betroffene vor solchen Stürzen schützen können. (Bild: Christian Delbert/fotolia.com)

Ergebnisse von mehreren Studien wurden analysiert

Die Experten analysierten die Ergebnisse von etwa zwanzig verschiedenen Studien mit Teilnehmern ab einem Alter von 65 Jahren. Die Hälfte dieser Studien beinhaltete Menschen mit einem hohen Sturzrisiko. Durch die kombinierte Analyse von mehreren Studien konnten die Wissenschaftler feststellen, dass regelmäßige Bewegung und sportliches Training die Wahrscheinlichkeit von Stürzen und Verletzungen im Zusammenhang mit Stürzen reduziert.

Verschiedene Trainingsprogramme waren sehr effektiv

Es wurde eine Reihe von Trainingsinterventionen untersucht, die alle effektiv zu sein schienen, sagte Professor Dr. Alex Krist von der U.S. Preventive Services Task Force. Die Übungsprogramme konzentrierten sich auf Kraft- und Widerstandstraining sowie Balance und Gang. Sie beinhalteten Einzel- und Gruppenübungen sowie Überweisungen an einen Physiotherapeuten oder die Teilnahme an Übungsklassen wie beispielsweise Tai Chi, erläutert Professor Dr. Krist weiter.

Vitamin-D-Supplementierung schützt nicht vor Stürzen

Die Mehrheit der Studien forderte die Teilnehmer auf ein Jahr lang dreimal in der Woche an körperlichen Übungen teilzunehmen. Durch die Absolvierung der Übungsprogramme verringerte sich das Risiko zu stürzen, um zehn bis zwanzig Prozent, fügt Krist hinzu. Es wurde auch die Evidenz für die Vorteile durch Vitamin-D-Ergänzungen überprüft. Die Experten änderten als Folge ihre Empfehlung aus dem Jahr 2012, die besagten, dass ältere Menschen über 65 Jahre sich durch eine sogenannte Vitamin-D-Supplementierung vor Stürzen schützen können. Die Mediziner raten nun davon ab, außer die Betroffenen leiden an Osteoporose oder Vitamin-D-Mangel. Nach einer Überprüfung mehrerer Studien zur Wirksamkeit der Supplementierung mit Vitamin-D bei der Sturzprophylaxe sah die Arbeitsgruppe keinen konsistenten Nutzen.

Vitamin-D verhindert keine Frakturen bei Stürzen

Die Analysen zeigten weder eine signifikante Verringerung der Stürze noch einen signifikanten Effekt auf die Zahl der Personen, die einen Rückgang der Vitamin-D-Supplementierung erlitten haben, schreiben die Autoren des Berichts. Die Empfehlung gilt für ältere Erwachsene ohne Vitamin-D-Mangel, sagt Professor Dr. Krist. Es konnte festgestellt werden, dass Vitamin-D in dieser Gruppe keine Stürze verhindert und niedrigere Dosen von Vitamin-D und Kalzium Frakturen nicht vermeiden.

Sollten ältere Menschen nicht generell Vitamin-D einnehmen?

Angesichts der Tatsache, dass ein Vitamin-D-Mangel bei älteren Erwachsenen üblich ist und über zwanzig Prozent der Bevölkerung an einem solchen Mangel leiden, stellt sich natürlich die Frage, warum eine Vitamin-D-Supplementierung nicht generell allen älteren Erwachsenen empfohlen wird. Menschen sollten versuchen durch ihren normale Lebensstil eine gesunde Dosis von Vitamin-D und Kalzium zu erhalten, raten die Mediziner. Es ist unsicher, ob die Einnahme als Nahrungsergänzung insgesamt vorteilhaft oder schädlich ist, erklärt Professor Dr. Krist.

Für einige Menschen ist eine Vitamin-D-Ergänzung sinnvoll

Eine der analysierten Studien ergab beispielsweise ein erhöhtes Risiko für entstehende Nierensteine bei Frauen, welche 400 internationale Einheiten (IE) von Vitamin-D und 1.000 Milligramm Kalzium täglich zu sich nahmen. Für Patienten mit erhöhtem Risiko für Osteoporose, Patienten mit Vitamin-D-Mangel oder beidem ist eine Ergänzung mit Vitamin-D (800-1000 IE / d oder mehr) allerdings durchaus sinnvoll.

Weitere Forschung soll die Ergebnisse bestätigen

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass es in den kommenden Jahren mehr Evidenz geben wird, um festzustellen, ob höhere Dosen von Vitamin-D-Supplementierung bei Frakturen und Stürzen hilfreich sein können. In den USA und Europa laufen derzeit zwei klinische Studien, bei denen täglich 2000 IE Vitamin-D im Vergleich zu Placebo getestet werden. Somit werden Ärzte in Kürze mehr Daten zur Verfügung haben, um ihre Behandlungsentscheidungen in diesen wichtigen Bereichen zu treffen, erklären die Mediziner. (as)